Hier sind die Artikel aus NRZ und WAZ:
Tusem droht die Insolvenz
HANDBALL-BUNDESLIGA / Essener Traditionsklub fehlen im Etat 850000 Euro. Sponsoren hielten ihre Zusagen nicht ein.
Vier Wochen nach dem Aus für Tennis-Bundesligist Etuf zieht sich nun auch für den Essener Handball-Bundesligisten Tusem die finanzielle Schlinge immer enger zu. Präsident Uli Gaißmayer und Handball-Abteilungsleiter Klaus Schorn schlugen vor dem heutigen Auswärtsspiel der Essener beim TV Großwallstadt (20 Uhr, Unterfrankenhalle) öffentlich Alarm. Im Etat klafft eine Lücke von 850000 Euro. "Wenn sich bis Anfang Januar nichts tut, droht die Insolvenz!" Der Spielbetrieb, so versicherte der Verein gestern, ist bis jetzt nicht in Gefahr.
Zuschauersituation dramatisch
Genau wie beim Etuf brachen wichtige Sponsoren weg oder hielten ihre gegebenen Zusagen nicht ein. Und auch die Zuschauersituation hat sich dramatisch verschlechtert. Bestes Beispiel war das Europapokal-Achtelfinalspiel gegen Saporoshje, zu dem sich nicht einmal 2000 Handball-Anhänger verliefen.
Tusem-Boss Klaus Schorn erklärte gestern am späten Nachmittag aufgewühlt: "Wir wurden von drei Leuten im Stich gelassen. Wenn sie nicht bis Weihnachten zu ihrem Wort stehen, kann ich das Schiff nicht länger auf Kurs halten." Uli Gaißmayer erklärte gegenüber der NRZ besorgt: "Wir drohen, den Bach runterzugehen."
Kreditrahmen ist erschöpft
Tusem-Rechtsbeistand Uli Tiegelkamp bestätigte der NRZ auf Nachfrage: "Die Lage ist sehr ernst und schwierig. Der Kreditrahmen ist zum jetzigen Zeit fast erschöpft. Aber ich sehe noch Chancen das zu retten, was von Klaus Schorn über die Jahre hier, nicht nur an bezahltem Handball, aufgebaut worden ist."
Die Deutsche Post, langjähriger Partner des Revierklubs, speckte die Zuwendung für den Pokalfinalisten 2003 ganz erheblich ab. "Vertragsmäßig war etwas anderes vorgesehen. Mein vorhandenes Grundvertrauen ist dabei weitgehend verloren gegangen", so Schorn verbittert.
Nun hoffen die Verantwortlichen des dreimaligen Meisters auf Hilfe aus der Politik und der Wirtschaft. "Wir brauchen eine Elefantenrunde, um eine Lösung zu finden", fordert Tiegelkamp ein schnelles Treffen, der versichert, Schorn habe "sorgfältig und seriös" gearbeitet.
Selbst NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück wurde alarmiert und setzte sich für den dreimaligen Ex-Meister und Pokalsieger in den Chefetagen wichtiger Firmen im Umkreis ein. Bisher jedoch blieb es bei Versprechungen. (Ein)-Zählbares kam noch nicht dabei heraus.
Unterdessen bemühen sich die Handballer, in der Meisterschaft und Europapokal-Achtelfinale, sportlichen Erfolg zu haben und damit eine wichtige Argumentationshilfe zu leisten, dem Traditionsklub finanziell unter die Arme zu greifen.
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Ein fataler Trugschluss
Die Handballer vom Tusem gelten in Essen als eine Art Vorzeigeklub. Seit mehr als ein Vierteljahrhundert erstklassig, dreimal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, international erfolgreich und in all den Jahren auch wirtschaftlich seriös geführt.
Ausgerechnet dem Vorbild droht nun die Insolvenz. Unverschuldet, wie Klaus Schorn versichert. Sponsoren haben Geld versprochen, doch ihre Geldbörse bislang noch nicht geöffnet. Lief ja bisher auch ohne ihr Geld ganz gut.
Zumindest vordergründig. Die Handballer zählen zu den Spitzenteams der Liga, was nicht daran liegt, dass der Klub kräftig ins Personal investiert hat. Weil der Hauptsponsor, die Deutsche Post AG, die Finanzspritze mit einer erheblich kleinerer Kanüle versehen hat, konnte nur Christian Caillat für Johannesson verpflichtet werden. Kein Star sondern ein Ergänzungsspieler in einem dünn bestückten Kader.
Irgendwie wird es schon gehen, vertrauten Spieler und Trainer der Schornschen Managerkunst. Irgendwie, dachten die Sponsoren, kommt der Tusem schon zurecht. Ein fataler Trugschluss