"Ein kleines Familientreffen" - THW Kiel freut sich in der Champions League auf ein Wiedersehen mit Staffan Olsson und Tobias Karlsson
Wien - Als Nikola Karabatic nach Montpellier HB auch noch Hammarby IF aus dem Lostopf fischte, kannte die Freude bei Uwe Schwenker, Manager des Handballmeisters THW Kiel, keine Grenzen mehr. Der Titelverteidiger hatte bei der Auslosung der neuen Champions-League-Saison am Freitag in Wien großes Glück gehabt. "Das wird ein kleines Familientreffen in der Ostseehalle", meinte Schwenker.
Mit Karabatic, Thierry Omeyer und Neuzugang Igor Anic haben die Kieler mittlerweile drei ehemalige Spieler des achtfachen französischen Meisters aus Montpellier unter Vertrag. Den schwedischen Meister Hammarby IF trainiert Staffan Olsson, der zwischen 1996 und 2003 neun Titel mit den Zebras gewann. Bei dem Kult-Klub aus Stockholm spielt zudem Tobias Karlsson mit, der in der vergangenen Saison für einige Wochen in die Bresche sprang, als die Personalnot im linken Rückraum des THW ihren Höhepunkt erreicht hatte.
Den dritten Gegner ermitteln HCM Constanta (Rumänien) und KV Sasja HC (Belgien) in zwei Qualifikationsspielen (1./2. und 8./9. September). Auf Constanta trafen die Kieler bereits in der vergangenen Saison. In der Vorrunde gewann der THW beide Spiele (47:31, 28:37) und die Rumänen belegten am Ende in der Gruppe E den dritten Platz, spielten im Pokalsieger-Cup weiter und scheiterten erst im Viertelfinale an RK Zagreb.
"Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass sich Constanta durchsetzen wird", meinte Schwenker, der wusste, bei wem er sich nach der Auslosung zu bedanken hatte. "Nikola ist nicht nur ein guter Handballer, er kann auch gut Lose ziehen." Bevor Karabatic, der ohne Begleitung nach Wien gereist war ("Ich habe im Moment keine Freundin und bin noch auf der Suche"), um 22 Uhr die Bühne im Uniqa-Tower betrat, nahm ihn Schwenker noch einmal in den Arm. "Ich habe ihm gesagt, dass er die Flüge aus der Mannschaftskasse bezahlen muss, wenn er Astrachan oder Zaporozhje zieht." Der THW-Manager gab dem 23-Jährigen aber noch weitere Anweisungen auf den Weg: "Ich wünsche mir Montpellier, Hammarby und Drammen." Beim norwegischen Meister steht Frode Hagen unter Vertrag, der großen Anteil daran hatte, dass der THW auch in der Saison 2005/2006 Meister wurde.
"Ich habe nur die ersten beiden Namen gehört", meinte Karabatic, der die vierstündige Gala als Tischnachbar von Andrej Xepkin erlebte, anschließend mit einem Lausbuben-Grinsen: "Drammen habe ich nicht verstanden, sonst hätte ich die auch noch gezogen." Neben Karabatic (bester Torschütze der vergangenen Saison/89) wurde in Wien auch Xepkin als Rekordmann der Champions League geehrt. Der 42-jährige hatte den Cup sechsmal mit dem FC Barcelona gewonnen und zuletzt als Retter in der Not auch noch mit dem THW Kiel.
Die Gegner in der Vorrunde sind bekannt, die genauen Termine noch nicht. Uwe Stemberg, Spielleiter der Handball-Bundesliga (HBL), geht davon aus, dass frühestens am 20. Juli ein verbindlicher Spielplan für die Bundesliga und den Europapokal feststehen wird. "Der wird aber nur bis Februar 2008 Gültigkeit haben", meinte Stemberg in Wien. "Mit Beginn der zweiten Gruppenphase in der Champions League werden wir ihn noch einmal überarbeiten müssen."
(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 02.07.2007)
Stimmen zur Auslosung:
Zita Newerla, Pressesprecherin der SG Flensburg-Handewitt, gegenüber den KN:Das Los "Ciudad Real" hat mich schon ein bisschen geschockt. Aber die Champions League ist eben die Königsklasse. Ich gehe davon aus, dass Drammen die Qualifikation übersteht und es ein Wiedersehen mit Glenn Solberg geben wird. Darauf freuen wir uns bei der SG riesig. Ich bin mir sicher, dass wir mit Ciudad in die zweite Runde kommen werden.
Alfred Gislason, isländischer Trainer des VfL Gummersbach, gegenüber den KN: Das ist eine schöne Auslosung, ich freue mich riesig. Celje und Veszprem sind super Mannschaften und schwere Gegner, das Playoff wird wohl Valur Reykjavik gewinnen. In dieser ausgeglichenen Gruppe kann es eng für uns werden, wenn wir nicht die volle Leistung bringen.
Peter Krebs, Geschäftsführer HSV Hamburg, gegenüber den KN:
Diese Gala war eine absolute Premium-Veranstaltung. Da- mit müssen wir uns hinter den Fußballern nicht verstecken. Für uns hätte es bei der Auslosung schlimmer kommen, obwohl auf uns anstrengende Reisen warten. Moskau ist leichter Favorit, aber ich denke, dass wir auch eine Runde weiter kommen werden.
(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 02.07.2007)