TVG hart am Rande der Legalität
Im Herzschlagfinale wurde WHV um einen Punkt gebracht / Dubiose Schiedsrichter-Entscheidungen
Wilhelmshaven – Gereizte Stimmung am Sonnabend in der VIP-Lounge der Nordfrost-Arena. Moderator Andreas Leonardt forderte vorsorglich auf, gegenüber den Gästen fair zu bleiben, woran man sich auch hielt. Zündstoff für Ausschreitungen war nach den vorangegangenen 60 Minuten genügend geliefert worden. In der hochdramatischen Partie trennten sich zuvor die Erstligisten Wilhelmshavener Handballverein und der TV Großwallstadt mit einem 27:27-Remis (Halbzeit 10:13). Was jedoch für Brisanz in der Schlussphase sorgte waren grobe Unsportlichkeiten von Seiten der Gäste. Absoluter Höhepunkt die Zweckentfremdung von Wasserflaschen als Wurfgeschosse. Die zweite Flasche wurde genau in dem Augenblick auf die Spielfläche geworfen, als Gylfi Gylfason Sekunden vor Schluss das 28:27 erzielte. Weder Schiedsrichter noch Spieler konnten den Übeltäter ausmachen, so dass die Großwallstädter Bank mit einer roten Karte bedacht wurde. Die mit der Leitung dieser Partie total überforderten Unparteiischen Geipel/Helbig annullierten den Treffer und erkannten auf Siebenmeter für den WHV. In der aufgeheizten Atmosphäre zeigte der zusammen mit Torwart Adam Weiner beste WHVer, Oliver Köhrmann leider Nerven und schoss das Leder am TVG-Kasten vorbei. Kurz zuvor hatte der Sicherheitsdienst die Bank der Großwallstädter abgeriegelt, um Übergriffen vorzubeugen. Die Zuschauer machten nach Spielende ihrem Ärger in vielfältiger Weise Luft. Neben einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert flogen Hallenhefte in Massen auf die Spielfläche. Allerdings wurde während der 60 Minuten auch Handball gespielt. Den weitaus besseren Start erwischte der neunfache Deutsche Meister aus Großwallstadt. Wie schon beim letzten Treffen des WHV {in Östtringen dominierten zunächst die Abwehrreihen. Beim WHV tat sich der Deckungsblock, bestehend aus Fegter, Bedzikowski (er spielte trotz einer Schleimbeutel-Entzündung)und Ljubanovic hervor. Eine weiteren Traumtag erwischte Adam Weiner, der mit insgesamt 15 Paraden glänzte. Ihm hatten es die Hausherren in erster Linie zu verdanken, dass die Gäste nicht davonzogen. Auf der Gegenseite hatten Oliver Köhrmann, Jan-Henrik Behrends und Bennet Wiegert große Probleme mit der erwartet aggressiven und offensiven Großwallstädter Abwehr. Der WHV profitierte in erster Linie von den herausgeholten Siebenmetern, die Oliver Köhrmann zunächst souverän verwandelt. Villeicht machte dies den TVG-Keeper Chrischa Hannawald so fuchsig, dass er im weiteren Spielverlauf mehr durch sein rüdes Verhalten, als durch Paraden auf sich aufmerksam machte. Zwischen der 12. und 20. Minute leisteten sich die Gastgeber grobe Schnitzer im Anspiel und vor allem im Abschluss, sodass Großwallstadt den bis dahin knappen Vorsprung bis auf 6:9 vergrößern konnte. Auch das Comeback von Allan Rasmussen brachte nicht die erhoffte Wirkung. Überhaupt war die Auswahlmöglichkeit durch den kurzfristigen Ausfall von Christian Köhrmann (Fingerverletzung) für Trainer WHV-Biegler Michael Biegler erneut reduziert. Mit einer enormen Kraftanstrengung, aber ausgehend von sechs Klasseparaden Adam Weiners, kam der WHV wieder durch Oliver Köhrmann und Manuel Liniger, ins Geschäft. Jubel bei den 2300 Fans, als Gylfason mit seinem ersten Treffer den 9:9-Ausgleich erzielte. Weitere individuelle Fehler brachten erneut den WHV ins Hintertreffen. Beim Gang in die Kabinen zeigte die Anzeigetafel 10 für den WHV und 13 für den TVG. Gleich nach Wiederbeginn startete der WHV seine furiose Aufholjagd, die bis zur 37. Minute mit dem erneuten Ausgleich zum 15:15 belohnt wurde. In dieser Phase war es Ljubanovic, der inzwischen wieder den Platz für Rasmussen eingenommen hatte, der mit seinen Treffern dazu beitrug. In der 43. Minute brodelte es in der Nordfrost-Arena auf den Tribünen. Grund: Ljubanovic war es, der mit seinem raffinierten Heber erstmals den WHV in Führung (18:17) brachte. Von nun an herrschte auf dem Spielfeld und auf der Bank Hektik total. Durch ihre fragwürdigen Entscheidungen, die sich in der Schlussphase häuften, trugen die Referees entscheidend dazu bei. Sieben Minuten vor dem Abpfiff schienen die Gäste (22:24) beide Punkte aus Wilhelmshaven entführen zu können, doch der alte Kämpe Jan Fegter holte sich zweimal den Ball und passte auf Oliver Köhrmann, der waagerecht liegend das 24:24 erzielte. Überzahlspiel, inzwischen waren einige TVGer am Ausrasten, nutzte Ljubanovic mit seinem fünften Treffer zum 25:24. Schecksekunde auf der WHV-Bank, als Oliver Köhrmann von TW Hannawald im Torraum umgemäht wurde. Der Treffer zählte zum 26:24 (57. Min.). Ljubanovic kassierte nach Schauspieleinlage seinen Gegenspielers die rote Karte. Was die Volksseele auf den Tribünen vollends zum Kochen brachte. In Unterzahl (zwei Zeitstrafen) musste der WHV das 26:25 hinnehmen, doch Bennet Wiegert sorgte mit seinem einzigen Treffer für den alten Abstand. In dem Getümmel gelang es den Gästen im Sekunden-Abstandauszugleichen. Dann flogen die Flaschen.