Jutta Ehrmann und Susanne Künzig, die beiden an diesem Abend stark geforderten Schiedsrichterinnen aus Odenthal und Karlsruhe, hatten den darauffolgenden Freiwurf der Gäste eine Sekunde vor Schluss zwar ausführen lassen, die Partie aber beendet, noch ehe die Göppinger zum Abschluss kamen. Da brannten bei Bruno Souza alle Sicherungen durch. Der Brasilianer schlug im allgemeinen Getümmel nach Spielende einen HSG-Ordner nieder, was dieser nicht auf sich sitzen ließ. "Ich habe bei der Polizei Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt", erklärte der 43-Jährige gestern. Nach Darstellung des Malermeisters sei es zwar nach dem Match zu einem verbalen Geplänkel zwischen ihm und Souza gekommen, "was jedoch noch längst nicht rechtfertigt, geschlagen zu werden." Mit einem Hieb an das Jochbein und einem weiteren auf die Schulter sei Schneider zu Boden gegangen. Dort wurde er einige Minuten behandelt. "Souza hat übel zugeschlagen. Einen 110-Kilo-Mann wie mich haut so leicht keiner um."
Mann vom Zuckerhut ein Wiederholungstäter
Der Vorfall wurde von den HSG-Verantwortlichen im Spielbericht mit den Worten "bei einem Gerangel zu Boden gestoßen" vermerkt, was Gästecoach Christian Fitzek übel aufstieß. "Wenn ihr uns etwas anhängen wollt, dann habe ich hier nichts mehr zu sagen", verließ der ehemalige Klasse-Kreisläufer wutentbrannt die Pressekonferenz - wohl wissend, dass Bruno Souza ein Wiederholungstäter ist. Denn schon am 13. April vergangenen Jahres, beim 28:26-Erfolg der Grün-Weißen in der Hohenstaufenhalle, rastete der Mann vom Zuckerhut aus. Erst ging der 25-Jährige auf HSG-Urgestein Wolfgang Klimpke los, im anschließenden Handgemenge Schiedsrichter Hagen Becker aus Halberstadt zu Boden. Damals atmete Fitzek tief durch und bedankte sich bei den HSG-Verantwortlichen, dass diese Ruhe bewahrt und von Maßnahmen gegen den hitzigen Brasilianer abgesehen hatten. "Irgendwann aber ist Schluss, wir helfen Göppingen nicht jedes Jahr", stellte Dotzauer am Sonntagabend klar, ließ eine Stunde später jedoch noch einmal Gnade vor Recht ergehen und den Eintrag im Spielbericht in Absprache mit den Schiedsrichterinnen leicht abschwächen. "Wir wissen, wie hart es ist, einen Spieler aus dem Verkehr gezogen zu bekommen", erinnerte der ausgefuchste HSG-Macher an die vergleichsweise harmlosen Geschehnisse rund um die Sperre für Gennadij Chalepo. "So etwas wünschen wir unserem ärgsten Feind nicht."