In der Schweiz ist die Lage ähnlich schlimm wie in Österreich. Dort gibt es keine sportlichen Auf- und Absteiger, sondern nur noch finanzielle. In den ersten beiden Ligen stehen über die Hälfte der Clubs vor der Pleite.
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von http://www.sportzeitung.at/Archiv/2002/Nummer182002/tirol.htm :
Servette Genf war eine der Sensationsmannschaften dieser UEFA-Cupsaison. Nach Siegen über Real Saragossa und Hertha BSC Berlin war für die Schweizer erst im Achtelfinale bei Valencia Endstation. Zwei Monate später droht dem Traditionsklub ein noch viel schlimmeres Aus – jenes in der Schweizer Nationalliga A. In erster Instanz erhielten die Genfer jedenfalls keine Lizenz, weil sie ausgewiesene Schulden in der Höhe von 1,8 Millionen Franken (rund 1,1 Mio. Euro) haben. Für österreichische Verhältnisse eine Lappalie...
Schuld an der Pleite ist ein Klubmiteigentümer, der französische Pay-TV-Sender Canal plus, der in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten steckt.
13 von 24 Klubs pleite. Die Krise von Servette Genf ist jedoch nur eine von vielen im seit Jahren krachenden Schweizer Fußball. Anfang April trat Charles Berney, Vizepräsident der Liga, nach der ersten Lizenzierungsrunde verdattert an die Öffentlichkeit: „Ich bin jetzt schon 20 Jahre in diesem Job, aber das habe ich noch nie erlebt. Wenn bis zum Saisonende kein Wunder geschieht, können wir uns in der nächsten Saison auf eine Fünferliga gefasst machen.“ Und das war nicht einmal übertrieben. 13 der 24 Klubs der beiden höchsten Spielklassen droht der Lizenzentzug. „Diese Situation hätte man vermeiden können“, brummte Breney.
Tatsächlich waren schon in den letzten Jahren immer wieder Klubs gefährdet, im Vorjahr Sion, Lausanne und Luzern. Immer wieder hat man ein Auge zugedrückt. Und heuer ist die Lage eskaliert.
Sions Exodus. Der FC Sion etwa startete wegen Lizenzverfehlungen mit sieben Punkten Rückstand in die Saison. Den Wallisern gelang es aber, auf dem Gerichtsweg die Punkte zurück zu gewinnen. Überraschenderweise gelang es ihnen, in die Meister-Play-Off zu kommen. Aber im Winter brachen alle Dämme. Die meisten Spieler verließen den Klub, weil sie meist vergebens auf ihre Gagen warteten. Im Frühjahr fuhr der FC Sion erst am vergangenen Wochenende im zwölften Spiel den ersten Punkt ein.
Ein Mann aus Kamerun (!) hatte sich in Sion zum Präsident küren lassen, mit dem Hintergedanken, so leichter Kamerun-Kicker in den Schweizer Fußball schleusen zu können...
Tod des Lugano-Präsidenten. Noch drastischer ist die Sache in Lugano. Dass der FCL auf Vizemeisterkurs liegt, grenzt nach dem Vorgefallenen an ein Wunder. Anfang April wurde Klub-Präsident Helios Jermini tot im Luganersee gefunden. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur den Todesfall, sondern auch die finanziellen Machenschaften Jerminis im Zusammenhang mit dem Klub, der mit rund 11 Millionen Euro verschuldet ist. Die Liga hatte ihn mit einem Minus von sieben Millionen Euro in die Saison starten lassen.
Jetzt sind die Spielerpässe beschlagnahmt, um damit zu verhindern, dass der Klub die Spieler verkauft, ohne die Einnahmen in die Schuldentilgung fließen zu lassen.