Hier mal ein Bericht aus der Neuen Ruhr Zeitung (NRZ) von morgen zum Spiel WHV-TuSEM:
Welch ein Fiasko! Der Tusem floppte völlig zum Auftakt der Handball-Bundesliga. Die 22:29 (10:12)-Blamage beim Wilhelmshavener HV sorgte für totale Fassungslosigkeit im Essener Lager. Der Schock saß grabentief. Nach der erfolgreichen Saisonvorbereitung mit dem ausgezeichneten Abschneiden bei den top-besetzten Turnieren in Sindelfingen, Braunschweig und Ludwigshafen, dem erfolgreichen Test gegen die Tschechen vor einer Woche hätte niemand mit einem derartigen Absturz gerechnet. Und dann das...
Die Gesichtsfarbe aschfahl, den stumpfen Blick ins Leere gerichtet, saßen die frustierten Tusemspieler in den angenehm wärmenden Spätsommerstrahlen vor der umgebauten Nordseehalle und rätselten über sich selber.
Vom Mitfavoriten zur Lachtablette des ersten Spieltages waren es 60 krampfige Minuten. Trainer Iouri Chevtsov sprach schmallippig von einer "Lähmung". Der sportliche Leiter Hade Schmitz urteilte schonungslos-scharf "eine absolute Katastrophe" und Torhüter Chrischa Hannawald, einer der wenig Ansprechbaren, bestätigte: "Das war eine Frechheit, was wir uns geleistet haben. Wir wollen oben was reißen und spielen schlechter als unsere zweite Mannschaft!" Sein Kumpel und Kollege Jesper Larsson analysierte es als "Kopfmensch" auf den Punkt: "Das ist Bundesliga. Das ist eine Kopfsache."
Den Kopf hinhalten musste am Telefon erst einmal Hade Schmitz. Er "beichtete" Abteilungsleiter Klaus Schorn den Fauxpas. Schorn hatte sich im sicheren Gefühl, eine hervorragend präparierte Mannschaft allein beim Vorjahres-Aufsteiger starten zu lassen, für ein paar Tage Urlaub an den Bodensee ausgeklinkt. An Erholung war nach dem Gespräch nicht mehr zu denken.
Analyse heißt das Gebot der Stunde. Die ersten Erklärungsversuche der Verantwortlichen klangen erschrocken. "Meine Mannschaft hat mich heute überrascht. Sie hat nicht das abgeliefert, was sie kann. Sie war von Anfang an unter Druck. Ich hatte Spielwitz erwartet, aber es kam nichts."
Hade Schmitz hieb in die gleiche Kerbe: "Angesichts unseres Potenzials war das eine indiskutable Leistung. Diese Niederlage schleppen wir noch lange mit uns herum."
Die Körpersprache der Essener, die bereits am Freitag Richtung Friesland gefahren waren, signalisierte von Beginn an Bedenkliches. Keine Bewegung, weder im Kopf, noch auf den Beinen. Der erste verwandelte Siebenmeter vor 2100 Zuschauern von Oleg Velyky war die erste und einzige Essener Führung. Nach 13 Minuten erst das erste Feldtor. Das sagt wohl alles. Das konnte einfach nicht gutgehen.
Auf der Bank herrschte schnell haareraufende Fassungslosigkeit. Chevtsov suchte nach einer Deckung, die zusammenhielt. Doch der Tusem fiel auseinader wie ein Mikado-Spiel. Nichts ging. Jesper Larsson flogen die Bälle des Gastgebers um die Ohren. Später auch Hannawald. Rückzug statt Attacke.
Rückraum ein Totalausfall
Der hochgelobte Rückraum war ein Totalausfall. Die internationalen Spitzenkräfte ließen sich von WHV-Torwart Matosevic atemberaubend schnell den Schneid abkaufen. Der Tusem spielte ängstlich wie ein Abstiegskandidat. Hasen-Handball und Hast rächten sich. Dann kam auch noch reichlich Pech mit Holztreffern hinzu.
Das Halbzeit-Ergebnis liest sich noch glimpflich und schmeichelt den Revier-Handballern, die die kleine Essener Anhängerschar ins Entsetzen katapultierten. Im zweiten Spielabschnitt keimte beim 20:21 (49.) nochmal die Hoffnung, der Tusem könnte sein Waterloo noch abwenden. Doch die Essener, die nun zum Ein-Mann-Betrieb (Oleg Velyky) zusammengeschrumpft waren, waren schlicht zu zerbrechlich, um den beherzt aufspielenden Hausherren die Stirn zu bieten, die man im hintersten Winkel des Unterbewusstseins wohl doch unterschätzt hatte. Nach dem zweiten verworfenen Siebenmeter von Velyky beim Stand von 22:26 resignierten die einfallslosen Essener endgültig.
Gelächter vom Band für den Gast
Der Hallensprecher überschlug sich in überschwenglicher WHV-Begeisterung und Häme für den Tusem. Er spielte Gelächter aus der Geisterbahn vom Tonband ab. Eine akkustische Ohrfeige für den Gast, der völlig kopflos in seine erste Pleite stürzte.
Der WHV tanzte Tango mit seinen ausgelassenen Fans, der Tusem suchte Zuflucht im Bus. WHV-Trainer Carstens lobte seine Truppe, in die er sieben neue Spieler einbauen musste, voller Stolz: "Jeder hat an seinem obersten Limit gespielt."
Umgekehrt hatte beim Tusem jeder an seinem untersten gespielt. Mit Blick auf das zweite Auswärtsspiel am 10. September in Kiel wird es nun besonders schwer, den Schalter umzulegen. "Da wird die kämpferische Grundeinstellung wieder stimmen", so Schmitz schwörend.
Tusem-Tore: Velyky 10/3, Szilagyi 3, Torgovanov 3, Caillat 2, Krebietke 2, Lauritzen 1, Cazal 1.
Quelle: http://www.nrz.de
Da haben die Jungs nach der guten Vorbereitung wohl gedacht, das wird ein Selbsläufer. Wollten sich bestimmt vor den schweren Auswärtsspielen schonen.
Allerdings ist Wilhelmhaven auch ein schweres Auswärtsspiel. 