Ungewöhnlich früh klingelte für die weibl. C der Wecker am letzten September-Sonntagmorgen. 5.44 Uhr saßen schon alle mit ein wenig Nervosität im Bauch im Zug Richtung Berlin. Mit samt den Trainern waren alle sehr gespannt auf den Tag und seine Ereignisse. Schon vor Monaten hatten wir der HSG Charlottenburg unser Kommen zu ihrem Turnier zugesagt und nun war es soweit. Nach nur einer Trainingseinheit schon ein Turnier - eine Standortbestimmung, die besser nicht hätte kommen können.
Zweieinhalb Stunden mit Bahn und Bus und schweren Taschen, doch die Aufregung wurde immer größer. Kabine suchen, umziehen, zum erwärmen erst einmal kein Platzin der Halle. Diese Saison stehen uns nur 9 C-Mädchen und 1 D-Mädchen zur Verfügung, die dauerhauft aushilft. Eine Kimi kam zwar mit nach Berlin, durfte aber wegen einer kleinen Prellung im Sprunggelenk nicht spielen. Aber zu Teambuilding-Zwecken war ich gern bereit, sie mitzunehmen.
7 Mannschaften, in 2 Staffeln spielten zunächst in der Vorrunde um Platzierungen. Wir schauten uns das erste Spiel an und konnten miterleben, wie die Mädels vom Berliner TSC den HSV Falkensee 04 mit 12:2 vom Feld schickten. Uih!
Was wird uns wohl erwarten?
Kimi schien das Spiel auf ganz besondere Weise animiert zu haben. Sie hielt mir ihr Telefon hin - am anderen Ende die Mutter, die sich doch noch dazu überreden ließ, die Schulsportbefreiung einen Tag eher enden zu lassen. Kimi spielte seit Jahren Fussball, sehr erfolgreich sogar und war erst im Frühjahr zu uns gekommen. Schnell umziehen und in den Meldungslisten Kimi nachtragen, war jetzt mein Job.
Ich freute mich sehr, denn das Turnier sollte mehrere Stunden gehen und ein Auswechselspieler mehr, tat mehr als gut.
Während wir uns in der Aula der angrenzenden Schule erwärmten, fegten die Schleswig-Holsteiner vom Vfl Geesthacht den SV Buckow mit 7:2 vom Platz.
Der erste Anpfiff für uns. Nur kurz Gelegenheit unsere Torfrau warm zu werfen und schon ging es gegen den TSV Spandau 1860 zur Sache. Für Nervosität und vorsichtiges Abtasten blieb keine Zeit bei einer Spielzeit von 20 Minuten. Wir erwischten einen tollen Start durch Miele. Gleich darauf überzeugte unser Küken als Jüngste (D-jugendl.) des Team mit einem schönen Treffer von außen. Dann 1 Tor von Mella, die an den Kreis eingelaufen war obendrauf. Das brachte uns 3:1 in Führung. Doch leider sprang sie sehr weit in den Torraum und die gegnerische Torfrau trat weit raus, so dass ihr Knie Mella mit voller Wucht ins Gesicht rammte.
Mich erfasste kurze Panik, als ich ihren blutigen Mund sah. 
Glücklicherweise hatte sie "nur" eine von innen aufgeplatzte Lippe, die sich schnell beruhigen ließ. Die Beule an der Stirn entwickelte sich erst nach Abpfiff des Spiel wie auf Kommando. Es stand 3:1 für uns. Unsere Abwehr war zwar gut, sehr schnell und ballorientiert. Doch Spandau fand sich wieder und holte zum 5:5 auf. Gut für uns, dass Mella nach kurzer Pause wieder auf dem Feld stand. Die anderen beruhigte das sehr.
Jetzt war es Mucki, die konzentriert den Angriff regierte und mit ihrem Tor zum 6:5 Verantwortung übernahm. Mella brachte das Spiel mit ihrem Treffer zum 7:5 ins Trockene. Die Freude war groß und endlich auch die Nervosität verflogen.
Wieder spielte die andere Staffel zweimal und dann ging es für uns gegen den Vfl Lichtenrade. Die Mannschaft wurde ein wenig umgestellt. Anpfiff und zack lagen wir 0:3 hinten. Doch Kimi landete durch ihre Sprintfähigkeit und viel Mut einen Hattrick (3 Tore hintereinander) und die Mannschaft nahm diesen Impuls auf. Die Zusammenarbeit in der Deckung klappt zunehmend besser. Mucki glich zum 4:4 aus, Miele brachte uns kurz darauf 5:4 in Front. Doch die Spielerin im linken Rückraum von Lichtenrade konnten wir nur schwer kontrollieren und wieder stand es 5:5. Sehr konsequente Abwehrarbeit und eine starke Torfrau brachten uns aber weitere Ballgewinne und den 7:5 Sieg durch zwei Tore von Mella.
Damit hatten wir uns in der Vorrunde behauptet und belegten den ersten Platz:
Gruppe 1 Gruppe 2
Berliner TSC 6:0 BSV Grün-Weiß Finsterwalde 4:0
VfL Geesthacht 4:2 TSV Spandau 2:2
HSV Falkensee 2:4 Vfl Lichtenrade 0:4
SV Buckow 0:6
Schon jetzt stand fest, wir werden nicht Letzter! Das begeisterte die Mädels sehr, denn in den letzten Jahren hatten wir durch "Personalmangel" immer wieder den Kürzeren gezogen. 
Nun stand die Endrunde an. Für uns begann eine lange Wartezeit von fast 1,5 Stunden ehe wir gegen Geesthacht spielen konnten. Die defensive Abwehr der Hessen, die in der Altersklasse nicht gespielt werden darf, aber dennoch wurde, machte uns als Trainer schon vor dem Spiel Sorgen. Und es wurde so schwierig wie gedacht. Schon nach wenigen Minuten lagen wir 2:5 hinten durch Tempogegenstöße und eingeübte Angriffskonzepten mit Sperren durch die Schleswig-Holsteiner. Die BSV-Mädels brauchten Zeit um sich zu fangen und hielten nun den 2-3 Tore-Abstand. Mella und Mucki landeten Treffer, nachdem Miele, Kimi und Holly immer wieder für Lücken in der dichten Abwehrreihe sorgen mussten. Doch die Gegner schnappten uns wieder Bälle weg und liefen einen Gegenstoß nach dem anderen. Unsere Torfrau verletzte sich nun am Knie beim Versuch einen dieser freien Würfe doch noch zu halten. Bis dahin hatte sie ein tolle Leistung gezeigt, kämpfte aber mutig weiter. Mit dem 6:9 am Ende waren wir am Ende dennoch zufrieden, denn der Teamgeist der Mädels und die hohe Einsatzbereitschaft nach mittlerweile 6 Stunden Turnier waren toll und sorgten für gute Stimmung in den Reihen.
Wir duften nun im kleinen Finale um Platz 3 spielen und unser Gegner wurde der TSV Spandau. Die Mädchen kannten wir schon aus unserem ersten Spiel und unser Ziel war nun klar. Wieder ein Sieg und damit den dritten Platz holen. Eindrucksvoller hätten die Mädels dies nicht demonstrieren können. Miele, Holly, Kimi, Mucki... hintereinanderweg versenkten sie die Bälle im Tor nach engagierter offensiver Abwehrarbeit. 6:0 für uns. Spandau landete noch zwei Treffer durch einen Tempogegenstoß und einen Strafwurf in den letzten Minuten, da unsere Mädels schon in Feierlaune waren und so holten sie sich den dritten Platz mit einen 6:2-Erfolg.
Das Turnier war ein tolles Erlebnis für die Mannschaft und ein gutes Ohmen für die kommende Saison. Darauf aufbauend sollten die Mädchen nun versuchen, die Zusammenarbeit und Zielstrebigkeit auch in den Punktspielen umzusetzen. Die neu gewählte Teamchefin Miele holte stolz den Pokal bei der Siegerehrung und nach noch einmal 2,5 Stunden Rückfahrt ging der Tag spät am Abend zu Ende. Wir verkürzten uns die Zeit mit Miniportionen Sekt aus dem Pokal, Witzen und allerlei Zeitvertreib.
Endstand:
1. Berliner TSC (Oberliga Berlin)
2. Vfl Geesthacht (Südliga Schleswig-Holstein)
3. BSV Grün-Weiß Finsterwalde (Kreisliga Elbe-Elster Brandenburg)
4. TSV Spandau 1860 (Stadtliga Berlin)
5. HSV Falkensee 04 (Oberliga Brandenburg)
6. Vfl Lichtenrade (Stadtliga Berlin)
7. SV Buckow (Stadtliga Berlin)
Bitterer Nachgeschmack für mich, dass die einzigen zwei defensiv abwehrenden Mannschaften am Ende Platz 1 und 2 belegten.
Der Pokal steht nun in unserem Büro und der Tag wird den Mädels wohl sehr lange noch in Erinnerung bleiben.
Habe mir vorgenommen, noch mehr Freizeit für solche Turniere "zu opfern".