Zitat
Original von Wieland
Dass als Reaktion die deutschen Protestbürger ihre Tibetfahnen am Auto nicht gegen georgische Fahnen umgetauscht haben, sagt eigentlich alles über diesen abendländischen Kulturchauvinismus.
Wenn schon, dann südossetische Flaggen. Georgien ist nun wahrlich nicht das Unschuldslamm in diesem Konflikt. Wobei das aktuelle Eindreschen auf Rußland schon ein wenig an die Einseitigkeit der Berichterstattung zu Tibet erinnert. Es fehlt halt nur so eine charismatische Lichtgestalt wie der Dalai Lama, ansonsten könnten wir wahrscheinlich auch entsprechende Fahnen an deutschen Autos bewundern. Aber man muß gar nicht bis nach Georgien gehen. Nur bis nach Xinjiang zu den Uiguren, denen anscheinend auch eine solche Symbolfigur fehlt, da sich für deren Unterdrückung keine Sau interessiert.
Was die Spiele anbelangt, so hege ich eine ziemlich kritische Meinung. Trotz aller Einseitigkeit seitens der westlichen Medien lassen sich die Schattenseiten der Olympiade doch nicht leugnen. "Die Menschen haben die Spiele verdient." Schöner Satz, die Frage ist nur, wieviel die Menschen letztendlich von den Spielen haben. Zwangsumsiedlungen und die verschärfte Verfolgung nicht systemkonformer Aktivitäten haben sie jedenfalls nicht verdient. Ob die Spiele tatsächlich zu einer weiteren Öffnung des Landes führen werden, bleibt abzuwarten. Den Bombast der Eröffnungs- und Abschlußzeremonien konnte ich jedenfalls nicht ertragen. Wie Regisseur Zhang Yimou selbst im Interview trefflich bemerkt, können das nur die Nordkoreaner noch besser. Andererseits gab es in China natürlich schon wesentlich schlimmere Zeiten, die positiven Entwicklungen sollte man nicht ignorieren, und auch anderswo sieht es um die Menschenrechte nicht unbedingt rosig aus (hallo George W.!).