THW verliert in Minden
Der THW Kiel ist mit einem klassischen Fehlstart aus der EM-Pause gekommen. Beim Tabellen-17. GWD Minden verloren die Zebras am Sonntag Abend nach einer dominierten ersten Hälfte sensationell mit 30:32 (17:13). In einer dramatischen Schlussphase hatten die Gastgeber das kraftvollere Spiel gegen einen THW, der einen nach 30 Minuten sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gab.
Die Kieler legten von Beginn an ein hohes Tempo vor. Immer zu erkennen war das Bestreben der Zebras, an den Tempohandball des Dezembers anknüpfen zu wollen. Gestützt auf eine gut harmonierende Abwehr und einem souveränen Mattias Andersson im Tor ging der THW frühzeitig klar in Führung. Über 4:2 (7.), Szilagyis 7:3 (9.) und Karabatics viertem verwandelten Siebenmeter zum 10:4 (14.) sorgten die Kieler zunächst für klare Verhältnisse. Niemeyers rüdes Foul gegen Marcus Ahlm brachte die rund 200 Kieler Schlachtenbummler und die Bank der Zebras dann wieder richtig in Wallung. Während Noka Serdarusic vehement die Rote Karte für den Übeltäter forderte, beließen es die Unparteiischen beim Gelben Karton. Dennoch erhöhte Christian Zeitz auf 12:5, ehe nach Ahlms 13:6 per Tempogegenstoß ein kleiner Bruch im Spiel der Zebras zu verzeichnen war. Tor um Tor robbten sich die Ostwestfalen nun an den amtierenden Deutschen Meister heran: Niemeyer, Kusilew und Just verkürzten auf 9:13 (23.), ehe Kim Andersson torlose vier Minuten des THW beendete. Diesen Vier-Tore-Vorsprung nahmen die immer noch auf das Tempo drückenden Zebras aber mit in die Pause - 17:13 führte der THW nach dreißig Minuten, ein letztes Highlight setzte Torhüter Andersson, der kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Ball des frei auf ihn zulaufenden Backovics entschärfte.
Die THW-Akteure schienen dann allerdings ein wenig zu lang am Pausentee genippt zu haben. GWD verkürzte durch Schäpsmeier, Kusilew und Niemeyers Siebenmeter auf 16:17 (32.), zudem hatte Minden in dieser Phase einen Pakt mit dem Torgebälk geschlossen: Lövgren und Kim Andersson scheiterten jeweils an Pfosten oder Latte, erst Ahlm, Andersson und wenig später Kavticnik besiegten den Torfluch und sorgten mit ihren Treffern zum 20:16 für wieder entspanntere Mienen auf der THW-Bank. Diese wandelten sich nun allerdings im Minutentakt, denn GWD konterte zum 21:22 (42.). Als wenig später Just sogar zum Ausgleich treffen konnte, rieben sich nicht nur die 3500 Zuschauer in der Kampa-Halle verwundert die Augen. Die Fans entfachten nun einen Höllen-Lärm, in dem die Zebras Mühe hatten, die Ruhe zu bewahren. Beim Stand von 23:23 scheiterte zunächst Karabatic per Siebenmeter an Besirevic, ehe der GWD-Kepper auch den Strafwurf von Lundström entschärfen konnte. Fortan schien alles gegen die Kieler zu laufen, Minden hingegen drehte mächtig auf und ging binnen vier Minuten mit 26:23 (47.) in Führung. Vor allem der immer stärker werdende Just stellte die Kieler Abwehr vor immer größere Probleme.
Serdarusic zog nun die Notbremse, nahm eine Auszeit, um seine Spieler zu beruhigen. Den Spielrausch der Ostwestfalen schien Kiels Trainer damit unterbunden zu haben, seine Mannen kamen wieder ins Spiel. Andersson hielt zunächst einen Siebenmeter von Niemeyer (50.), im Gegenzug verwandelte Kavticnik einen Strafwurf zum 26:26 - die Zebras waren wieder dran. Fortan entwickelte sich eine zum Teil dramatische Begegnung, die die Zuschauer von den Sitzen riss. GWD Minden fightete ob der nicht für möglich gehaltenen Chance, dem THW ein Bein zu stellen, buchstäblich bis zum Umfallen. Gegen Just war zudem in der Schlussviertelstunde kein Kraut mehr gewachsen. Nch Belieben traf dieser die Zebras ins Mark. Besirevic im Tor der Gastgeber entschärfte dann noch einen weiteren Siebenmeter - Lövgren vergab diese Möglichkeit zum Ausgleich. Als Kusilew kurz vor Ende zum 31:29 traf, war die Sensation des ersten Spieltages nach der EM-Pause perfekt - während Mindens Akteure gemeinsam mit den Fans feierten, schlichen die Zebras mit hängenden Köpfen vom Parkett...
(Christian Robohm)