Ich stells mal hier rein, weil sich der Thread ja zu einer allgemeinen Lagediskussion entwickelt hat.
Auf welt.de (und damit wohl auch in der Printausgabe) findet sich neu eine Riesenreportage über Clara Woltering (von Ronald Tenbusch): "Erst gehts in den Kuhstall, dann zum Handball" (na, da werden die Marketingspezis vom DHB aber die Stirn runzeln
). Sehr schöne Reportage - abolut lesenswert (auch wenn für uns kaum was neues drin steht)! Leider fallen mir nicht allzuviele weiterer solcher Geschichts- und Reportagenanlässe zur Frauennationalmannschaft ein...
Nationalspielerin: Erst gehts in den Kuhstall, dann zum Handball - DIE WELT
Als Diskussionsimpuls vill. dieser Auszug:
ZitatIm Jahr 2011 bekam Woltering das Angebot von ZRK Buducnost Podgorica, einer Topmannschaft aus Montenegro: "Das war der Wahnsinn. Handball hat dort einen ganz anderen Stellenwert als bei uns." Beim 27-maligen Landesmeister erlebte sie, was Trainieren und Spielen auf internationalem Topniveau wirklich bedeutet. Dort war der ganze Tag um den Handball herum aufgebaut. Zweimal täglich wurde trainiert, zusätzlich gab es Videoanalysen und Physiotherapie. "Teilweise waren die Tage so voll, da war auch nicht viel mit Freizeit", sagt die 32-Jährige.
Profijahre in Montenegro
Bei Podgorica musste der Trainer keine Rücksicht darauf nehmen, dass seine Spielerinnen bereits einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hatten. Die Intensität jedes einzelnen Trainings konnte so ungleich höher gestaltet werden. Das zahlte sich aus. In vier Jahren zog Woltering mit den Montenegrinern dreimal ins Finale der Champions League
ein. Zweimal krönte sich das Team zu Europas bester Handballmannschaft.Darüber hinaus bekam sie in Montenegro das, was in Deutschland oft auf der Strecke bleibt – finanzielle und öffentliche Anerkennung. Anders als in der Heimat, konnte sie vom Handball in Montenegro sehr gut leben. Was auch daran liegt, dass die Politik im Balkanstaat den Sport stark unterstützt. "Die Politik definiert sich dort sehr über sportliche
Erfolge. Du siehst, was in der Sportförderung theoretisch möglich ist", sagt WolteringNoch viel eindrucksvoller war für die 187-malige Nationalspielerin jedoch die Anerkennung, die ihr auf der Straße zu Teil wurde. In der Hauptstadt erkannte sie fast jeder. Nicht nur einmal sei sie mit dem Taxi gefahren ohne zahlen zu müssen. Immer mit der Begründung: "Champions-League-Sieger bezahlen bei mir nicht!"