ZitatAlles anzeigenAm Ende fehlte die Substanz
VON VOLKER KOCH - zuletzt aktualisiert: 25.03.2009 - 21:30In der Verfassung des zweiten Durchgangs vom Mittwoch und in dieser personellen Besetzung dürfte es Handball-Bundesligist TSV Dormagen schwer fallen in dieser Saison noch Punkte zu sammeln - zumindest gegen vor ihm platzierte Konkurrenten.
In der ersten Hälfte wussten sich Florian Wisotzki und seine Dormagener Kollegen in Nordhorn (Tobias Karlsson/r.) zu behaupten. NGZ-Archivfoto: Hans JazykDenn bei der 25:37-Niederlage (Halbzeit 14:16) vor 3050 Zuschauern im Nordhorner Euregium bekamen die Dormagener am Mittwoch Abend klar ihre Grenzen aufgezeigt. Denn nach dem Ausfall von Linkshänder Konstantinos Chantziaras, der mit einer Knöchelverletzung unbestimmte Zeit pausieren muss, und einem angeschlagenen Nils Meyer, der trotz Bänderriss zu mehreren Kurzeinsätzen in seiner alten Heimat kam, stand Trainer Kai Wandschneider sein quasi letztes Aufgebot zur Verfügung - und zu dem gehören einige Akteure, die in der 1. Liga einfach nichts zu suchen haben.Symptomatisch die letzte Szene der Partie, als Kreisläufer Ingo Meckes vollkommen freistehend am bereits 40-jährigen Peter Gentzel im Nordhorner Gehäuse scheiterte. Meckes, der zuvor schon in der Abwehr hilflos wirkte, leistete ebenso einen Offenbarungseid wie der nach monatelanger Verbannung in die Reserve wieder in den Erstligakader aufgerückte Denis Zakharov.
Doch Wandschneider musste sie einsetzen, weil ihm ansonsten keine Alternativen mehr zur Verfügung standen. Schließlich sah sein etatmäßiger Kreisläufer Kjell Landsberg bereits nach 41 Minuten wegen seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte. Und nach den Verletzungen von Chantziaras und Tobias Plaz sowie dem tragischen Tod von Sebastian Faißt hat er in Person von Tim Henkel, Szabolcs Laurencz und eben Zakharov nur noch drei Linkshänder im Kader.
Von denen wusste alleine, zumindest mit Abstrichen, Tim Henkel zu überzeugen. Während die Tage von Meckes und Zakharov am Höhenberg gezählt sind, sollte der dritte Offenbarungseid des gestrigen Abends langsam zu denken geben: Denn Vitali Feshchanka, gerade von der Weißrussischen Nationalmannschaft zurückgekehrt, zeigte bei seinem halbstündigen Einsatz erneut keine erstligareife Leistung - doch sein Vertrag soll verlängert werden.
Noch offen ist hingegen die Vertragsverlängerung mit Michiel Lochtenbergh - dabei war der niederländische Nationallinksaußen einmal mehr bester und zuverlässigster Dormagener. Seinen zwölf Toren, darunter acht vom Siebenmeterpunkt, stand nur ein einziger Fehlversuch gegenüber.Bedingt durch die zu vielen Schwachpunkte gingen die Dormagener im zweiten Durchgang regelrecht unter, luden mit vielen technischen Fehlern die bis dahin keineswegs überzeugenden Hausherren zu Gegenstößen ein. Das war schade, denn im ersten Durchgang hatte der TSV eine mehr als achtbare Vorstellung aufs Parkett des Euregiums gelegt.
Mit seiner erstmals von Beginn an praktizierten 3:3-Deckung gab Wandschneider seinem Nordhorner Kollegen Ola Lindgren Rätsel auf, die dessen Rückraumspieler kaum lösen konnten. Immer wieder verloren sie die Bälle in der offensiven TSV-Deckung, so dass es eine Viertelstunde dauerte, ehe ihr Bester, Neu-Nationalspieler Steffen Weinhold, die Hausherren erstmals mit 7:6 in Führung brachte.
Und hätten die Dormagener Torhüter in dieser Phase auch nur ein paar Bälle gehalten, der TSV wäre wohl mit einem besseren Zwischenergebnis als dem 14:16 in die Kabine gegangen. Bis zum 18:20 (38.) hielten die Gäste mit, doch dann brachen alle Dämme.
Mit nur 3,5 erstligatauglichen Spielern kann man sicherlich nicht mehr erwarten. Mit Kampf gelingt es vielleicht eine Halbzeit mitzuhalten, aber mehr nicht.
Wenn allerdings der TSV den Vertrag mit Vitali verlängert, dann verstehe ich überhaupt nichts mehr ... ![]()