Polen stellt Island ein Bein
Im zweiten Spiel des Tages der Hauptrundengruppe I trafen in Halle der Tabellenführer Island und Deutschland-Bezwinger Polen aufeinander. 19 aktuelle oder ehemalige Bundesligaspieler konnten die 5.900 Zuschauer im Gerry-Weber-Stadion beobachten. In einem dramatischen Spiel auf hohem Niveau siegte Polen knapp aber nicht unverdient mit 35:33 (12:14) und brachte den Isländern somit die erste Niederlage in der Hauptrunde bei. Bester Werfer der Siegermannschaft waren Karol Bielecki und Mariusz Jurasik (jeweils 7). Für Island traf Gudjon Valur Sigurdsson (7) am häufigsten.
Polens Startsieben bestand ausschließlich aus Bundesliga-Legionären. Bei Island war es ähnlich, lediglich die Ex-Magdeburger Olafur Stefansson und Sigfus Sigurdsson verdienen ihr Geld nicht in Deutschland.
Von Beginn an ging es mächtig zur Sache. Bereits in der fünften Minute musste Sigfus Sigurdsson auf die Strafbank. Polen nutzte die Überzahl, um mit 4:3 in Führung zu gehen. Das 4:4 war bereits der dritte Treffer von Ole Stefansson, der in der isländischen Deckung für mächtig Alarm sorgte. Bei diesem Spielstand setzte Tomek Tlukzynski zunächst einen Siebenmeter über das Tor, einen Angriff später bekam er erneut die Chance vom Punkt und scheiterte an dem Nettelstedter Birkir Ivar Gudmundsson, der die isländischen Fans aufpeitschte. Stefansson holte die Führung zurück, die Snorri Gudjonsson auf 6:4 ausbaute, obwohl Alexander Petersson zuvor mit einem Gegenstoß am polnischen Keeper „Kasa“ Szmal gescheitert war.
Beide Mannschaften gingen ein enorm hohes Tempo und vor allem Island scheute auch nicht das Risiko beim schnellen Spiel nach vorne. Ein offener Schlafabtausch, in dem Island nach einem Viertel der Spielzeit knapp mit 8:7 führte. Der Gummersbacher Gudjon Valur Sigurdsson erhöhte mit seinem dritten Tor auf 9:7, nachdem Mariusz Jurasik einen Heber an den Pfosten des isländischen Gehäuses gesetzt hatte.
Bei Polen lief Grzegroz Tkazyk warm und verkürzte mit zwei Treffern auf 9:10 (20.) Island stellte die Abwehr auf eine 5:1-Formation um, Robert Gunnarsson „klaute“ und warf in der 24. Minute mit dem 12:9 den ersten Dreitore-Vorsprung heraus. Gestützt auf einige Paraden von Szmal kam Polen auf 11:12 heran; der zu fehlerhaft spielende Marcin Lijewski vergab sie Möglichkeit zum Ausgleich. Beide Mannschaften konnten sich auf ihre Torhüter verlassen. Sowohl Szmal als auch Gudmundsson konnten einige Male glänzen.
Der 14:12-Vorsprung für Island zur Halbzeit eines gutklassigen Spiels ging aufgrund der etwas agileren Abwehr und des variantenreicheren Angriffsspiels in Ordnung.
Das erste des zweiten Abschnitts erzielte Snorri Gudjonsson trotz Unterzahlsituation von Linksaußen. Nach einer Parade von Birkir Gudmundsson gegen den freistehenden Bartosz Jurecki legte der Lemgoer Logi Geirsson zum 16:12 (33.) nach. Beim 18:14 für die Nordländer tauschte Trainer Bogdan Wenta den Torwart: Wilhelmshavens Adam Weiner rückte für Szmal zwischen die Pfosten. Dem in den ersten dreißig Minuten bärenstarken Kronauer waren einige Bälle durch die „Hosenträger“ gerutscht. Prompt stellte Bartosz Jurecki den 17:18-Anschluss her (36.) Auch Alfred Gislason wechselte den Keeper, Roland Eradze durfte sein Glück versuchen. Ein Doppelschlag von Gudjon Sigurdsson brachte Island beim 20:17 wieder ein kleines Polster, das aber schnell dahinschmolz. Unkonzentrierte Abschlüsse der Isländer nutzte Polen, um mit vier Treffern in Reihe den Spieß zum 21:20 (41.) umzudrehen. Vor allem Marcin Lijewski steigerte sich, so dass das Spiel Mitte der zweiten Halbzeit auf Messers Schneide stand.
Schocksekunde für Island in der 45. Minute beim Stand von 24:23: Logi Geirsson der bis dahin eine sehr solide Leistung auf Halblinks gebracht hatte, musste nach einer nicht progressiv geahndeten Abwehraktion des beinharten Michal Jurecki an der Schulter verletzt ausscheiden. Für den Lemgoer kam Arnor Atlason. Das bis dain flüssige Angriffsspiel der Isländer hakte nun ein wenig, was Mariusz Jurecki nutzte, um Polen mit 25:24 (48.) in Front zu bringen.
Tor um Tor ging es bis zum 27:27 (50.), ehe die Führung beim 28:27 durch einen Gegenstoß von Gudjon Valur Sigurdsson wieder wechselte. Gudmundsson löste den glücklosen Eradze im Tor ab. Polen hatte Ole Stefannson in der zweiten Halbzeit gut im Griff spielte daher mehr über den Kreis und Rechtsaußen. Großwallstadts Petersson traf mit seinem vierten Tor zum 30:29. Markus Michaelsson kam für Atlason und nach einem Sürmerfoul von Gunnarsson glich Michal Jurecki aus. Gudjonsson verzog und Jurecki glücklich zum 31:30 (56.) Auszeit Island. Ohne Erfolg! Stefansson blieb im Block hängen und Mateusz Jachlewski versenkte den Konter zum 32:30. Noch waren knapp vier Minuten zu spielen. Geirsson biss auf die Zähne und kam zurück. Rafal Kuptel wurde hinausgestellt und Mindens Snorri Gudjonsson traf zum 32:31-Anschluss. Bitter: Ein Wechselfehler von Alfred Gislasson raubte Island den numerischen Vorteil. Hin und her ging es jetzt, wobei sich die Torhüter auf beiden Seiten auszeichnen konnten. Bielecki zum 33:31, schnelle Mitte Island 33:32 durch Peterson, Bielecki Sekunden später zum 34:32. 50 Sekunden vor Schluss die Vorentscheidung? Petersson traf: 34:33. Zu spät! Polen schaukelte das Spiel in den verbleibenden 25 Sekunden nach Hause, Bielecki setzte mit dem Schlusspfiff mit dem 35:33 noch das Sahnehäubchen auf einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg seiner Mannschaft.
Island hatte das Spiel lange im Griff, konnte aber den Ausfall von Geirsson nicht kompensieren und verlor die spielerische Linie.