Deutsche Auswahl mit nächstem Schritt in Richtung Halbfinale - 34:22 gegen Österreich
Das große Ziel Halbfinale ist für die deutsche Auswahl zum Greifen nah. Nach dem heutigen ungefährdeten Pflichtsieg über Österreich kann das DHB-Team morgen mit einem Sieg gegen Mazedonien den Halbfinaleinzug perfekt machen und selbst bei einer Niederlage könnte der Traum bei einer ungarischen Niederlage gegen Norwegen noch in Erfüllung gehen. Nach dem überraschenden Sieg gegen Ungarn am Vortag reichte der Mannschaft von Armin Emrich heute eine konzentrierte Leistung um am Ende gegen die vom Nürnberger Vereinscoach Herbert Müller betreuten Österreicherinnen einen deutlichen 34:22-Sieg einzufahren.
Nach dem gestrigen Sieg gegen Ungarn ging die deutsche Auswahl mit enormen Selbstbewusstsein in die heutige Begegnung gegen Österreich. Österreichs Teamchef Herbert Müller hatte dabei in die Trickkiste gegriffen und begann so mit Tanja Logvin auf der Außenposition und Teodorovic im Rückraum. Die deutsche Mannschaft zeigte sich davon aber genausowenig beeindruckt, wie von der offensiven Deckung der Österreicherinnen. Gleich mit dem ersten Spielzug zeigte das Team von Armin Emrich, wie die österreichische Deckung auszuhebeln ist, der Ball lief flüssig und gelangte dann an die am Kreis eingelaufene Nadine Härdter, die Deutschland mit 1:0 in Führung brachte.
Diese Folge sollte die deutsche Auswahl in der Folge nicht mehr abgeben. Die erste Unkonzentriertheit in der deutschen Deckung nutzte Steffi Ofenböck um mit dem ersten Treffer für Österreich in der dritten Minute das 1:1 zu erzielen. Bereits in der Anfangsphase war dabei der Respekt der österreichischen Schützinnen vor der deutschen Deckung und Torfrau Sabine Englert zu bemerken und machte sich unter anderem durch einige Pfosten- und Lattenwürfe bemerkbar. Doch zunächst konnte Österreich den Anschluß halten, Spiridon gelang beim 4:4 der erneute Ausgleich und auch bei Logvins Treffer zum 8:7 hatte Österreich den Anschluß noch nicht verloren.
Die deutsche Auswahl strahlte aber bereits zu diesem Zeitpunkt Ruhe und Souveränität aus und in der Folge fand sich die deutsche Dominanz auch im Ergebnis wieder. Die erneut glänzend aufgelegte Nadine Krause und Anne Müller erhöhten auf 10:7 und auch eine Auszeit von Herbert Müller störten das deutsche Spiel nicht. Eine aufmerksame Deckung, teils sehenswerte herausgespielte Tore, spätestens nach dem vierzigsten Turniertreffer von Nadine Krause zum 15:10 konnten sich die deutschen Fans entspannt zurücklehnen und die Begegnung genießen. Die deutsche Auswahl hielt unterdessen das Tempo aber weiterhin hoch und so erzielte unter anderem auch Anja Althaus in ihrem 100. Länderspiel einen Treffer. Kurz vor der Pausensirene sorgte Nadine Krause mit ihrem Treffer zum 19:11-Halbzeitstand sogar dafür, dass die Führung beim Gang in die Kabinen schon acht Tore betrug.
Im zweiten Abschnitt war Österreich nicht mehr in der Lage die deutsche Führung zu gefährden, die Stammsieben war nach den bisherigen Belastungen der EM nicht mehr in der Lage das Tempo noch einmal entscheidend zu erhöhen und von der Bank konnte Herbert Müller zwar junge und frische Kräfte bringen, diese konnten aber aufgrund der fehlenden internationalen Erfahrungen keine entscheidenden Impulse mehr setzen. Emrich nutzte die zweite Halbzeit zu zahlreichen Wechseln und schonte seine Spielerinnen so bereits für das über den Halbfinaleinzug entscheidende morgige Spiel gegen Mazedonien.
Dennoch zeigten die deuschen Spielerinnen den Fans immer wieder begeisternde Szenen, nach einem direkten Doppelpass mit Steffi Melbeck verschob Maren Baumbach mit ihrem Tor zum 22:12 die Differenz erstmalig in den zweistelligen Bereich, es folgten Kempatreffer und das vielleicht schönste Anspiel des bisherigen Turniers. Grit Jurack, die heute erneut mit zahlreichen gekonnten Anspielen ihre Regiequalitäten unter Beweis stellte, bediente Sabrina Neukamp mit einem Rückhandbkempaanspiel, das diese zu ihrem ersten Turniertreffer nutzte.
Die jungen österreichischen Spielerinnen stellten unterdessen in der Endphase unter Beweis, dass sie aus den bisherigen Spielen ihre Lehren gezogen haben. Im Gegensatz zu den anderen Niederlage spielte die "Reserve" der Österreicherinnen ordentlich mit und ließ sich nicht überrollen. Die Differenz betrug beim 34:22 so am Ende nur zwölf Tore. Mit einem Sieg gegen Polen will sich Österreich morgen nun mit einem Erfolgserlebnis aus dem Turnier verabschieden, die deutsche Mannschaft hat unterdessen vor, sich mit einem morgigen Sieg noch weitere Spiele zu verschaffen und so weiter von der erhofften Medaille zu träumen.
"Jetzt sind wir sicher in Stockholm. Wir spielen mindestens um Platz fünf. Damit haben wir das zweite Etappenziel erreicht. Jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel", sagte Bundestrainer Armin Emrich. Und Spielmacherin Maren Baumbach ergänzte: "Wir sind uns der Chance bewusst, die wir haben. Wir müssen sie jetzt nur noch nutzen - und ich denke, das werden wir tun."
"Wir sind auf einen bärenstarken Gegner getroffen, der eine Medaille im Blickfeld hat. Deutschland ist für mich ein absoluter Medaillen-Kandidat. In der Anfangsphase hat unsere Taktik, über die linke Seite Tanja Logvins Schnelligkeit auszunutzen, geklappt. Doch wir sind schneller in Rückstand geraten, als wir uns das erhofft hatten. Deutschland hat uns sehr stark unter Druck gesetzt, wir sind nie mehr richtig ins Spiel zurückgekommen. Die jungen Spielerinnen haben gekämpft und nach ihren Möglichkeiten dagegen gehalten", so Österreichs Coach Herbert Müller nach der Partie.
Stimmen zum Spiel:
Armin Emrich:
Die Mission war: Wir wollen in den Globen. Das haben wir jetzt geschafft. Beide Mannschaften kennen sich so gut, da kann ohne Konzentration so ein Spiel auch in die Hose gehen. Jedes Spiel ist ein Endspiel, das nächste Etappenziel ist erreicht!
Herbert Müller:
Der Sieg für Deutschland geht auch in der Höhe voll in Ordnung. Wir konnten sie taktisch nicht so überraschen wie wir wollten. Das Team wirkt sehr geschlossen. Wenn sie so weiterspielen, wird es dieses Mal sehr weit gehen. Nicht nur nach Stockholm, sondern dann wird es auch glänzen. Und ich hoffe, dass es sehr, sehr, sehr glänzt.
Maren Baumbach:
Wir sind überglücklich. Wir wußten, dass es ein schweres Spiel wird. Die Mannschaft ist gespickt mit Topspielerinnen und dementsprechend konzentriert sind wir in das Spiel gegangen. Es wäre eine Riesensensation, wenn wir morgen gewinnen und ins Halbfinale einziehen. Wir sind uns sehr wohl bewußt über die Chance, die wir haben. Wir müssen sie nur noch nutzen und ich denke, dass wir das auch tun werden.
Steffi Melbeck:
Am Anfang taten wir uns ein bißchen schwer. Wir hatten sie eigentlich gut im Griff, haben aber immer so doofe Würfe kassiert. Wir hatten daher Schwierigkeiten uns abzusetzen. Aber dann haben wir sie doch endlich in den Griff bekommen.
Tanja Logvin:
Wir spielen mit der gleichen Aufstellung in jedem Spiel. Unsere Kräfte sind irgendwann am Ende. Morgen gegen Polen müssen wir die letzten Kräfte geben.