Der DHB-Motor stottert zum WM-Auftakt
DEUTSCHE MANNSCHAFT: Brand-Sieben müht sich gegen Brasilien zu einem 27:22-Sieg / Morgen gegen Argentinien
Aus Berlin berichtet unser Redaktionsmitglied Ute Krebs
Vor dem Anwurf des WM-Eröffnungsspiels gegen Brasilien riskierte Bundestrainer Heiner Brand einen neugierigen Blick in die mit 10 000 Zuschauern ausverkaufte Berliner Max-Schmeling-Halle. "Und schon war ich in guter Stimmung", beschrieb der 54-jährige Gummersbacher das Schwarz-Rot-Goldene Fahnenmeer und die La-Ola-Wellen im Berliner Handball-Tempel: "Da lief mir ein Schauer den Rücken runter. Ich hoffe, diese Euphorie hält bis zum 4. Februar an." Die Besucher beklatschten jedoch anschließend einen glanzlosen 27:22 (12:10)-Arbeitssieg der DHB-Auswahl gegen leidenschaftlich kämpfende Südamerikaner.
"Wir haben keine Ruhe ins Spiel bekommen. Es ist für unsere junge Mannschaft, die mit dem Druck einer WM im eigenen Land erstmal umgehen muss, zwar nicht optimal, aber ganz gut gelaufen", sprach Keeper Henning Fritz von einem typischen Auftaktspiel. Der Kieler hinterließ in seinem 200. Länderspiel vor allem im ersten Abschnitt einen prima Eindruck. "Da war ich auch zufrieden, nach der Pause hatten wir in der Abwehr einige Abstimmungsprobleme", bestätigte Fritz nach dem mühevollen Aufgalopp und war einfach froh, diese Punkte auf der Habenseite gebucht zu haben. Mit einem weiteren Sieg morgen (17.30 Uhr/live im ZDF) gegen Argentinien hätte die DHB-Auswahl schon die Hauptrunde erreicht.
Jordi Ribera war stolz auf seine Sieben, die über 60 Minuten dem WM-Gastgeber Paroli geboten hatte. "Und hätten wir in der Schlussphase unserer kräfteraubenden Abwehrarbeit nicht Tribut zollen müssen, wäre das Resultat noch knapper ausgefallen", sagte der brasilianische Coach.
Dem DHB-Team gelang erst, gut dirigiert von Regisseur Markus Baur, nach einer Viertelstunde die erste Führung. "Es gibt einigen Gesprächsbedarf", meinte Baur. Glanzvoller ging es da auf den Tribünen zu: "Das war Gänsehautgefühl pur", zeigte sich der DHB-Kapitän von der Stimmung begeistert. "Sie hätte sogar noch besser sein können, wenn die Partie entsprechend gewesen wäre", befand TV-Experte "Blacky" Schwarzer, der aber sicher ist: "Bei der deutschen Mannschaft gibt es Steigerungspotenzial." Nach der Schlusssirene erhob sich Bundespräsident Horst Köhler applaudierend von seinem Sitz und schaute in erleichterte Gesichter. "Wir brauchen uns jetzt nicht verrückt machen zu lassen", atmete der Kieler Linksaußen Dominik Klein erst einmal kräftig durch.
Nach einer Anfangsphase mit einigen Problemen, stand die Abwehr kompakter. Aber die Chancenverwertung war nicht das Gelbe vom Ei. Zu viele Fahrkarten und technische Fehler verhinderten eine deutlichere Führung. "Die Ballverluste meiner Truppe haben die Brasilianer im Spiel gehalten. Jeder, der heute auf dem Feld stand, weiß, was Druck bedeutet. Auch ich habe ihn gespürt", meinte Brand.
Gestern löste Michael Haaß das letzte Ticket für den 15-er Kader der DHB-Auswahl. "Bei der WM im eigenen Land aufzulaufen, ist einfach ein Traum", freute sich der 23-jährige Rückraumspieler von der SG Kronau/Östringen, der gegen Brasilien aber noch nicht zum Einsatz kam.
Deutschland - Brasilien 27:22 (12:10) Deutschland: Fritz (THW Kiel), Bitter (SC Magdeburg) - Hens (HSV Hamburg/6), Roggisch (SC Magdeburg/1), Klein (THW Kiel/3), Preiß (TBV Lemgo/1), Glandorf (HSG Nordhorn), Baur (TBV Lemgo/6/2), Zeitz (THW Kiel/1), Jansen (HSV Hamburg/1), Klimovets (SG Kronau/Östringen), Kraus (FA Göppingen/2), Kehrmann (TBV Lemgo/6), Kaufmann (HSG D/M Wetzlar). Brasilien: dos Santos, Vasconcelos - Folhas, Pacheco 2, Costa, Rui 1, Vanini, Bortolini 1, Justino 2, da Silva 1, Ribeiro 7/5, Santana 2, Oliviera 5, Cardoso 1. Schiedsrichter: Tschernega/Poladenko (Russland) - Zuschauer: 10 000 (ausverkauft) Strafminuten: 8 / 8.
Mannheimer Morgen
20. Januar 2007