Beim SV UNION Halle-Neustadt, den letztjährigen Meister der Nordstaffel der 2. Bundesliga, ist so ziemlich alles neu in dieser Saison. Der Trainer und damit das System, die Staffel, die viel ausgeglichener zu sein scheint und ein Großteil des Personals. Trotz dieser Erschwernisse hat die Mannschaft Anschluss an die bzw. ist auf den Play-off-Plätzen. Dennoch kommt von den erfolgsverwöhnten Publikum nach dem fulminanten Lauf im letzten Jahr die ein oder andere kritische Stimme insbesondere zu den Auswechselungen, deshalb hat der Trainer im Vorfeld der Partie gegen die HSG Bensheim-Auerbach folgenden Text verfasst, der im Programmheft abgedruckt wurde:
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Hier spricht der Trainer:Liebe Handballfreunde, ich habe im Sommer ein Team übernommen, welches hauptsächlich aus jungen Spielerinnen besteht. Meine Aufgabe sehe ich darin, diese Mädels zu einer Mannschaft zu formen, sie auszubilden und für höhere Ansprüche (sprich 1. BL) vorzubereiten. Dafür war es notwendig, ein völlig neues Spielsystem einzuführen. Wir wollen mit einer offensiven, aggressiven 3-2-1-Abwehr unsere Gegner zu Fehlern zu zwingen. Dies wiederum soll unser Tempospiel nach von vorantreiben. Aber das kostet eine Menge Kraft und vor allem viel Zeit.
Momentan machen wir dabei noch viele Fehler. Einerseits in der Abwehr, weil alle zwar ihre Aufgabe kennen, aber noch nicht umsetzen können. Andererseits erfordert es eine gewisse Abgeklärtheit und Routine, um bei hohem Tempo die richtige Entscheidung zu treffen. Daran werden wir weiter arbeiten und die bisherige Entwicklung meiner Spielerinnen stimmt mich zuversichtlich, dass wir das auch weiter verbessern werden.
Da unsere neue Spielweise sehr viel Kraft beansprucht, sind ständige Auswechslungen unumgänglich. Leider konnten wir, bedingt durch Verletzungen, dabei nicht immer das optimale herausholen. Selbst kurzzeitige Ausfälle zwangen uns immer wieder, zu improvisieren.
Ich will gerne, dass unsere Mannschaft noch stabiler in der Abwehr wird und die jungen Spieler das neue System besser verstehen und umsetzen können. Aber ich bin kein Magier und wir alle müssen verstehen, dass solche Veränderungen nur Schritt für Schritt verwirklicht werden können. Ich merke, dass die Mannschaft nach wie vor mit sehr großem Engagement dabei ist. Einige muss man sogar bremsen, weil sie alles auf einmal lernen und ändern möchten. Aber das funktioniert nicht. Wir alle müssen Geduld aufbringen und eine Sache nach der anderen angehen.
Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch. Selbst nach Niederlagen versuche ich, die guten Aspekte aufzuzeigen. Auch das ist für meine Mannschaft eine neue Erfahrung. Ich möchte gerne, dass wir alle beim Handball Spaß haben. Nur so wird es uns gelingen, die Rückschläge, die zweifelsohne weiterhin auftreten werden, wegzustecken. Und diese Freude wird auch auf dem Spielfeld zu sehen sein. Ich bin sicher, dass wir schon in der 2. Halbserie die Früchte unserer harten Arbeit ernten werden.
Für die nächsten Wochen ist es wichtig, unsere neuen Spielerinnen weiter zu integrieren, die Mannschaft mental zu stärken und die Mädels in persönlichen Gesprächen an ihre Aufgaben heranzuführen. Dazu baue ich weiterhin auf die Unterstützung meiner Co-Trainerin Bianka, die mir in allen Dingen eine große Hilfe ist.
Ich wünsche uns heute ein spannendes und erfolgreiches Spiel gegen Bensheim-Auerbach. Vielleicht verzeiht Ihr den einen oder anderen Fehler. Diese junge Mannschaft braucht Mut und Selbstvertrauen. Beides bekommt sie am besten durch die lautstarke Unterstützung von Euch treuen Fans.Jörgen Gluver