ZitatOriginal von Felix0711
Positiv betrachtet könnte er ein amerikanischer Sarkozy werden (den hat man ja zunächst kritisch gesehen, aber er macht gute Arbeit). Das horrende Wahlkampfbudget Obamas spricht dafür, dass er eine gewisse Lobby hinter sich hat. Fragt sich nur, welche und mit welchen Zielen.
Dahinter steckt weniger eine große Lobby als eine riesige Anzahl von Kleinspendern, die über Internet, Handy etc., also die neuen Medien geworben wurde.
Ich hatte gestern das große Glück, einem Vortrag von Alexander Niemetz beiwohnen zu können, der nicht nur ein großartiger Journalist, sondern natürlich auch ein Kenner der amerikanischen Verhältnisse ist.
Richtig ist der Ansatz, wie in Arcosh skizziert hat. Niemetz hat allerdings prophezeit, daß der schnelle Abzug aus dem Irak nicht kommen wird, nicht kommen kann und das das erste gebrochene Wahlversprechen von Obama sein wird. Das ist einfach noch das Erbe von Bush bzw. Rumsfeld, der glaubte, mit einer kleinen Armee den Irak "befrieden" zu können. Was auch immer das heißt. Jedenfalls herrscht erst jetzt mehr Ruhe, nachdem die Truppen aufgestockt wurden, aber die irakische Armee ist noch nicht in der Lage, die Situation alleine zu meistern. Das ist eine rein pragmatische Sichtweise. Natürlich ist Rumsfeld daran Schuld, daß so vieles so schief gelaufen ist.
Was Afghanistan betrifft: Da Obama den Isolationismus von Bush überwinden will und muß, wird er auch seine Verbündeten mehr einbinden. Sowohl strategisch als auch operational. Das kann nur mehr Soldaten für Deutschland bedeuten, davor darf man hier nicht die Augen verschließen. Auch hier kann nur eine größere Masse für Ruhe und Stabilität sorgen, so viel Stirnrunzeln das auch für uns bedeutet.
Ganz am Rande soll dabei auch einmal erwähnt werden, daß ein deutscher Sonderweg wie ihn am Horn von Afrika die Marine fährt, nicht mehr zeitgemäß ist.
Niemetz sprach von einer "Obamania", die hier in Deutschland herrscht. Ich denke, die Erwartungen, die an ihn von hier gestellt werden, sind ein wenig blauäugig und aus dem tiefen Riß begründet, den Bush und seine Falken hier hinterlassen haben, gerade im Verhältnis zu Europa. Ob es für Europa alles so blendend wird, muß man sehen. Ein schwaches Amerika konnte uns allen auch nicht recht sein, bei aller Häme für Bush. Ein starkes Amerika, das seine Partner wieder einbezieht, wird auch wieder mehr verlangen. Das muß man einfach wissen.
Was für uns in Deutschland sehr schön wäre, wäre eine Aufbruchstimmung, wie Obama sie erzeugt hat. Dort entstehen aus wirtschaftlichen Schieflagen und außenpolitischem Dilemma keine rückwärtsgewandten Linksparteien, sondern Leute, die wirklich von unten kommen, die politisch bislang Uninteressierte ansprechen, die die Jugend mitnehmen, die den politischen Gegner nicht ausgrenzen, die "für alle" da sein wollen. Das ist natürlich utopisch, aber man soll sich auch mal vor Augen führen, wer in Deutschland politische Macht besitzt.
Das sind verkrustete Strukuren. Parteien, die eher nach Seniorenkaffeefahrten aussehen, bei denen man sich hochschleimen muß und die Querdenkern doch keine richtige Chance geben und die nichts verändern können, weil ihnen die Zugkräfte fehlen.
"No we can not". Leider