Die Ostseehalle brodeltAus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:
Die Ostseehalle brodelt. Der aktuelle Deutsche Meister trifft auf den Serienmeister des vergangenen Jahrzehnts. Insgesamt neun frischgebackene Europameister streiten auf dem Parkett nicht nur um zwei Bundesliga-Punkte, dem Sieger winkt Rang drei und die vorläufige Sicherung eines Champions League-Platzes. Und trotz (Minus-)Punktgleichheit könnten die Vorzeichen nicht unterschiedlicher sein. Der THW Kiel bleibt nach der Europameisterschafts-Pause weiter ungeschlagen und präsentiert sich nach dem erstmaligen Gewinn bei Angstgegner Wetzlar im Aufwind, während sich der amtierende Titelträger TBV Lemgo nach einer Niederlage in Essen bereits unter Zugzwang wähnt.
Man habe schon in aller Welt gewonnen, nur bei der HSG Wetzlar noch nie, orakelte Noka Serdarusic vor dem Auftritt am vergangenen Wochenende. Nun ist auch dieser bislang schwarze Fleck der Handball-Landkarte erobert. "Ich bin sehr glücklich", grinste der Kieler Trainer nach dem ersten Streich im siebten Versuch, "es war eine Herausforderung, hier endlich einmal zu gewinnen. Eigentlich könnte ich jetzt aufhören." Der THW-Coach war rundum zufrieden, alle Akteure in seiner Mannschaft hatten ihre Leistung gebracht. "Wir haben engagiert und motiviert gespielt und kompakt in der Abwehr gestanden", zollte Serdarusic seiner Zebra-Herde nach dem 29:41 bei der HSG Wetzlar Respekt. Die Chancen auf Rang Drei in der Bundesliga-Tabelle seien mit dem Auswärtserfolg in Nordhessen gewahrt worden. Schon am Sonnabend könnte der momentan Viertplatzierte THW Kiel (34:10 Punkte) nun mit einem Sieg den TBV Lemgo (36:10) aus den Champions-League-Rängen verdrängen.
"Dieses Spiel ist für beide Mannschaften richtungsweisend", sagt Uwe Schwenker. Der Gewinner der heutigen Partie setzt ein Ausrufezeichen auf dem Weg zurück an die Spitze. Nach Flensburgs (38:8 ) Niederlage in Magdeburg (37:7) am vergangenen Dienstag beträgt der Abstand nach ganz oben nur noch drei Minuspunkte. Der Kieler Manager mag sich allerdings nicht an Spekulationen um Meistertitel und fiktiven Rechenexempeln über Champions League-Qualifikationen beteiligen. "Wir müssen zunächst einmal all unsere restlichen Spiele gewinnen, dann schauen wir weiter", so Schwenker. Er gibt sich bescheiden optimistisch. Bereits in Wetzlar habe man gesehen, dass die Mannschaft gut drauf und die Stimmung klasse sei. "Jetzt haben wir eine weitere schöne Aufgabe vor uns: Lemgo", so Schwenker.
Der TBV Lemgo indes befürchtet offenbar schon, den Anschluss im Kampf um die Deutsche Meisterschaft zu verlieren. "Für uns ist bereits das Duell in Essen ein Schlüsselspiel", schrieb National-Rechtsaußen Florian Kehrmann zu Wochenbeginn in seiner Sport1-Kolumne, "eine Niederlage, und die Titelverteidigung rückt in weite Ferne." Der amtierende Champion verlor beim TUSEM mit 29:24 und steht nun erneut unter Druck. Eine weitere Niederlage, so heißt es aus Lemgo, und man könne das "Unternehmen Titelverteidigung" zwölf Spieltage vor Saisonende praktisch schon ad acta legen. Am Sonnabend Nachmittag geht es also um alles oder nichts.
(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports)