Europacup und Fragen über die Zukunft
Den Trübsinn über den unglücklichen Punktverlust gegen die SG Wallau-Massenheim muss der Tusem schleunigst verdrängen, denn am Freitag braucht er einen klaren Kopf für die schwere Aufgabe im Europapokal gegen Redbergslids Göteborg in der Arena Oberhausen (20 Uhr).
Der internationale Auftritt ist stets eine gute Gelegenheit, im Gespräch zu bleiben. Ein Erfolg dort fördert das Prestige, und eine Aufwertung kann der Tusem immer gebrauchen, um Fans zu locken und Werbepartner zu gewinnen. Kurzum: Mit Erfolg lässt es sich leichter leben im Profi-Geschäft, das mittlerweile viele Tücken hat.
So hat am vergangenen Sonntag die plötzliche Kritik von Georg Weiner, dem Firmen-Präsident des Hauptsponsors Weinerplan, nicht nur irritiert, sondern auch einige Fragen aufgeworfen. Die "Süddeutsche Zeitung" jedenfalls beschreibt, wie Weiner in der Pressekonferenz coram publico sozusagen Tusem-Trainer Iouri Chevtsov heruntergeputzt habe und suggeriert hernach, dass Trainer Chevtsov und der Tusem nicht mehr glücklich miteinander seien.
Dem widersprechen beide Seiten. Gleichwohl hat Chevtsov schon vor Ligastart von einem "Jahr der Entscheidung" gesprochen und bekräftigt diese These aus aktuellem Anlass: "Ich würde gern beim Tusem bleiben, aber ich brauche Klarheit, wie die Mannschaft in Zukunft aussehen wird." Dabei soll bis Dezember die Entscheidung fallen, die aus seiner Sicht überhaupt nicht davon abhängt, ob Essen mittelfristig um den Titel spielen kann. "Ich würde auch mit jungen Spielern um den Klassenerhalt kämpfen. Aber ich will nicht auf der Stelle treten. Ich lebe mit dem Handball, die Arbeit muss Spaß machen. Und den bringt vor allem eine neue Herausforderung."
Für Klaus Schorn, dem 70-jährigen Chef des Handball-Bundesligisten, drängt die Frage der Vertragsverlängerung nicht. Schon gar nicht wolle er sich von Spielern, Trainer oder deren Vermittlern unter Druck setzen lassen: "Der Ball fliegt doch erst seit zwei Monaten wieder, wir sind gerade mal im ersten Drittel." Die erforderlichen Gespräche werde er aber "zeitnah" führen. Wobei sich das Thema nicht so leicht fassen lässt. "Schließlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen", sagt Schorn, der sich wegen akuter Geldnot zuletzt mächtig strecken musste, um einen soliden Etat und ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen.
Im Rohtext liest es sich so: Wieviel Geld steht zur Verfügung? Wer bleibt zu welchen Konditionen? Erst dann lässt sich der Anspruch formulieren. Am Ende der Spielzeit laufen auch die Verträge von Torgovanov, Sigurdsson, Hannawald, Schmetz, Roggisch und Szilagyi aus. "Ich habe bereits gute Angebote von anderen Vereinen", gesteht Kapitän Dimitri Torgovanov, der wie Chevtsov im vierten Jahr auf der Margarethenhöhe arbeitet. Auch er wünscht sich über seine Zukunft Klarheit bis Dezember. Nur soviel: "Ich fühle mich in Essen wohl, wir haben eine gute Mannschaft. Da fehlen nur Kleinigkeiten, um ganz oben mitzuspielen."
Dass es noch nicht rund laufe, sei doch normal. "Wir haben drei neue Leute im Rückraum, das dauert ein bisschen, das müssen wir während der Saison aufholen." Gegen Wallau habe vor allem die Cleverness gefehlt.
Aber über die Zukunft, unterbricht der Kapitän, über Angebote und Nachfrage sei jetzt nicht die Zeit, sich zu unterhalten. "Was zählt, ist nur unser Spiel am Freitag gegen Göteborg." Ob der Abwehrchef und Kreisläufer in der Arena Oberhausen auflaufen wird, ist fraglich. "Es könnte besser sein", beantwortet der verletzte Torgovanov (Zerrung und Prellung im Oberschenkel) die Frage nach seinem Befinden. "Normalerweise brauche ich zehn Tage Pause, doch das geht ja nicht." Wie soll es Freitag gehen? Darauf hat der Kämpe eine lapidare Anwort: "Spritzen, tapen und auf nach vorn."
03.11.2004 Von Rolf Hantel
Die Saison hatte so gut und ruhig angefangen. Für mich klingt es so, als mache sich der Tusem jetzt selber Druck den man nicht braucht oder aber, es wurde alles etwas zu gut gesehen und geredet. Der Trainer steht in der Kritik des Sponsors und Verträger vieler Leistungsträger stehen zur Verlängerung an. Der Tusem muß jetzt klären, wie es mit ihm weiter geht. Entweder man setzt alles in Bewegung die Truppe zu erhalten und oben die Finger im Spiel zu haben oder man läßt einen teil der -sicher sehr teuren- Leistungsträger ziehen und versucht mit jungen Leuten sein Glück.
Ich bin froh, diese Entscheidung nicht treffen zu müssen!!!