21.04.2007 18:20 -
THW Kiels Manager Uwe Schwenker im Doppel-Interview mit seinem Erzrivalen Thorsten Storm. Vor den Finalspielen in der Champions League geht's hier um Alkohol, Albträume und Abschied.
Von Kai Psotta und Sven Beckedahl
Herr Schwenker, haben Sie sich eigentlich gefreut, als feststand, dass Ihr THW Kiel im Champions-League-Finale am 22. und 29. April gegen Ihren deutschen Erzrivalen aus Flensburg spielt?
Uwe Schwenker (48): Ganz ehrlich: nein. Es wäre einfacher gewesen, gegen BM Valladolid zu spielen. Als Flensburg sie im Halbfinale rausgehauen hat, habe ich mir erst einmal einen Cognac gegönnt. Gegen Valladolid wären alle für Kiel gewesen. Jetzt ist es ein nationales Duell.
Thorsten Storm (42): Wenn du gegen Valladolid verlierst, ist es nur eine Niederlage im Champions-League-Finale. Das wäre zu verkraften. Wenn du aber gegen Flensburg verlierst, ist es ein Albtraum. Stell dir das mal vor: Flensburg, der kleine Nachbar, gewinnt im Rückspiel in der Kieler Ostseehalle den Titel. Das wäre doch das Schlimmste für euch.
Schwenker: Dann gehe ich raus. Ich will nicht miterleben, wie ihr den Pokal hochstemmt.
Storm: Ich bin eh ganz froh, dass wir das Rückspiel in Kiel haben. Man muss ja auch immer eine Party für die Mannschaft und Fans vorbereiten, für den Fall, dass man den Titel gewinnt. Und dann steht bei euch alles für die Siegesfeier bereit - und wir versauen euch die Party.
Schwenker: Aber da wir gewinnen, muss ich mir über dieses Szenario gar keine Gedanken machen.
Storm: Werden wir sehen. Aber ihr seid der Favorit. Deshalb steht ihr ja auch unter viel größerem Druck. Kiel, der Abonnement-Meister, der seit sechs Jahren hinter dem Champions-League-Titel herhetzt. Wir sind doch bloß Außenseiter. Jetzt aber mal nicht untertreiben. In Flensburg kann man doch wohl auch Handball spielen.
Storm: Ja, natürlich. Und der Titel wäre gigantisch. Kiel ist viel konstanter als wir. Wir haben zwischendurch immer wieder Einbrüche. Wir haben keine Maschinen wie Kiel mit Nikola Karabatic. Der läuft jedes Spiel wie eine Maschine auf Hochtouren. Aber wenn es drauf ankommt, dann sind wir stark.
Vergangene Woche hat Bundes-Trainer Heiner Brand die Liga scharf kritisiert. Er hat sie als stur und egoistisch bezeichnet, weil sie seinen Vorschlag abgelehnt hat, dass bei jedem Verein vier Deutsche auf dem Spielberichtsbogen stehen müssen. Sind Sie beide wirklich so sturen Dickköpfe?
Schwenker: Das ganze Thema wird für mich viel zu einseitig diskutiert. Es geht immer zulasten der Vereine. Es geht nicht, dass Heiner sagt, er würde als Bundestrainer aufhören, wenn die Liga nicht macht, was er will. Da missbraucht er seine Position als Weltmeister ein wenig. Wir wissen alle, dass Heiner das Gesicht des Handballs ist und wir ihm viel zu verdanken haben. Aber so ist es der falsche Weg. Ich bin gegen eine Quotierung. Leistung setzt sich immer durch. Die Deutschen profitieren doch auch durch den Konkurrenzkampf in der Liga. Und man darf nicht vergessen: Zwischen 1987 und 1992 waren wir zweit- bzw. drittklassig, haben bei der B- und C-Weltmeisterschaft gespielt. Und damals gab es in der deutschen Liga nur einen Ausländer pro Verein. Die Ausländer haben der Liga geholfen. Die Quotierung wäre ein Rückschritt.
Storm: Außerdem kann ich mir ja auch keine Placebos in die Mannschaft holen, nur um die Quote zu erfüllen. Ich muss Qualität schaffen. Deshalb würde ich eher viel mehr Geld in die Nachwuchsförderung stecken.
Schwenker: Ich wollte Sebastian Preiß als Ersatz für Pelle Linders haben. Dafür hätte ich aber einen sechsstelligen Betrag draufpacken müssen. Durch eine Quotierung würden wir die Preise für deutsche Spieler nur in die Höhe treiben. Und noch eins. Wir wollten fünf, sechs deutsche Spieler nach Kiel holen. Teilweise haben die mit der Begründung abgesagt, dass sie unter Noka Serdarusic nicht trainieren wollten. Das muss man auch mal deutlich sagen. In Kiel sei das alles zu diszipliniert, man wolle schließlich ab und zu mal um die Häuser ziehen dürfen. Sogar aktuelle Weltmeister waren darunter.
Storm: Aber Fakt ist: Heiner ist der richtige Mann. Es wäre ein Riesen-Verlust, wenn er nach den Olympischen Spielen 2008 aufhören würde.
Herr Schwenker, sind Sie Thorsten Storm dankbar, dass er Ihnen das Problem Fritz abgenommen hat?
Schwenker: Für mich ist das Thema abgehakt. Wenn man mal alle Emotionen zur Seite schiebt und das völlig versachlicht, ist sein Wechsel nach Kronau/Östringen die beste Entscheidung. Für den Spieler und den Verein. Er kann bei null anfangen. Und wir haben wieder Ruhe.
Storm: Ich freue mich auf die Arbeit mit einem alten Bekannten.
Stimmt es denn, dass das Interview von Noka Serdarusic in SPORT BILD erheblichen Anteil an der Trennung hatte?
Schwenker: Ja, das war der Auslöser. Wenn Thorsten Storm im Sommer als Manager nach Kronau/ Östringen wechselt, verlieren Sie Ihren ärgsten Widersacher. Genau wie Bayern-Manager Uli Hoeneß seinen Lieblingsfeind Rudi Assauer von Schalke 04 verlor.
Sind Sie traurig?
Schwenker: Es war schon eine schöne Zeit voller Bissigkeit.
Storm: Ich weiß doch, was du magst.
Schwenker: Beide Klubs haben extrem davon profitiert. Man braucht ein Pendant. Ich mache mir viel mehr Gedanken, was aus Flensburg ohne Thorsten wird. Sportlich wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Aber Flensburg verliert sein Gesicht.
Gibt es denn ein Abschiedsgeschenk vom THW Kiel?
Schwenker: Kommt drauf an, was Thorsten haben will.
Storm: Den Champions-League-Titel natürlich.
Schwenker: Das kannst du vergessen!
Quelle: Homepage SG
Autor:
Von: sg