Denjenigen, der von den Linken zur FDP wechselt, möchte ich mal kennenlernen. 
Zitat
Original von Lord Vader
Das ist eine mögliche Sicht der Dinge
Für mich sieht es so aus
Koch wollten weiterhin nur die "echten Schwarzen", daher dort kein Zuwachs
Die enttäuschten der Mitte haben sich von der SPD hälftig an Grüne und Besserverdienenden Partei orientiert, weil die Linke für sie nicht wählbar erscheint.
Ich schlließe mich dem Mit-Brot an. 
Ich habe noch schon oft die Mär gelesen, daß die FDP Ansichten vertrete, die zur Finanzkrise geführt hätten. Fakt ist, daß die Weichen für solchen Kapitalismus (ist es überhaupt noch Kapitalismus, oder einfach Schneeballismus) in den Zeiten einer rot-grünen Bundesregierung gestellt wurden.
Der gemeine Liberale, oder auch Besserverdienende, wie ich ihn kenne, hat auch erhebliche ethische Probleme mit den Vorgängen, die zur Finanzkrise geführt haben.
Verbriefte Rechte an überteuerten US-Immobilien, die mit der Hoffnung auf 80-fache Wertsteigerung derselben durch x-Hände gingen und dabei immer mehr wert wurden, bis sie irgendwann eben keinen Abnehmer mehr fanden, wodurch die Blase geplatzt ist.
Ist es nicht merkwürdig, daß sich in einem großen Maße daran auch bundesdeutsche Landesbanken beteiligt haben, deren Zweck doch ein ganz anderer sein sollte? Außer gescheiterten Landes- und Bundespolitiker ein eintragliches Gnadenbrot einzubringen natürlich...
"Heuschrecken" oder wie auch immer man diese "Eigenkapitalgeber" nennen mag, die sich als "Eigenkapitalnehmer" herausstellen, indem sie gesunde Unternehmen erwerben, den Kauf durch Schulden auf diese Unternehmen finanzieren, die vorher vorhandenen liquiden Mittel und dazu auch Teile dieser durch Schuldenaufnahme hereingekommenen Geldbestände als Dividende ausschütten.
Ja - das geht zu einem sehr großen Maß zu Lasten der jeweiligen Arbeitnehmer solcher Unternehmen! Und später auch irgendwann einmal zu Lasten der Kunden des Unternehmens, die dann feststellen, daß der böse Kostendruck des internationalen Wettbewerb, selbstverständlich auch die Globalisierung und die globale Erwärmung dazu führt, daß die Produkte nur noch aus Plastikteilen bestehen und nicht mehr aus solidem Keramik, um sich einen Badeinrichtungshersteller einmal herauszupicken.
Das hat für mich nichts mit liberaler Einstellung oder gar Wirtschaftspolitik zu tun, sondern einfach nur mit niederen Instinkten der Beteiligten. Ich bin grundsätzlich immer gegen staatliche Eingriffe, aber hier hätte man eingreifen müssen und nicht darauf pochen, der Markt regele das schon.
Es ist ein wenig zu kurz gesprungen, wenn nun SPD- oder CDU-Politiker, die die Regeln hätten ändern können, mit dem Finger auf eine Partei zeigen, deren vermeintliches Prinzip sie hier angewandt hätten "und nun schaut mal, daß Liberalismus nichts taugt". Das ist schon reichlich infam - wie derjenige, der auf eine öffentliche Toilette geht, leise furzt und vorwurfsvoll schnüffelnd seinen Nebenmann anschaut.
Das nur am Rande zu den nichthessischen Einflüssen dieser Wahl.
Mein Eindruck der Wahl ist eher der, daß der gemeine Hesse eben nicht die Mähr der Ypsitruppe aufgeschnappt hat, daß die FDP sich ihrer "staatsbürgerlichen Pflicht" einer Ampelkoalition versagt habe, wodurch sie erst in die Bredouille gekommen sei, mit den Linken koalieren bzw. sich den denen dulden lassen zu müssen. Denn die landespolitischen Ziele von FDP und den Teilen der SPD, die dort am Ruder waren (und noch immer sind, denn Sid Schäfer-Gümbel war einer der hauptsächlichen Macher im Hintergrund, wobei er sich in letzter Zeit davon wieder distanziert hat), waren zu 100% diametral. Da standen sich sogar die CDU und SPD näher.
Ein weiteres teilweise nichthessisches Faktum ist für mich die Tatsache, daß sich der gemeine Hesse, wohl aber auch der gemeine Deutsche, von der ehemaligen eher wirtschaftsgfreundlichen CDU nicht mehr vertreten fühlt. Man mag von ihm halten, was man will, aber wenn ein Friedrich Merz und andere wirtschaftspolitische Sprecher so ausgebremst werden und nun das Handtuch hinwerfen, dann treibt man dieses Klientel eben zur FDP.
Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, daß in der letzten Zeit die politische Diskussion immer mehr beherrscht wurde von sozialem Dies und Das. Am sinnbildlichsten dafür steht doch die Aussage, die Konjunktur ließe sich über die Einkommensteuer kaum ankurbeln, denn 50% der Leute zahlen ja keine. Wenn aber 50% keine Steuern zahlen und - wie der Stammtisch es ja meint - "der Reiche auch nicht" - wer denn dann?
Die FDP zieht eben solche Leute des Mittelstands an, die in dieser Interpretationsfalle sitzen. Was hier in der Finanzkrise alles falsch gelaufen ist, ist aber bestimmt nicht im Mittelstand entstanden.
Im übrigen bin ich auch für strenge Managerhaftung und ein strikter Gegner von Versicherungen, die die Konzerne für die Haftung ihrer Manager bezahlen (müssen). Das ist nichts anderes als Vollkaskomentalität auf höchster Ebene, hat aber mit Hessen nichts zu tun.
Schäfer-Gümbel - das noch als letztes hessisches Faktum - hat sich früh als Bayern Münschen-Fan geoutet. Das hat ihm sicherlich den Rest zu den 25% gekostet. 