ZitatAlles anzeigenSpaß an der jungen Generation - Michael Roth im Interview
Weihnachtszeit, Zeit zur Ruhe und Entspannung, Zeit für Familie und Freunde. Nicht in der Handball-Bundesliga, der enge Terminplan lässt kaum Zeit zur Erholung zu. Einen Einblick in den Terminplan eines Bundesligisten zur Weihnachtszeit gibt im hw.com-Interview Grosswallstadts Trainer Michael Roth, der sich aber auch über den bisherigen Saisonverlauf und die Zukunft des TVG äußert und erklärt, warum er Spaß an der neuen Generation des TV Großwallstadt hat.
Herr Roth, wie feiert ein Cheftrainer in der Bundesliga eigentlich Weihnachten bei dem ganzen Terminstress der Bundesliga?
Michael Roth:
Nach dem Spiel am 23. gegen Magdeburg stand am Vormittag des Heiligen Abends noch einmal "Auslaufen" auf dem Programm. Danach habe ich den 24. aber im Kreise meiner Familie verbracht und zumindest versucht voll abzuschalten und mal einen Tag nicht an Handball zu denken.Geht das denn überhaupt?
Michael Roth:
Nach dem dramatischen Spiel von Vorgestern und der knappen Niederlage ist das natürlich sehr schwer. Ab dem heutigen ersten Weihnachtsfeiertag werde ich mich bereits voll auf das nächste Spiel des TV Grosswallstadt in Flensburg konzentrieren. Am zweiten Feiertag steht eine Videoanalyse an und am 27. Dezember fliegen wir dann bereits morgens nach Hamburg und machen uns dann weiter auf den Weg nach Flensburg, viel Zeit zum Ausruhen bleibt uns zwischen den Jahren also nicht.Haben Sie denn wenigstens alle Geschenke rechtzeitig gekauft?
Michael Roth:
Da ich der Geschenke-Muffeleinkäufer Nummer Eins bin haben wir in unserer Familie die Vereinbarung getroffen das sich jeder um das kümmert was er am besten kann. Und da meine Frau das Einkaufen beherrscht macht sie den Job. (lacht)Können Sie uns einen Überblick über den Terminplan des TVG zwischen den Jahren geben?
Michael Roth:
Wie schon gesagt, am Mittwoch in Flensburg und dann am nächsten Wochenende zu Hause gegen Kiel. Wir werden dieses mal nach Flensburg fliegen, dort übernachten und auch dort trainieren und dann hoffentlich ausgeruht wieder zu Hause ankommen, um den Fokus sofort auf das Heimspiel gegen Kiel zu legen. Unsere Zuschauer freuen sich schon auf das letzte Spiel des Jahres gegen den deutschen Meister, einen besseren Abschluss gibt es eigentlich nicht.Ihre Spieler kommen an Weihnachten ja sicher auch nicht zur Ruhe?
Michael Roth:
Der unglaubliche Termindruck den wir zur Zeit im Handball haben ist schon enorm. Eine WM und EM jagt die nächste, und wenn dann ausgerechnet bei uns als einem kleineren Club die WM Fahrer ausfallen, dann fragt man sich schon was das alles soll? Schauen Sie sich doch die gesamt Liga an, die Verletzten nehmen zu. Hier haben die Vereine mit einem großen Etat natürlich einen Vorteil, weil Sie alle Positionen doppelt besetzt haben und Ausfälle so besser ersetzen können. Aber wenn bei uns Peterson, Tiedtke, Holmgeirsson ausfallen und auch Heiko Grimm nicht fit ist, dann fehlt auf einmal der ganze Stamm. Wir bräuchten insgesamt mal eine Situation wo die Spieler wirklich ausruhen könnten zwischen den Spielen. Aber das ist leider nicht absehbar. Also hoffe ich, dass sie an Weihnachten wenigstens ein bißchen Ruhe finden um so fit in die nächsten Spiele zu gehen.Gibt es vielleicht sogar Vorgaben vom Trainer, dass sich die Spieler die Weihnachtsgans nicht zu gut schmecken lassen sollen um nach Weihnachten fit zu sein?
Michael Roth:
(antwortet nicht direkt, schmunzelt) Na ja, ich kann ihnen die Gans nicht verbieten, aber die Jungs sind alle Profis genug um zu wissen was sie essen und trinken können und was nicht. Wenn der Spieler der die meiste Gans gegessen hat in Flensburg plötzlich zwölf Tore macht soll es mir egal sein, aber wehe wenn nicht. (lacht)Wie zufrieden sind sie mit dem Jahr 2006 aus sportlicher Sicht des TVG?
Michael Roth:
Über das ganze Jahr gesehen war es schon ein erfolgreiches Jahr 2006 und ich kann hochzufrieden sein. Ich will jetzt nicht wieder 2 Euro ins Phrasenschwein werfen mit dem Spruch: Bei dem Etat haben wir das Optimale erreicht, aber es war am Ende der Saison 05/06 schade, dass wir nicht in Düsseldorf gewonnen haben. Und jetzt in der Hinrunde haben wir wirklich viele Dinge erlebt, die uns vom Handball abgelenkt haben. Alleine die Sache mit Jens Tiedtke (beim Nationalspieler wurde ein Gehrintumor diagnostiziert, d.Red), da habe ich tagelang unruhig geschlafen. Aber auch diese Situation hat gezeigt was den Verein ausmacht: Lasst uns zusammenstehen. Und wir haben im Jahr 2006 sehr eng zusammen gestanden, und wenn ich jetzt doch wieder den Etat ins Spiel bringen darf, dann haben wir mit unseren Möglichkeiten schon einiges geleistet.Geben Sie einen Ausblick auf 2007, was ist sportlich möglich?
Michael Roth:
Ich habe ja gestern Nacht nach dem Spiel gegen Magdeburg auf handball-world.com gelesen , dass es eine neue "Generation TVG" gibt. In der Tat bin ich auch dieser Meinung. Unheimlich gefreut hat mich, dass viele Zuschauer nach der gestrigen Niederlage gesagt haben, mit dieser Mannschaft haben wir eine Zukunft. Das sehe ich auch so.Der TVG setzt also weiter auf die Jugend?
Michael Roth:
Unser Geschäftsfüher Sascha Schnobrisch, Vorstand Georg Ballmann und mein Trainerteam haben unsere Augen überall. Die Talente liegen ja nicht auf der Straße, wir müssen Sichten, Suchen und auch um diese Spieler kämpfen. Das tun wir, und wenn ich ehrlich bin macht diese Aufgabe auch auch Spaß.Spaß?
Michael Roth:
Ja, einen Spieler zu finden, der den Durchbruch schaffen kann und seine Chance bei uns nutzt. Schauen Sie doch nur den Dominik Klein an, der war auf Linksaußen bärenstark, er geht nach Kiel und dann kommt der Andi Kunz und schließt die Lücke. Andi Kunz weicht dann auf Rückraum Mitte aus und dann spielt auf Außen eben Gregor Schmeißer und macht gegen Magdeburg drei Tore. Das macht mir Spaß, zu sehen, wie sich die Spieler entwickeln.Können Sie weitere Beispiele geben?
Michael Roth:
Auch unser Rückraum gestern mit Müller-Kunz-Holm Jörgensen hat mich erfreut, wie die zeitweise Magdeburg mit Abati, Kuleschow und Bielecki Paroli bieten konnten. Und wenn wir weiter hart dran arbeiten dann werden wir noch mehr Spaß an unseren jungen Spielerin haben.Mit Holmgeirsson verliert der TVG einen Topspieler nach Flensburg...
Michael Roth:
Einar ist ein Topspieler und er wird seinen Weg gehen, das hoffe ich für ihn. Ich wünsche ihm in Flensburg alles Gute.Sie haben am ersten Spieltag gegen Kiel trotz Führung kurz vor Schluß eineN Punkt verschenkt, können Sie diesen zu Hause wieder zurückholen?
Michael Roth:
Das wird schwer, aber wenn wir so spielen wie gegen Magdeburg und von unseren Verletzten der ein oder andere wieder einsatzbereit ist, dann glaube ich definitiv an eine große Chance, auch gegen Kiel. Unsere medizinische Abteilung hat derzeit echt Schwerstarbeit zu verrichten. Unsere Fans werden uns sicher wieder so fantastisch unterstützen wie gegen Magdeburg und dann werden wir sehen was passiert.Wir wünschen Ihnen und Ihrer Mannschaft viel Gesundheit und viel Erfolg für 2007.
Quelle: http://www.handball-welt.de/o.red.c/news.p…=1&auswahl=6721