Ständiges Schiedsgericht verweigert Essen Lizenz
Minden/München - Aus, vorbei: Ein Traditionsverein stürzt ins Handball-Niemandsland ab.
Der TUSEM Essen hat auch in letzter Instanz den Kampf um die Lizenz für die neue Bundesliga-Saison verloren.
Das Ständige Schiedsgericht der Lizenzvereine unter Vorsitz von Richter Stefan Tholund aus Kiel verweigerte dem amtierenden Europapokalsieger nach einer fast vierstündigen Verhandlung in Minden die Spielgenehmigung.
Kein Triumph-Gefühl
Grund für die Entscheidung des dreiköpfigen Gremiums waren Fristenversäumnisse im Lizenzierungsverfahren und wirtschaftliche Probleme.
"Ich habe diese Entscheidung erwartet", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), gegenüber Sport1.de. "Ich habe aber nicht das Gefühl, triumphiert zu haben."
Konsequenter Weg
Die Entscheidung tue ihm sehr leid für den Klub, so Bohmann: "Allerdings ist sie folgerichtig. Wir sind konsequent unseren Weg gegangen. Und dieser Weg hat diese Entscheidung bedingt."
Bohmann bewertete den Spruch des Ständigen Schiedsgerichts als "eindeutig". Er äußerte sich erleichtert, dass das Lizenzierungsverfahren dem sportrechtlichen Weg Stand gehalten hat: "Das Lizenzierungsverfahren ist kein Papiertiger. Das ist jetzt bestätigt."
"...dann muss man Rot ziehen"
Kiels Manager Uwe Schwenker sagte gegenüber Sport1.de, er habe mit der Entscheidung gerechnet. "Kurzfristig ist sie sicher bitter, aber es geht hier um die Zukunft und die Glaubwürdigkeit des Handballs", so Schwenker.
"Ein Bundesligist braucht ein solides wirtschaftliche Rückgrat. Wenn das nicht gegeben ist, muss man auch mal die Rote Karte ziehen." Allerdings sagte Schwenker auch: "Ich hoffe, dass Essen in zwei Jahren wieder in der Bundesliga zurück ist."
Lizenz in zwei Instanzen verweigert
Der Vorstand der HBL hatte dem dreimaligen Deutschen Meister in zwei Instanzen zuvor die Lizenz verweigert. Essen war daraufhin vor das Ständige Schiedsgericht gezogen.
Parallel ging der TUSEM den Weg vor ein Zivilgericht, wollte eine Einstweilige Verfügung erwirken. Das Verfahren vor dem Landgericht Dortmund ruht, könnte nun als letzte Möglichkeit von den Westdeutschen noch einmal aufgenommen werden.
Verhandlung im "Fall Wallau/Massenheim"
Bohmann glaubt allerdings nicht, dass Essen so weit geht. "Den Eindruck habe ich nicht", so der HBL-Geschäftsführer.
Zeitliche Gründe sprechen dagegen: Schließlich würde es erst nach Saisonbeginn eine endgültige Entscheidung geben.
Im Anschluss wird jetzt der Antrag der SG Wallau/Massenheim auf Erteilung einer Lizenz für die neue Saison verhandelt.
Sport1 vom 30.06.2005