"Hoeneß zitiert Kahn zum Rapport
Bayern-Manager Uli Hoeneß holte Oliver Kahn im Juli 1994 nach München
München - Nach seinem erneuten "Ausraster" im Spitzenspiel beim SV Werder Bremen hat Oliver Kahn zwar keine Konsequenzen seitens der Deutschen Fußball-Liga zu befürchten, doch der Bayern-Torwart wird sich erklären müssen.
"Kahn hat total überreagiert", sagt Bayern-Manager Uli Hoeneß in der "Bild". "Es hätte Freistoß gegen uns und dadurch ein Problem für die Mannschaft geben können. Deshalb werde ich auch noch mit ihm darüber reden."
Rückendeckung von Klinsmann
Zeit dazu hat er, denn die Länderspielreise zum Test im Iran findet ohne ihn statt. Bundestrainer Jürgen Klinsmann nahm Kahn derweil in Schutz: "Oliver ist eine Persönlichkeit für sich. Er hat seine eigene Art und sein eigenes Spannungsfeld, deshalb ist er auch ein einzigartiger Spieler", sagte er beim Zusammentreffen der Nationalmannschaft am Dienstag in München.
Man müsse "die Jungs so nehmen, wie sie sind. Ich hab' auch mal gegen die Tonne getreten."
Ärger beim SV Werder
Rückblick: Nach einem harmlosen Luftduell mit Miroslav Klose war Kahn am Samstag auf den Werder-Stürmer zu gerannt, hatte in angebrüllt und den Zeigefinger gegen in die Nase gedrückt. "So eine Aktion ist überhaupt nicht zu akzeptieren. Das gehört nicht auf den Platz", machte Werder-Trainer Thomas Schaaf seinem Unmut im DSF-Doppelpass Luft.
Schiedsrichter Herbert Fandel hatte weder Kahns Attacke, noch die Tatsache, dass der Nationaltorhüter den Ball zwölf Sekunden lang in den Händen gehalten hatte, geahndet.
Bonus für Nationalspieler?
"Der Olli darf wohl alles", wunderte sich Klose. Und auch Harald Schumacher vermutet eine Sonderbehandlung des Bayern-Schlussmannes: "Olli kann anscheinend machen, was er will", sagt der ehemalige Nationalkeeper.
"Der Olli ist eben so, das ist seine Art", meint DSF-Experte Udo Lattek. "Nationalspieler haben halt einen Bonus."
Dass bei Kahn die Dinge nicht so geahndet werden wie bei anderen Akteuren, glaubt auch Klaus Allofs: "Ein Ailton bekommt für zwei "Wischer" durchs Gesicht vier Wochen Sperre", sieht Bremens Sportdirektor eine Ungleichbehandlung.
Nicht das erste Mal
"Von einem Bonus für Kahn würde ich nicht sprechen", erklärt Manfred Amerell, Sprecher der Bundesliga-Schiedsrichter, bei Sport1. "Man muss die Szene isoliert von seinen bisherigen Ausrastern sehen und den Einzelfall beurteilen."
In der Vergangenheit hatte Kahn mit seinem "Karate-Sprung" gegen Dortmunds Chapuisat, seiner "Ohr-Attacke" gegen BVB-Stürmer Herrlich, und zuletzt mit seinem "Karnickel-Fang-Griff" gegen den Ex-Leverkusener Brdaric für Furore gesorgt " ohne Konsequenzen. Lediglich nach einer Rangelei mit 1860-Stürmer Bodden sah der "Titan die Rote Karte".
"Er ist nicht zu kontrollieren. Und die Schiris haben alle Schiss vor ihm", glaubt Brdaric. "Das Problem ist, dass ihm keiner Grenzen aufzeigt", findet Schumacher, der in seiner aktiven Zeit ebenfalls kein Kind von Traurigkeit war.
Überraschungsmoment als Vorteil
Kahns "Vorteil": Niemand rechnet mit seinen Aktionen: "Das, was am Samstag passiert ist, ist bei Oliver Kahn häufiger vorgekommen, dass er den Schiedsrichter mit etwas völlig Ungewöhnlichem konfrontiert", meint Hellmut Krug, seinerzeit Unparteiischer bei Kahns "Angriff" auf Brdaric, in der DSF-Sendung "Bundesliga Aktuell".
"Die Öffentlichkeit will, dass Oliver Kahn irgendwann dafür bestraft wird, was er in der Vergangenheit getan hat", so Krug weiter. Kahns Aktionen müssten bei Bayern "intern zu Diskussionen führen", findet Amerell.
"Mit Breitner hätte er das nicht gemacht"
"Man kennt das ja, dass er ab und zu solche Situationen hat, der Herr Kahn", meint sein Nationalmannschaftskollege Frank Fahrenhorst.
"Kahn übertreibt", sagt auch Toni Polster. "Und er geht nur an Leute, von denen er keine Gegenwehr zu erwarten hat. Mit Breitner oder Matthäus hätte er das nicht gemacht", glaubt der Ex-Profi.
Und auch ein Uli Hoeneß wird nicht mit sich spaßen lassen...
Thorsten Mesch"
Quelle: Sport1
Toll, daß unser neuer Nationalhampelmann dieses Verhalten auch noch gutheißt. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, daß Herr Klinsmann für den Kahn in der Nationalelf eine wirkliche Autoritätsperson darstellt...