Original aus der Volksstimme vom 24-05-06
Ärztetag: die „Operation Kiel“ schlägt gehörig auf den Magen
Der SCM gerät gegen Ende der Handball-Saison mit den Bundesliga-Spitzenclubs „über Kreuz“. Hatten erst kürzlich SCM-Anhänger dafür gesorgt, dass das Fan-Forum der SG Flensburg-Handewitt gesperrt
werden musste, gab es Gerüchte und Dementis wegen Trainer- und Spielerwechseln, so kracht es jetzt so richtig zwischen den Magdeburgern
und dem THW Kiel.
Stein des Anstoßes ist die Partie am vorletzten Bundesligaspieltag: SC Magdeburg gegen den THW Kiel (Volksstimme berichtete). Ursprünglich für Sonntag, den 28. Mai 2006, geplant, hatte Bundesliga-Spielleiter
Uwe Stemberg bereits am 18. August 2005 festgelegt, dass sämtliche Partien des vorletzten Bundesligaspieltages bereits am Sonnabend (27. Mai)
auszutragen sind. Stembergs nachvollziehbare Begründung: „Am Sonntag Nachmittag ist Formel 1. Da kommen wir nicht ins Fernsehen.“ So weit, so gut. Doch bereits zu jener Zeit hatte sich der Deutsche Ärztetag für diese
Woche in die Bördelandhalle eingemietet – mit einem Vertrag bis Sonnabend, 18 Uhr! „Was sollen wir machen? Wir können doch die Ärzte nicht rausschmeißen. Dabei hatten wir von Anfang an darauf verwiesen,
dass es hier zu einer Terminüberschneidung kommen könnte“, erläutert Volker Wodtke. Mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Spieltermin 15 Uhr doch von Anfang an kaum zu halten war, antwortete der Veranstaltungsmanager Sport der Bördelandhalle: „Wir hatten schon viele Veranstaltungen bis weit in die Nacht, wie zum Beispiel Boxabende, und am nächsten Tag wurde Handball gespielt.“ Die Gespräche mit dem SCM und der Bundes-Ärztekammer „ziehen sich schon eine Weile hin. Am Montag kamen wir aber letztlich zu der Feststellung, dass der aufwändige Umbau der Bördelandhalle diesmal nicht zu bewältigen sein wird.“ Die Halle sei „total umgestaltet“ worden und kaum wiederzuerkennen, so Wodtke weiter. Entstanden sei ein „Plenarsaal mit Teppichboden und jede Menge Technik
drin“, dessen Abbau ab Freitag Abend wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als bei anderen Veranstaltungen. Dass es zu Terminkollisionen
kommen könnte, hatte auch Bernd-Uwe Hildebrandt geahnt. Der SCM-Manager, zugleich auch Präsident der Deutschen Handball-Liga, hat
nach eigenen Angaben im Oktober 2005 darauf aufmerksam gemacht, „dass es mit dem 15- Uhr-Beginn des Kiel-Spiels Probleme geben könnte“. Hildebrandt weiter: „Danach bekam ich die Information, dass es vielleicht doch mit diesem Termin klappen könnte. Wir hatten gehofft, es könnte
zu schaffen sein.“ Bundesliga-Spielleiter Uwe Stemberg verweist auf ein
Schreiben, in dem der SCM-Manager bereits vor sechs Wochen auf eine Spielverlegung aufmerksam gemacht haben soll. Stemberg: „Klar, dass ich jetzt für den THW der Buhmann bin. Ich kann damit leben. Aber ich werde nicht gewählt, um Freude zu verbreiten, sondern ich entscheide nach bestem Wissen und Gewissen. Ich habe die veränderte Spielzeit nur deswegen gestattet, weil es weder für Kiel noch den SCM in der laufenden
Saison noch um etwas geht, also jede Wettbewerbsverzerrung ausgeschlossen ist.“.