Lemgo (fab). Was für eine Dramatik bei Lemgos letztem "Gast"-Spiel in Halle gegen den VfL Gummersbach: Drei Minuten vor Spielende lag der TBV noch hoffnungslos mit drei Treffern hinten, ehe das Unmögliche möglich gemacht wurde und doch noch ein Punkt für die Mudrow-Mannen heraussprang. Die Versöhnung mit den Fans ist wiederhergestellt, dieses Finale Furioso hat für so manches entschädigt!
Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Spielerische weiterhin ziemlich im Argen lag. Lemgo kam teilweise überhaupt nicht mit den verschiedenen Gummersbacher Abwehr-Systemen zurecht. Mal wurde defensiv, mal offensiv 6:0, häufig gar 4:2 gedeckt. "Da haben sich unsere Spieler zu wenig ohne Ball bewegt", bemängelt TBV-Geschäftsführer Volker Zerbe, bei dem nach dem Match jedoch das Positive überwog: "Man muss lobend erwähnen, dass gemeinschaftlich aufgetreten wurde, das war ein positives Signal." Gejubelt haben die Lemgoer nach Spielende jedenfalls, als wenn sie die Partie für sich entschieden hätten. Wen wundert´s, traf Martin Strobel doch mit der Schlusssirene zum 26:26-Unentschieden, nachdem zuvor erst Mark Schmetz und dann von der Marke aus Mimi Kraus auf 25:26 verkürzt hatten. Insgesamt gesehen sahen die gut 7500 Zuschauer im Gerry-Weber-Stadion ein doch schwächeres Bundesligaspiel, das vor allem von der Spannung lebte. Bei den Lemgoern ragten Martin Strobel auf der Spielmacherposition, der wie immer vorbildlich kämpfende Daniel Kubes auf Halblinks sowie der wegen seiner Verletzung lediglich in der Abwehr eingesetzte Ferenc Ilyes heraus. Einen ganz schwachen Tag erwischte hingegen Florian Kehrmann, dem das Pech im Abschluss an der Hand klebte, eine Fahrkarte nach der anderen warf.
Zwar hat der TBV die Chance vertan, vorübergehend Platz 3 der Tabelle einzunehmen, ist sogar auf Rang 6 abgerutscht, dennoch spielen die Hansestädter weiterhin um den Champions-League-Platz mit. Bis auf die Rhein-Neckar Löwen, die diesen Platz inne haben, ist es nur ein mageres Pünktchen. Damit das so bleibt, muss am morgigen Freitagabend, Anwurf: 19.45 Uhr, beim Auswärtsspiel in Minden unbedingt ein Sieg her. Doch aufgepasst: GWD hat sich mit dem ungarischen Nationalspieler Barna Putics verstärkt, der zwar zuletzt bei der Auswärtsniederlage in Burgdorf noch blass blieb, bei seinem ersten Auftritt vor heimischem Publikum in der Kampa-Halle aber bestimmt zeigen will, was er drauf hat. Bislang weiß beim morgigen Gastgeber allerdings nur Aljoscha Schmidt zu überzeugen, der in 13 Spielen bereits 72mal eingeklinkt hat. Seine Mitspieler sind ihre Bundesligatauglichkeit im ersten Drittel der Saison noch schuldig geblieben. Fünf magere Pluspunkte stehen für die Mannschaft von Richard Ratka zu Buche. "Minden hätte aber schon mehr Punkte holen können, haben oft zwei, dreimal unglücklich verloren", weiß Zerbe. So wie zuletzt in Burgdorf oder auch beim starken Auftritt in Gummersbach, wo nur knapp mit 29:31 verloren wurde. Das beste Resultat sprang für die Grün-Weißen in Großwallstadt heraus, als die Punkte beim 25:25-Remis geteilt wurden. "Wir müssen aus einer starken Abwehr heraus spielen, Minden spielt einen guten Ball, das wird ein schweres Spiel", so Zerbe abschließend, der sich in den kommenden Tagen in Sachen Vertragsverlängerungen äußern will, zumal nach dieser Spielzeit die Verträge von Lichtlein, Preiß, Geirsson, Svavarsson und Schmetz auslaufen. Auffällig, dass mit Preiß und Svavarsson gleich beide Kreisläuferverträge auslaufen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Gummersbachs Kreisläufer Robert Gunnarsson zum TBV stoßen könnte. Allerdings seien an ihm auch die Rhein-Neckar Löwen dran, bei denen der Vertrag mit Andrej Klimovets alterbedingt sicherlich nicht verlängert wird. Und in Geldfragen kann Lemgo wohl nur schwerlich mit den "gefräßigen" Löwen mithalten.