23.09.2006 - Timo Hölscher - http://www.hbvf.de
Göppingen holt ersten Saisonsieg und stürzt Buxtehude tiefer in die Krise
Riesenjubel bei den Frauen von Frisch Auf Göppingen! Der Aufsteiger fuhr heute durch einen verdienten 31:29 (14:14)-Erfolg beim Buxtehuder SV den ersten Saisonsieg ein. Vor 1.000 Zuschauern ragten bei den Gästen aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung Spielmacherin Jessica Schulz (10 Tore) und Torfrau Mami Tanaka (17 Paraden) heraus. Buxtehude rutschte dagegen nach einer erneut enttäuschenden Vorstellung vorübergehend auf den letzten Tabellenplatz ab.
Beim Gastgeber, der mit großen Personalproblemen in die Partie gegangen war, erhielt Joana Kern den Vorzug gegenüber der zuletzt formschwachen Natascha Kotenko im Rückraum. Buxtehude begann stark und nutzte anfangs Lücken in der Göppinger Deckung gekonnt aus. Nach acht Minuten lag der BSV somit standesgemäß mit 6:2 vorn. Doch anschließend machte sich bei der Mannschaft von Trainerin Heike Axmann wie in den vorangegangenen Partien wieder Unsicherheit breit und die Gäste fanden zunehmend besser ins Spiel. Auf der einen Seite fehlten nun die Ideen im Angriff, während bei Frisch Auf Schulz immer wieder erfolgreich die Kreisläuferinnen in Szene setzte.
In der zwölften Minute verkürzte der Gast so auf 6:5, in der 19. Minute gelang Christiane Haas durch einen Tempogegenstoßtreffer schließlich das Ausgleichstor zum 9:9. Buxtehude probierte es nun mit Kotenko für die angeschlagene Kern im Rückraum, und Melanie Lorenz ersetzte die ebenfalls gehandikapte Christina Vogt am Kreis. Die Partie verlief spannend bis zur Pause, jedoch auf unterem Bundesliganiveau. Einige sehenswerte Treffer für die Gäste erzielte Rechtsaußen Verena Breidert im ersten Durchgang. In der 27. Minute lagen die Süddeutschen erstmalig beim 12:14 mit zwei Treffern vorn, doch Buxtehude gelang zumindest noch das Remis zum 14:14 zur Pause.
Nach dem Seitenwechsel kam Buxtehude zunächst besser zurecht und führte mit zwei Treffern. Doch die Drucklosigkeit im Angriff setzte sich weiter fort, außerdem stand die Deckung zu passiv, so dass die Gäste leichtes Spiel hatten und durch einen Treffer von Linkshänderin Simona Munteanu in der 37. Minute mit 18:17 in Führung gingen. Axmann reagierte und brachte Anja Reiner für Anna Szymanska, doch beide Torhüterinnen hatten heute nicht ihren besten Tag erwischt. Deutlich besser machte es da schon die 26-malige japanische Nationalspielerin im Tor von Göppingen. Tanaka parierte insgesamt 17 Würfe, elf davon im zweiten Durchgang. Auch die Rote Karte nach dreimaliger Zeitstrafe gegen Alena Vojtiskova in der 45. Minute schwächte den Aufsteiger nicht, der bis zum Ende die Führung nicht mehr hergab.
Göppingen merkte man mit zunehmender Spieldauer das Selbstvertrauen an nach dem Punktgewinn unter der Woche bei der TSG Ketsch. In der heutigen Form hat Göppingen sicher nichts mit dem Abstieg zu tun. Bei Buxtehude, das dank der Tore von Aleksandra Pawelska und Kotenko nach der Pause zumindest den Anschluss hielt und wenigstens kämpfte, brechen dagegen nach der vierten Niederlage hintereinander schwierige Zeiten an. Die Mannschaft muss nun ein Zeichen setzen, dass sie zu mehr in der Lage ist, als sie derzeit zeigt. Was sie kann, haben die Fans beim eindrucksvollen Sieg gegen den Thüringer HC gesehen.
„Mannschaft völlig verunsichert“ – „Auswärtssieg, Auswärtssieg“
Nach dem Abpfiff der nicht immer sichereren Unparteiischen Schulze, Tönnies herrschte auf der einen Seite große Enttäuschung, während sich die Gäste ausgiebig über ihren dritten Auswärtspunkt freuten. Göppingens Spielerinnen tanzten im Kreis und sangen „Auswärtssieg, Auswärtssieg“. Bei einigen BSV-Akteurinnen flossen dagegen viele Tränen und Manager Peter Prior fand bei der anschließenden Pressekonferenz deutliche Worte, indem er von einer „völlig verunsicherten BSV-Mannschaft“ sprach, die jetzt „vier ganz herbe Niederlagen“ habe einstecken müssen. Dennoch registrierte er auch, dass seine Mannschaft gekämpft habe und dass „wir aus der Sch. wieder rauskommen.“ In der Bundesliga heißen die nächsten Gegner von Buxtehude Leipzig, Frankfurt und Nürnberg.
Trainerstimmen nach der Partie:
Heike Axmann, Buxtehuder SV:
Unsere Mannschaft ist verunsichert, sie kommt aber weiter Stück für Stück vorwärts. In der Abwehr haben wir heute aggressiv agiert und gut gestanden. Für die Zukunft müssen wir einfach daran glauben, dass wir eine bessere Leistung bringen können.
Olaf Schimpf, Frisch Auf Göppingen:
Wir freuen uns riesig über diesen Sieg. Nachdem wir in den ersten drei Saisonspielen nicht reingekommen waren, hatte die Mannschaft in Ketsch bereits Selbstvertrauen gewonnen. In Buxtehude wird es nicht mehr viele Teams geben, die hier gewinnen.