So, der "offizielle" Bericht wird sicher morgen im Laufe des Tages auf der Homepage stehen, aber ich MUSS diesmal einfach schon vorher ein paar Sachen loswerden.
Zunächst einmal: da haben heute einige Melsunger "auf dem allerletzten Loch gepfiffen", denn zu den nach wie vor nicht völlig auskurierten Verletzungen hat unter der Woche eine Grippe voll zugeschlagen. Kraus hat gar nicht gespielt, Sanikis hätte normalerweise auch nicht spielen können/sollen/dürfen- wie auch immer. In einem Spiel, das erwartungsgemäß eher Kampf als rauschende Spielzüge hergibt, ist sowas eine nicht zu unterschätzende Komponente.
Was in der ersten Halbzeit Radek Musil gezeigt hat, das war schon recht dicht dran am Attribut "weltklasse". Eine Quote von 55% gehaltener Bälle bei immerhin 12 Gegentoren ist ein Wert, den nicht viele Torhüter bisher geleistet haben - schon gar nicht von Teams der unteren Tabellenhälfte. Insofern ist die Pausenführung nicht ganz so aussagekräftig wie man meinen könnte. Dennoch gebe ich Recht: es hätte bei etwas anderen Begleitumständen auch in einem Debakel für GWD enden können, wenn nicht nach dem 11:6 zwei Herren recht massiv auf den Plan getreten wären.
Das spiel war kampfbetont, ja. Wie man in einer solchen Begegnung innerhalb 30 Minuten aber 9 Zeitstrafen und 8 Siebenmeter verhängen kann, das ist nicht nur mir schleierhaft gewesen. Die Zeitstrafen waren im ersten Abschnitt relativ gleich verteilt (GWD eine mehr), aber die Zeitpunkte waren für die MT schon als "katastrophal" zu betrachten.
Was sich besagte zwei Herren so ab der 36. Spielminute gedacht haben, das möchte ich lieber gar nicht wissen. Kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine so "geradlinige" Leistung gesehen habe. Wer sich den genauen Ablauf der Partie nochmal im DHB-Ticker vergegenwärtigt, der wird vermutlich zum gleichen Schluß kommen: "immer dann, wenn's strategisch günstig war" ...
Trotz dieser sehr unrühmlichen Geschichten muß ich trotzdem völlig neidlos anerkennen, daß GWD schlicht und einfach verdammt clever die Gunst der Stunde genutzt hat. Gudjonsson hat sich von mehreren versemmelten Bällen nicht aus der Ruhe und dem Konzept bringen lassen, und hat richtig klasse die Bälle verteilt, und als es nötig war auch selbst Verantwortung übernommen. Kouzelev hat lange nicht getroffen, war aber auch vor seinen späten, wichtigen Toren für mich mit der beste Mindener. Ständiger Unruheherd, permanenter Lieferant von Strafwürfen (in "Zusammenarbeit" mit D/Z). Arne Niemeyer hat gezeigt, warum er so wichtig ist für Minden: er ist da, wenn er gebraucht wird.
Das insgesamt vielleicht als gerechtes Ergebnis anzusehende Unentschieden wurde regelrecht gestohlen von den Schiedsrichtern. In der ersten Hälfte gab es - nach dem Regelwerk völlig korrekt - eine persönliche Strafe von 2 Minuten und einen Siebenmeter, als Balomenos beim Gegenstoß einem Mindener (weiß nicht mehr, wer es war - glaube Gudjohnsson) kurz auf den Unterarm schlug. Es kam noch zum Abschluß, aber Musil hielt. Regelauslegung in dieser Situation also völlig korrekt.
5 Sekunden vor Schluß, nach dem Niemeyer-Treffer und erfolgtem Anwurf durch "schnelle Mitte", ging Hruby auf und davon in Richtung GWD-Tor, als er unsanft von Schäpsmeier gestoppt wurde. die meisten GWD-Spieler waren zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht wieder hinten! Laut Regelwerk ist hier in der letzten Minute der rote Karton absolut zwingend, und es hätte - ebenso wie in Halbzeit 1 - auch einen strafwurf geben müssen. Genau dieser wurde jedoch verwehrt, und die Uhr lief aus. Sorry, meine Herren Schiedsrichter, aber das war nicht korrekt!
Die angesprochenen Auswechslungen: was will man machen, wenn sich eine Mannschaft weitgehend selbst aufstellt? Balomenos war stehend KO, als Sanikis doch noch kurzzeitig kam. Er hat kein Tor gemacht, aber sein Anspiel zum Treffer von Brouko war schon klasse. Wenn gesundheitsbedingt die Kraft zur entscheidenden Einzelleisstung fehlt, darf man das dem Trainer nicht unbedingt anlasten. Er hat's zumindest versucht. Hätte er nicht, wäre ihm das wiederum vorgeworfen worden. Wie sagt T.V.Kaiser so schön? "Ein Teufelskreis" ...
Abschließend zu den Fans der Mindener ein paar Worte. Ich habe selbstverständlich die einschlägigen Berichte gelesen, und da gab es ganz sicher auch ein wenig Grummeln im Bauch vor dem Spiel. Was ich dann aber mitbekommen habe, das verdient mindestens ebenso Erwähnung wie die vorherigen Verfehlungen. Ich habe engagierte, lautstarke Fans erlebt, die über volle 60 Minuten ihre Mannschaft absolut vorbildlich unterstützt haben. Das betrifft die Gruppe der "Oben-Ohne-Fetischisten" hinter dem Tor ebenso wie den Fanblock. Ich unterstütze keine Stinkefinger und heiße sie nicht gut, aber sorry - das kommt nicht nur bei hartgesottenen Fans vor, sondern mitunter auch bei "ganz normalen" Zuschauern. Und darüber hinaus habe ich NICHTS anstößiges feststellen können! Also von meiner Seite aus Kompliment an eine "üble Truppe", die sich zumindest bei uns ganz anders benommen hat, als ihr Ruf das hätte erwarten lassen. Macht genau so weiter, dann wird es auch in Zukunft keine Gründe zur Verteufelung geben.
So, und ganz am Ende bleibt nur, einem sympathischen Trainer Richard Radtka und seiner Mannschaft zu gratulieren für einen Sieg, den sie eigentlich nie hätten feiern dürfen. Trotzdem sage ich nicht, daß er "unverdient" war, denn selbst mit der geschilderten "Unterstützung" muß man mit so schmalem Kader erstmal die Energie aufbringen, nach 7-Tore-Rückstand zurückzukommen! Bis zum Rückspiel also, und dann wollen wir den Spieß 'rumdrehen ... 