Champions League: Kiel hat trotz 28:32-Pleite im Hinspiel die Hoffnung nicht verloren
Flensburg - Ist im Viertelfinale der Champions League Endstation für den THW Kiel? Mit 32:28 gewann die SG Flensburg am vergangenen Dienstag das Hinspiel in der Ostseehalle. Diesen Vier-Tore-Vorsprung müsste der deutsche Handballmeister heute Nachmittag (15 Uhr, live im NDR Fernsehen) in der mit 7000 Zuschauern ausverkauften Campushalle aufholen. Ein Kunststück, das in der Europapokalgeschichte der SG bisher noch keinem Gast gelang.
Von 52 Heimspielen in internationalen Wettbewerben haben die Flensburger nur eines verloren - gegen den spanischen Klub BM Altea im November 2002 (26:29). Zahlenspiele, von denen Trainer Kent-Harry Andersson nichts wissen will. "Über so etwas müssen wir uns gar nicht erst unterhalten", meint der Schwede, der auch den Vorsprung aus den Köpfen seiner Spieler löschen will. "Der lässt sich im Fußball verteidigen, aber nicht im Handball." Seine Devise: "Wir wollen auch dieses Spiel gewinnen."
Dabei kann Andersson voraussichtlich wieder auf seine dänische Brechstange Joachim Boldsen zurückgreifen, der wegen eines Muskelfaserrisses im Hinspiel pausierte. "Es wäre schön, wenn er uns zehn Minuten pro Halbzeit helfen könnte." Mit von der Partie ist auch der Pole Marcin Lijewski, der in der Ostseehalle noch mit einem dicken Knie von der Platte humpelte. Die medizinische Abteilung gab bereits grünes Licht.
Kent-Harry Andersson rechnet nicht nur mit einer Kieler Mannschaft, die angesichts des Rückstandes irgendwann zu einer "Indianer-Deckung" übergehen wird. Er glaubt auch an einen anderen Auftritt des Franzosen Nikola Karabatic, der im Hinspiel zehnmal das Tor verfehlte, bevor er es doch noch traf: "Er ist vielleicht der beste Spieler der Welt und wird nicht noch einmal einen solch schlechten Tag haben."
Optimismus bei den Flensburgern und keine Spur von Depression bei den Kielern. Direkt nach der blamablen Vorstellung im Hinspiel bezifferte Trainer Noka Serdarusic die Halbfinalchancen seiner Mannschaft zwar auf lediglich 15 Prozent. "Sicher ist aber, dass wir ganz anders auftreten werden, als am Dienstag."
Davon ist auch sein Kreisläufer Marcus Ahlm überzeugt, der das 28:32 mit einer unruhigen Nacht bezahlte. "Nach verlorenen Spielen schlafe ich immer schlecht. Zum Glück verlieren wir nicht so oft." Die Niederlage habe ihn sehr enttäuscht. Grund genug, sich am Mittwoch in den eigenen vier Wänden zu verstecken, sei dieses Spiel aber nicht gewesen. "Ich habe von vielen Menschen nur Nettes gehört", meint der Schwede, der auch mit seinen Kameraden das Geschehene nicht verdrängen wollte. "Das war in Kiel immer so, dass wir über Fehler gesprochen haben. Wir wollen uns schließlich entwickeln."
Das erneute Duell mit Flensburgs Kreisläufer Johnny Jensen, der ihm vor einigen Monaten die Nase brach, lässt den 27-Jährigen kalt. "Viele arbeiten am Kreis so intensiv wie er. Das ist normal und auf dieser Position auch unsere Aufgabe." Im Hinspiel mussten beide nach diversen Auseinandersetzungen jeweils zweimal auf die Strafbank. "Schubsen gehört dazu. Und irgendwann wird es den Schiedsrichtern zu viel. Dann ist nur wichtig, den Mund zu halten." Ahlm ist fest davon überzeugt, dass der THW und nicht Flensburg das Halbfinale erreicht. "Wir glauben alle daran, und wir werden es auch schaffen."
Die Zebras reisten bereits gestern nach Flensburg und trainierten am Nachmittag noch einmal in der Campushalle. Die Nacht verbrachten die Kieler in einem Flensburger Hotel, dessen Lage ein Geheimnis blieb. Aus Sorge, diesmal von SG-Fans um den Schlaf gebracht zu werden.
(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 04.03.2006)