"Narcisse ist nicht zu ersetzen"
München - Mit Daniel Narcisse ist der Topspieler weg, Bennet Wiegert geht nach Magdeburg, die Konkurrenten haben aufgerüstet. Trotzdem sind die Erwartungen in Gummersbach groß. Der VfL wird an der Vorsaison gemessen.
Alfred Gislason ist die zweite Saison Trainer in Gummersbach
Vorschau Alfred Gislason ist die zweite Saison Trainer in Gummersbach
Da erreichte Gummersbach Platz vier in der Liga und das Viertelfinale der Champions League.
Nach dem Konditionsbolzen, das Neuzugang Geoffrey Krantz wegen einer Achillessehnenreizung abbrechen musste, sprach Trainer Alfred Gislason mit Sport1.de.
Der Isländer verriet, wie stark der VfL 2007/08 ist und was sich ohne den nach Chambery gegangenen Narcisse und Wiegert ändern muss.
Sport1: Herr Gislason, wo steht der VfL einen Monat vor dem Saisonstart?
Alfred Gislason: Schwer zu sagen, wir fangen doch gerade erst mit Handball an. Wir haben wie alle anderen Vereine ein paar angeschlagene Spieler zu beklagen. Aber ich bin trotzdem optimistisch.
Sport1: Wer ist denn momentan verletzt?
Gislason: Vedran Zrnic plagt sich mit einer Entzündung am Schienbein, aber das hat er schon seit einem halben Jahr. Es ist noch nicht besser geworden, es könnte sein, dass er operiert werden muss.
Sport1: Der VfL hat Krantz (aus Montpellier), Roman Pungartnik (vom HSV), Kenneth Klev (BM Altea/Spanien), Oleg Kuleschow, Kevin Jahn (beide SC Magdeburg) und den Nachwuchstorwart Stanislaw Gorobtschuk geholt. Sind die Abgänge damit gleichwertig ersetzt worden?
Gislason: Einen Daniel Narcisse kann man gar nicht ersetzen, falls er endgültig nicht bei uns spielt. Dafür sind wir auf einigen Positionen breiter besetzt - mit Kuleschow und Krantz als Mittelmänner, mit Klev und Momir Ilic auf Halblinks sowie Pungartnik als Linkshänder auf beiden Positionen. Diese Leute werden uns alle weiterbringen.
Sport1: Haben Sie Narcisse, der ja - obwohl der VfL eine Option gezogen hatte - längst aus Gummersbach weggezogen ist, noch nicht endgültig abgeschrieben?
Gislason: Na ja, wir haben die erste Instanz bei der EHF verloren. Ich muss als Trainer davon ausgehen, dass ich ohne ihn auskommen muss.
Sport1: Hat das Auswirkungen auf die Spielweise des VfL?
Gislason: Überhaupt nicht. Wir werden seine vielen leichten Tore zwar nicht haben, aber wir werden schon im Großen und Ganzen das gleiche System spielen. Vielleicht werden wir es ein wenig an die Leute, die wir jetzt haben, anpassen.
Sport1: Wer hat die Nase vorn, was Narcisses Stammplatz in der Mitte angeht?
Gislason: Da will ich keinen Stammplatz vergeben. Den werden sich Kuleschow und Krantz teilen müssen. Die werden sich sehr gut ergänzen.
Sport1: Die letzte Saison war sehr erfolgreich. Kann Gummersbach daran anknüpfen?
Gislason: Trotz der Abgänge sage ich: Unser Ziel bleibt die Qualifikation für die Champions League, auch wenn einige Mannschaften vor uns gesehen werden.
Sport1: Wer wird höher eingeschätzt?
Gislason: Ich denke, dass Kiel an der Spitze unangefochten ist. Dahinter sind Hamburg, Flensburg und wahrscheinlich Kronau. Dann kommt die Gruppe mit uns, Magdeburg, Lemgo und Nordhorn.
Sport1: Demnach wird Ihr Team maximal Fünfter.
Gislason: Trotzdem ist unser Ziel, mindestens Dritter zu werden. Man muss sich hohe Ziele setzen. Das haben wir letztes Jahr gemacht, und da haben wir sie auch erreicht. Auch wenn wir Narcisse verloren haben, haben wir eine genauso starke Mannschaft.
Sport1: Weshalb ist der VfL so stark?
Gislason: Wir müssen einfach alles auf Taktik und die mannschaftliche Geschlossenheit setzen. Wir haben nicht so viele Einzelspieler, die ein Spiel allein entscheiden können. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn die Deckung besser steht als in der letzten Saison.
Sport1: Wird das ein Schwerpunkt der letzten Vorbereitungsphase?
Gislason: Ja, bestimmt.
Sport1: In der vorigen Saison hat Gummersbach von seinem guten Start profitiert. Wie wichtig ist der Auftakt gegen die Rhein-Neckar Löwen diesmal?
Gislason: Letztes Jahr war ich mit der Vorbereitung nicht so zufrieden. Wir hatten mehr neue Spieler. Da war ich nicht so zuversichtlich. Dieses Jahr planen wir einen guten Start. Die ersten drei, vier Spiele sind extrem wichtig, auch für die Moral. Trotzdem müssen wir einen sehr guten Tag haben, um Kronau zu schlagen, ein Schlüsselspiel ist das aber noch nicht.
Sport1: Wie hat sich der Erfolg der vorigen Saison auf die Stimmung im Umfeld ausgewirkt?
Gislason: Die Stimmung ist sehr positiv, auch wenn wir mit Narcisse eine Hauptfigur wahrscheinlich verloren haben. Und, obwohl wir wegen des Neubaus der Halle nach Köln umziehen müssen, haben wir jetzt schon so viele Dauerkarten verkauft wie in der letzten Saison. Darüber freue ich mich besonders.
Sport1: Mit Francois-Xavier Houlet hat der VfL einen Sportdirektor installiert. Ändert das Ihre Arbeit?
Gislason: Nein, gar nicht. Wir hatten in der Organisation einen großen Nachholbedarf. Houlet ist ein guter Mann und kann sehr wichtig für unsere Zukunft sein.
Sport1: Wer kümmert sich nun um die Spielertransfers, Houlet und Geschäftsführer Stefan Hecker?
Gislason:Die werden sicher niemanden verpflichten, den ich nicht will!
Sport1: Noch hat der VfL nach dem Ausstieg von TUI keinen Trikotsponsor. Bleibt die Brust beim Auftakt am 29. August frei?
Gislason: Das glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung Anfang oder Mitte August fallen wird.
Das Gespräch führte Michael Spandern