Berlin - Die RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" beschäftigt mittlerweile auch die Landesmedienanstalten. Das Format verletze möglicherweise die Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte, sagte Uta Spies, Sprecherin der zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) am Dienstag in Hannover. RTL hielt dagegen, dass Kakerlaken-Bad und Schlangen-Grube auch "Unterhaltung" seien. "Die Zuschauer lieben das Programm", sagte RTL-Sprecher Christian Körfer.
Wirbel um Daniels Kakerlaken-Probe
Für Aufsehen sorgte die Sendung vor allem durch die dritte Mutprobe, in der Sänger Daniel Küblböck (18) in einem gläsernen "Kakerlaken-Sarg" Punkte fürs Abendbrot sammeln musste. Küblböck war insgesamt drei Mal von den Zuschauern für die Proben ausgewählt worden. Bei der letzten, in der er seinen Kopf in ein Aquarium mit Goldfischen, Aalen und Wasserspinnen stecken musste, gab er auf. Für die letzte Mutprobe musste Ex-Sat.1-Moderatorin Caroline Beil (37) antreten. Sie musste sich mehreren Straußen-Vögeln stellen, die auf ihr rumhackten.
Laut Sprecherin Spies wird sich die NLM am Mittwoch mit dem Format beschäftigten. Im Februar soll das Thema dann bei der Gemeinsamen Stelle für Programm und Werbung aller Landesmedienanstalten beraten werden. Die Chancen für eine offizielle Beanstandung seien allerdings gering. "Big Brother" habe gezeigt, dass Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte im Fernsehen schwer zu verletzen seien. Zudem handele es sich bei den Kandidaten um Prominenten, die in der Öffentlichkeit stünden und wüssten, mit Medien umzugehen.
"Foltermethoden"
Mit heftiger Kritik reagierte der Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts in Düsseldorf, Jo Groebel, auf diese Zumutungen. "Das sind Methoden, die an Foltermethoden erinnern", sagte er der AP. Küblböck habe gefangen im wassergefüllten Helm "schlicht und einfach Todesangst" im Gesicht gestanden. „Es ist einfach so, dass man schlicht und einfach nicht so mit Menschen umgeht“, sagte Groebel.
Dass die Stars im Fall, dass die Prüfung verweigert würde, nichts zu essen bekämen, bezeichnete Groebel als erpresserische Methode: "Das ist von der Konstruktion schon ziemlich perfide." Der Medienwissenschaftler sagte, er sei "baff, dass RTL, ein Sender, der sich ein gutes Image aufgebaut hat, so etwas macht".
RTL: Kandidaten wussten Bescheid
Bei RTL gibt man sich gelassen. Die Kandidaten hätten nicht "die Katze im Sack gekauft", sagt der zuständige Medienredakteur Claus Richter. Sie hätten von Anfang an gewusst, worauf sie sich einlassen. Dennoch hätten alle den Vertrag unterzeichnet. Die Schauspielergage, die sie dafür erhalten, dürfte dafür nicht den Ausschlag gegeben haben. Dann schon eher die Suche nach Abenteuer oder der Wunsch nach einem neuen Image, mutmaßt Richter.
Für die Zuschauer liegt der Reiz der Show seiner Einschätzung nach in der Thematisierung von "Phobien, die jeder hat", dem Austragungsort Australien mit all seiner Exotik und im "psychologischen Aspekt", dass sich die vermeintlich bekannten Promis im Camp verändern und ihre "Masken" fallen lassen könnten.
Zuschauer lassen sich von Ekel-TV locken
Die Zuschauer ziehen der Klatsch im Camp und die Ekel-Aufgaben im Dschungel-Camp indessen in Scharen vor den Fernseher. Am Montagabend verfolgten im Schnitt 5,48 Millionen Zuschauer Küblböcks Kopf-Tauchgang, am Sonntag waren es 6,3 Millionen. In der für die Werbung interessanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag die Quote am Montag laut RTL damit bei 48,9, am Sonntag bei 28,5 Prozent. Ab Freitag werden die Zuschauer per Telefonvoting entscheiden, wer das Camp verlassen muss. Am 20. Januar wird im Finale der "König des Dschungels" bestimmt. (sa/ha/ddp/AP)