THW-Zauber: Kavticnik öffnete seine Trickkiste
Kieler Lehrstunde für Minden beim 37:26 - Gislasons Sorgen waren unbegründet
Minden - Alfred Gislason war angespannt. Er habe mit seinen Mannschaften in Minden immer schwer um Siege ringen müssen, sagte der THW-Trainer vor der Partie des Rekordmeisters beim Bundesliga-Kellerkind GWD Minden. Die Sorgen des Isländers erwiesen sich als unbegründet, Kiel brillierte, gewann klar mit 37:26 (18:11) Toren.
Mut flößten sich die Gastgeber vor dem Duell gegen die Übermannschaft der Liga mit einem kleinen Videoschnipsel aus der Steppe ein. In diesem machte sich ein hungriger Löwe (das Maskottchen der Mindener) mit wildem Gebrüll über ein verängstigtes Zebra her. Das Huftier blieb chancenlos und ließ sein Leben. Im wahren Handball-Leben auf dem Parkett steckte der Löwe im "Zebra-Trikot". Kiels Punktejäger fielen mit ihren bewährten Mitteln wie Höllentempo, ausgefeilter Technik, Spielfreude und aggressivem Abwehrverhalten über GWD her. Und das zunächst ohne Nikola Karabatic, den Gislason wegen seiner Schulterverletzung schonte.
Gislason startete früh mit seiner Rotation, nutzte die ganze Breite des Kaders: Zeitz für Andersson, Lundström ersetzte Klein, Andreas Palicka Thierry Omeyer, Igor Anic kam für den bärenstarken Marcus Ahlm, und ab der 31. Minute durfte auch Karabatic ran. Doch egal, wen Kiels Trainer aufs das Feld schickte, der Rhythmus im geordneten und dennoch schnellen THW-Spiel ging nie verloren.
Kollege Richard Ratka folgte dem Beispiel Gislasons - aus purer Verzweiflung. Das 1:0 von Michael Hegemann blieb Mindens einzige Führung, der Jubel der 3500 Fans, unter ihnen rund 100 aus Kiel, wich bald der Hoffnungslosigkeit. Als die Kieler ihre 6:4-Führung (11.) binnen fünf Zeigerumdrehungen auf 12:4 ausgebaut hatten, war nach 16 Minuten fast schon die Vorentscheidung gefallen, die zweite Hälfte geriet zum Schaulaufen.
Zeit auch für die "Zebras" zum Zaubern und Probieren. Minden gab nur noch einen besseren Trainingspartner ab. "Wir haben von Beginn an locker gespielt, hinten hatten wir einen klasse Omeyer im Tor, der später von Palicka stark vertreten wurde, außerdem stand unsere Abwehr super", analysierte Linksaußen Henrik Lundström. Enttäuscht sei er allerdings von Minden gewesen. "Die haben viel zu früh resigniert."
Einen ganz starken Auftritt lieferte erneut Vid Kavticnik. Kiels slowenischer Rechtsaußen glänzte mit Toren aus Gegenstößen, eiskalt verwandelten Siebenmetern, blieb von Außen ohne Fehlversuch, brachte es auf insgesamt zehn Tore und öffnete zudem seine ganz persönliche Trickkiste als Anspieler. Überragend der über die Schulter gezogene Ball auf den frei am Kreis postierten Stefan Lövgren, großartig das Anspiel auf Marcus Ahlm zum 11:4. "Es macht einfach Spaß", sagte der 24-Jährige, "wenn die Deckung so gut steht, ist es leicht, im Angriff zu glänzen."
Das bezeichnende Schlusswort nahm sich Richard Ratka. Er sei zufrieden, mit nur elf Toren gegen diesen THW verloren zu haben, lobte der GWD-Trainer sein völlig überfordertes Team, aber auch den Sieger: "Es ist einfach berauschend, mit welcher Leichtigkeit die Kieler ihre Tore werfen."
(von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 04.12.2008)