Beiträge von Gottfried

    Zitat

    Original von michel b.
    Der Bürger (egal ob arm oder reich) muss nicht wissen, was mit seinen Steuereinnahmen veranstaltet wird. Er muss sich nur an die bestehenden Gesetzte halten.
    Schon Jesus sagte: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist."

    Diese Obrigkeitshörigkeit teile ich bestimmt nicht. Natürlich muß "der Staat" Rechenschaft darüber ablegen, was er mit meinen Steuern macht (ja, ich zahle welche und das als Steuerberater!).


    @ Ronaldo

    Natürlich ist Betrug gleich Betrug. Aber soll der den ersten Stein werfen, der frei von Schuld ist. Am Stammtisch blieben bestimmt alle Steine liegen.

    Vermögensteuer? Wurde vorgeblich abgeschafft, wird aber per se durch die Erbschaftsteuer mehr als ersetzt.

    Bislang scheint ja eher die SPD zu profitieren in den Umfragewerten, wobei ich nicht nachvollziehen kann, wie eine Partei von solchen Dingen Zuwachs gewinnen soll. Außer eben der Pöbel am linken Rand, der ansonsten Schumachers Merchandising-Kasse vollmacht.

    Punkt 1 ist kein Nebenschauplatz, sondern eine Frage, die sich ein Rechtsstaat gefallen lassen muß. Und ein Staat muß sich auch immer wieder die Frage stellen, was er mit seinen Steuereinnahmen veranstaltet oder welchen Beitrag er dazu leistet, daß die Steuerehrlichkeit so stark angegriffen ist.

    Im übrigen vermutet man in Liechtenstein ja auch noch alte SED-Gelder, auf die die PDS großzügigerweise vertraglich gegenüber der Treuhand verzichtet hatte.

    [URL=http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,536522,00.html]Hier[/URL] findet sich dazu auch noch ein nachdenkenswerter Artikel. Das Problem ist ja aber, daß solche Überlegungen über mehr als zwei Ecken beim Stammtisch schon gar nicht mehr verstanden werden.

    Ein Steuerberater kann gar nicht genug verdienen :)

    Wenn man die Diskussionen verfolgt, die da sagen: Alles über 2 Mio € Einnahmen wird mit 80% wegbesteuert, dann ist das doch auch irgendwie eine boden- und anstandslose Frechheit.

    Wir finden es massiv scheiße, daß einer soviel bekommt. Aber wenn er es schon bekommt, dann soll er es auch größtenteils wieder dem Staat geben. Außer Neid kann ich dafür kein vernünftiges Argument finden. Wir ertappen einen Taschendieb und nehmen uns das gestohlene Geld anstatt es dem Eigentümer zurückzugeben.

    So sollte sich Oberbriefmarkenlutscher Bsirske auch mal fragen, ob seine Aussagen nicht ein wenig heuchlerisch sind, er würde in jedem Aufsichtsrat ja immer gegen die Erhöhung von Vorstandsbezügen stimmen. Er weiß doch, daß es nur symbolisch ist. Dann soll er wenigstens Rückrat zeigen und sich ganz aus dem Gremium zurückziehen.

    Im übrigen sollte man auch bedenken, daß gerade Organe der deutschen Rechtspflege noch am Wochenende laut getönt haben, eine Welle der Selbstanzeigen werde losbrechen.

    Fakt ist, daß es bislang wohl erst drei Fälle gibt.

    Vergessen sollte man allerdings auch nicht die Rolle von "Beratern", deren Name ich hier mal nicht nennen will, die es sich zur Spezialität gemacht haben, ihre Mandanten dahingehend zu "beraten", alles Geld nach Liechtenstein zu schaffen.

    Wenn ich dann lese und höre, daß Zumwinkels Kapitaleinkünfte wohl knapp über dem Sparerfreibetrag lagen, da kommen mir schon große Fragezeichen ins Gesicht - das dürfte dem Lord Vader auch nicht anders ergehen.

    Wie kann es denn passieren, daß ein Steuerpflichtiger durch den Verkauf von Kaufhäusern an REWE (oder so ähnlich) zweistellige Millionenbeträge kassiert und keine Kapitaleinkünfte erzielt von dem Veräußerungserlös. Das läßt sich nur damit erklären, daß andere Einkunftsquellen neu auftreten müssen (Kauf von Immobilien) oder eben Gelder doch ins Ausland gegangen sein müssen.

    Strafrechtlich dürfte dann aber die Frage bestehen, ob das zuständige Finanzamt dann so unwissend sein durfte. Das ist aber alles nur Spekulation meinerseits und vielleicht doch irgendwie zu erklären.

    Es ist schon ein wenig facettenreicher und mir geht das dumme Geschwätz von den Reichen auf die Nüsse, die nur Steuern hinterziehen.

    Wer will denn guten Gewissens behaupten, daß er noch nie einen km mehr dazu geschrieben hat bei den Fahrtkosten, seiner Steuererklärung einen dubiosen Beleg beigefügt hat, einem Handwerker Bargeld ohne Rechnung in die Hand gedrückt hat, um die Umsatzsteuer zu sparen?

    Wieso ist der Dumme ist denn immer der "arme kleine Mann"? Weil er nicht genügend in der Steuerprogression steckt, daß er ins Grübeln kommt, auch Steuern "zu sparen"?

    Vater Graf war damals dafür bekannt, daß er das Antrittsgeld seiner Tochter gerne mal in der Plastiktüte davon geschleppt hat. Dumm nur, daß das Finanzamt ja auch Zeitung lesen konnte und wußte, wo seine Tochter angetreten war. Ebby Thust hat es mit Saunaclubs übertrieben und - ironischerweise - Vater Graf wegen dessen Plastiktütengeschäften erpressen wollen. Beide sind ebenso aufgeflogen wie Beris Bocker, der nachweislich doch nicht in Monaco, sondern in München lebte.

    Es gibt durchaus Steuerfahnder in Deutschland, die sich in Luxemburg aufhalten und dort Kennzeichen vor Banken notieren. Der Zufall will es, daß man so ja auch immer mal nach dem Halter schauen kann. Genügend Dinge, von denen der Normalsterbliche nichts mitbekommt.

    Das mit der Folter im Falle Metzler kam mir auch so in den Sinn. Hätte damals ein Herrn Steinbrück gerufen "Ich hätte mal die Reaktion des Volkes hören wollen, wenn wir das nicht gemacht hätten." Ja, hätte man den Entführer damals gefoltert, dann hätte man den Jungen vielleicht retten können. Ich bin froh, daß es nicht so gekommen ist, obwohl der Stammtisch das uneingeschränkt bejaht hat.

    Aber dann stimmt mir der Maßstab nicht mehr. Ein Steuerhinterzieher - wenn er einer ist und nicht jeder, der eine Stiftung in Liechtenstein hat, muß per se einer sein, kann es aber natürlich - wird vom Staat durch eine Straftat aufgedeckt, davor ein Menschenleben zu retten schreckt man aber zurück?

    Was wir in letzter Zeit erleben ist natürlich das Gefühl, "die da oben" bescheißen "die da unten". Das hat aber auch damit zu tun, daß der fürsorgende Staat spätestens nach Schröder sich doch ein wenig aus der Fläche zurückgezogen hat und gerade die Menschen, um die er sich doch sehr fürsorglich gekümmert hat, müssen eher darum fürchten, irgendwie auf der Strecke zu bleiben. Das erklärt doch auch diese neue Partei der Enttäuschten und Auf-der-Strecke-Gebliebenen.

    Nichtsdesto trotz muß auch "der Staat", wie ihn der Bürger wahrnimmt, sich einmal Gedanken darum machen, wieso seine Abgabenquote eben nicht im gleichen Maße abnimmt, wie seine Leistungen abnehmen. Steuerhinterziehung gibt es nicht nur in Deutschland. Aber unrecht hat der Erbprinz von und zu Liechtenstein nicht, wenn er sagt, daß Deutschland erst einmal seine Hausaufgaben machen müsse.

    Trotz gegenteiliger Meinung des Stammtisches zahlen die 10% der Besserverdienenenden noch immer die Hälfte aller Steuern. Trotzdem viele andere Staaten die Erbschaftsteuer abschaffen, "reformiert" das deutsche Ministerialbeamtenkrebsgeschwür Richtlinien und Verordnungen, die wieder mehr Kapital ins Ausland treiben.

    Da kommt doch ein Fall Zumwinkel gerade mal recht. Der böse Manager, der Mindestlöhne fordert, der den hehren Unternehmensleiter gibt und der selbst Gelder ins Ausland schafft und hier verschweigt. Da kann man die öffentliche Meinung doch besser darauf hetzen als mal sein eigenes Handeln und Geldverschwenden zu verteidigen.