Hier mal ein Spielbericht:
Bravo, Tusem! Finale erreicht
EUROPAPOKAL / Freude getrübt durch schwere Schulterverletzung von Torgovanov. Endspiele am 30. April und 7. Mai.
Bravo, Tusem! Zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte zog der Essener Handball-Bundesligist in ein Europapokal-Finale ein. Nach dem grandiosen 31:23 vor einer Woche in Essen gab es zwar gestern Mittag in der ausverkauften Spartak-Halle von Astrachan gegen Dynamo mit 25:26 (12:9) eine Niederlage, aber die konnten den Essenern nichts anhaben.
Marschroute durchgezogen
Getrübt wurde die Freude über den Finaleinzug gegen Magdeburg durch die schwere Schulterverletzung, die sich Pino Torgovanov drei Minuten vor Schluss nach einem überragenden Spiel und sechs Toren zugezogen hat.
Tusem-Trainer Iouri Chevtsov konnte mit der Leistung seiner Mannschaft sehr zufrieden sein, die lange Zeit kühlen Kopf bewahrt hatte, souverän die Marschroute durchgezogen hatte, aber im Zeichen des sicheren Sieges bei einem Vorsprung von fünf Toren (20:15) einen Gang zurückgeschaltet.
Das hohe Tempo forderte seinen Tribut. Schon am Mittwoch wartet wieder der Bundesliga-Alltag. Dann kommt Absteiger Schwerin in den Sportpark Am Hallo (19.30 Uhr). Mit einem Einsatz von Torgovanov ist wohl kaum zu rechnen.
Brot und Salz gab es von zwei bildschönen Mädchen in Tracht vor dem Spiel für Essens Kapitän Pino Torgovanov. Danach war es mit den Gastgeschenken aber endgültig vorbei. Astrachan setzte voll auf Tempo, biss sich aber an Tusem-Torhüter Chrischa Hannawald die Zähne aus.
Die Sturm- und Drangphase dauerte genau eine Viertelstunde, dann übernahm der Gast aus dem Revier erstmals die Führung in der ausverkauften Spartak-Halle. Die Essener hielten sich strikt an ihre taktische Linie. Jederzeit waren sie in der Lage, hohes Tempo zu gehen, und behielten doch einen kühlen Kopf.
Velyky und Torgovanov, die nicht zum ersten Mal in Astrachan gastierten, garantierten mit ihren geradezu akrobatischen Einlagen, dass die Essener glänzend aussahen. Der russische Nationalspieler Torgovanov brachte den Gast in der 20. Minute zum ersten Mal mit drei Tore in Führung (10:7). Und das, obwohl um ihn herum heftiges Gerangel herrschte.
Mit ihrer Kulisse im Rücken, die den Betonbau zum "Klingeln" brachte, packte Astrachan entschlossen zu. Doch davon blieb der Tusem unbeeindruckt. Er wurde immer sicherer und Dynamo immer unsicherer.
Alle Auswechselungen bei Dynamo brachten nicht den gewünschte Effekt. Das lag an der hervorragenden Abwehr der Essener, die wie schon im Hinspiel einen souveränen Job machte und an Chrischa Hannawald, der sich vor dem Anpfiff mit seiner Musik über Kopfhörer so richtig heiß gemacht hatte.
Außer den jugendlichen Fans, die mit Trommeln, Rassel und Kriegsbemalung unterhalb der Anzeigentafel für Alarm sorgten, blieb die übrige Kulisse eher zurückhaltend. Auch sie musste die Überlegenheit der Gäste aus dem Revier anerkennen.
Heimnimbus gewahrt
Nichts zu sehen war von dem Sponsor des russischen Vize-Meisters, Ölmillionär Ralif Sadin, der den Klub mit einem Etat von 900 000 Dollar ein sorgenfreies Leben sichert. Spielergehälter von 3000 Euro pro Monat sorgen dafür, dass erst gar keine Abwanderungsgedanken aufkommen. Zum Vergleich: ein Arzt oder Anwalt verdient gerade mal 100 Euro.
Nach dem Wechsel konnte der Tusem seinen Vorsprung auf fünf Treffer ausbauen (17:12). Doch auf der sicheren Seite waren die Essener damit nicht. Denn Astrachan setzte alles daran, den Heimnimbus zu wahren. Im Endspurt eroberte sich der Hausherr die Führung zurück durch einen Siebenmeter, den Miagkov sicher verwandelte zum 25:24.
In der Schlussoffensive ging Mario Kelentric ins Essener Tor, in dem Hannawald lange Zeit souverän agiert hatte. Doch die eigene Fehlerquote im Angriff verhinderte, dass der Tusem als einzige deutsche Mannschaft in Astrachan einen Europapokalsieg einfahren konnte.
Drei vergebene Siebenmeter waren aber letztlich kein Beinbruch, obwohl sich Tusem-Trainer Iouri Chevstov doch ärgerte, in der Spartak-Halle nicht als Sieger vom Platz gegangen zu sein.
Schrecksekunden mussten die Essener drei Minuten vor dem Abpfiff erleben, als sich Pino Torgovanov mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem gelben Hallenboden wälzte nach einen Zusammenstoß mit Serikov. Die ohnehin lädierte Schulter hatte es schon wieder erwischt.
Tusem-Tore: Velyky (7), Szilagyi (6/1), Torgovanov (6), Schmetz (2/1), Sigurdsson (2), Rose (1/1), Casanova (1).
10.04.2005 SABINE HANNEN