Optimieren lautet die Maxime
Management. SG-Manager Fynn Holpert sieht in nahezu allen
Tätigkeitsbereichen Entwicklungs-Potential.
Quelle: Flensborg Avis
Text: Volker Metzger
FLENSBURG. Wer bisher glaubte, die SG Flensburg-Handewitt habe in vielerlei Hinsicht den Rahmen des Möglichen und Machbaren nahezu ausgeschöpft, kennt nicht die Auffassung von Manager Fynn Holpert. Optimieren lautet dabei das Lieblingswort des Zwei-Meter-Hünen, der im vergangenen Sommer in seine Heimatstadt zurückkehrte und ehrgeizige Ziele mit dem Bundesliga-Spitzenreiter verfolgt. In einem Exklusiv-Interview gibt Fynn Holpert Einblicke in die Gedankenwelt seiner facettenreichen Tätigkeit.
SPIELORT DÄNEMARK: Die Tür ist noch verschlossen
Dem Bundesliga-Tabellenführer bleibt für einen gewünschten Pflichtspiel-Auftritt die Tür zum Königreich verschlossen.
"In diesem Punkt verstehe ich die Dänen nicht. Wir haben sehr viele dänische Spitzenspieler in unserer Mannschaft und daher eine beachtliche Strahlungskraft für den Handballsport allgemein. Wenn wir bei einem Pflichtspiel in Dänemark 6000 Zuschauer in die Halle locken, dann profitiert der Handball-Sport in Dänemark davon und mit ihm doch logischer Weise auch die einzelnen Vereine. Wir werden den Spielort Dänemark aber nicht aus den Augen verlieren und am Ball bleiben", versichert der SG-Manager.
Auf diese Weise will Holpert bei zu erwartenden Termin-Kollisionen in der Campushalle die Situation nach einer alternativen Spielstätte "optimieren."
SPONSORING: Transporteur für das Wachstumsland Dänemark
"Wir sind zum einen ein Botschafter der Region und darüberhinaus verstehen wir uns als Transporteur für das wirtschaftliche Wachstumsland Dänemark", beschreibt Holpert das Rollenverständnis der SG in der wirtschaftlichen Beziehung zum angrenzenden Nachbarn.
Und nachdem mit der Fluggesellschaft Cimber Air (Sønderborg) bereits ein aufstrebendes dänisches Unternehmen als Teamsponsor gewonnen werden konnte, gelang nun ein ganz großer Wurf.
Mit der dänischen Kapitalanlage-Gesellschaft "Sparinvest" löst ein europaweit expandierendes Finanz-Großunternehmen ab dem 1. Januar 2008 den langjährigen Hauptsponsor "Provonzial" ab.
"Durch diesen Schritt können wir neugewonnene Eigenständigkeit dokumentieren und unser Image als eigene Marke entsprechend pflegen", kommentiert Holpert den Wechsel an einer maginalen Schnittstelle, ohne jedoch den Namen des neuen Hauptförderes bestätigen zu wollen.
Die neue Partnerschaft dürfte langfristig und leistungsbezogen ausgerichtet und vom Finanz-Volumen her deutlich aufgewertet sein. "Dadurch sind wir in der Lage auch auf dem internationalen Spielermarkt unsere Vorstellung von der Wertigkeit eines Wunschspielers entsprechend zu dokumentieren", spricht Holpert in diesem Zusammenhang von einer "Optimierung."
ANALYSE: Was charakterisiert den "SG-Kunden"?
Ähnlich wie zu Lemgoer Zeiten hat Fynn Holpert nun auch bei der SG eine umfassende Zuschauer-Analyse in Auftrag gegeben.
"Wer ist unser Kunde, wie sehen seine Wünsche und Erwartungen aus und wie können wir ihn noch zufriedener stellen?", lautet dabei die Kernfrage des dynamischen Marketing-Experten, der aufschlussreiche Angaben erwartet.
Entsprechend neuer Erkenntnisse soll unter anderem das im Fachjargon als "Ticketing" bezeichnete Karten-Verkaufs-Systems vor allem auf der Internet-Ebene auf neue Beine gestellt werden.
Gleichzeitig sind Bereiche wie u.a. das "Catering" in der Campushalle, die generelle Auslastung der vorhandenen Zuschauer-Kapazität, Parkplatz-Situation, Verkehrsanbindung usw. im Blickfeld Holperts permanent präsent.
"Und erst wenn wir wir diese Analyse abgeschlossen haben, macht es Sinn fundiert und entschlossen die gewünschte Erweiterung der Hallenkapazität anzugehen." Auch in diesem Bereich lautet das Stichwort "Optimierung."
ANZIEHUNGSKRAFT: Grenzenlose Leidenschaft
"Wir haben auch nördlich der Grenze sehr viele Handball-Fans. Auch ihnen wollen wir den Zugang zu uns im Sinne grenzenloser Leidenschaft erleichtern", beschreibt der zweifache Familienvater eine weitere Herausforderung und baut dabei auf eine entsprechende Strategie.
Unter anderem gilt es dabei über die Medien Kern-Botschaften besser zu transportieren und so die Anziehungskraft der SG zu stärken. "Das können und müssen wir deutlich optimieren", gilt auch hier das Lieblings-Motto.
REGIONALE PRÄSENZ: Von Husum, Sylt und Kappeln
"Es ist wunderbar zu erleben, wie diese Region hinter der SG steht. Ich habe es kaum geglaubt, dass sich der Verein fast ausschließlich durch die Unterstützung aus der unmittelbaren Umgebung finanziell derart gut darstellen kann. Das ist ein deutliches Zeichen, wie groß Euphorie und Enthusiasmus für die SG sind", verweist Holpert auf die Sonderstellung der SG Flensburg-Handewitt.
"Wir werden uns daher auch verstärkt in den Hallen unserer Region zeigen", versichert der SG-Funktionär. Mit Spielen "in Husum, Kappeln oder auch auf Sylt", will die SG den Kontakt zu ihren Anhängern intensiver pflegen; also optimieren.
VEREDELUNG: Internationale Topleute und Talente
Um im sportlichen Bereich gewohnt hohe Zielsetzungen weiterhin erfüllen zu können, setzt Holpert auf eine "Mischung von erfahren Topspieler und Talenten."
"Die SG ist für mich die erfolgreichste Mannschaft in Deutschland. Auch wenn andere Teams vielleicht den einen oder anderen Titel mehr gewonnen haben, so ist die SG in der Bundesliga seit 1994 nie schlechter als Rang vier platziert gewesen und das hat keine andere Mannschaft erreicht", stellt Holpert seine Sichtweise dar.
Die jüngsten Vertragsverlängerung mit Routiniers wie Ljubomir Vranjes und Johnny Jensen sowie Youngstern wie Anders Eggert und Torge Johannsen belegen die Strategie der SG.
HAUSEIGENER NACHWUCHS: Mehr Unterstützung zugesagt
"Ich habe an unserem Junior-Team sehr viel Freude und es verdient deutlich mehr Unterstützung", bekennt sich Fynn Holpert klar zur eigenen Reserve, die in der Regionalliga als Spitzenreiter für Furore sorgt.
"Unsere Vereinspolitik sieht vor, dass wir schon sehr bald mit der zweiten Mannschaft in der 2. Bundesliga vertreten sein wollen, um für die Talente eine notwendige Entwicklungsstufe zu schaffen", erklärt Holpert das Vorhaben.
Gelingt Holpert die "permanente Optimierung", stehen die Erfolgschancen in seinem Debütjahr recht gut. Schließlich weiß der "eigentlich nie zufriedene" Stratege eines nur zu gut: "Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch nichts gewonnen."
Wir sind auf dem richtigen Weg, haben aber noch nichts
gewonnen!