TV Flein verliert Vier-Punkte-Spielmit 23:24
Von Iris Baars-Werner
René Müller starrt ungläubig auf das Präsent, eine Flasche Wein. Oder vielleicht starrt er durch sie hindurch ins Nichts. Gerade hat der Linksaußen am Sonntagabend mit dem TV Flein das Spiel in der Handball-Oberliga gegen den BSV Phönix Sinzheim mit 23:24 verloren. Es war eines dieser so genannten Vier-Punkte-Spiele. Wenn von 17 Mannschaften der 14. der Tabelle gegen den 11. spielt, dann geht es selbst 22 Spieltage vor dem Saisonende schon um ziemlich viel. Nein, die Auszeichnung als bester Fleiner des Spiels bedeutet dem siebenfachen Torschützen zumindest im Moment nichts: „Die ist nicht viel Wert“, sagt Müller, der nachschiebt, ohnehin nicht so ein großer Weintrinker zu sein. „Das Spiel hätten wir gewinnen müssen.“ Er sitzt alleine auf einer Bank in der Langhanshalle in Beilstein - zu allem Überfluss mussten sie ihr Heimspiel wegen eines Problems in der Sandberghalle auswärts austragen.
Fleins Trainer schüttelt den Kopf: „Wir schieben es nicht auf die Halle“, sagt Rudolf Wagner, „wenngleich uns hier schon 100 Leute gefehlt haben.“ Etwa 300 Zuschauer hatten den Weg nach Beilstein auf sich genommen. Sie sahen wie erwartet ein nicht hochklassiges, aber ein spannendes Oberliga-Spiel.
Immerhin konnte bei den ersatzgeschwächten Gastgebern Markus Denscheilmann auflaufen. Die Laser-behandlung eines Auges vor ein paar Tagen hinderte ihn nicht am Einsatz gegen die so schwach in die Saison gestarteten Sinzheimer. „Es ist verdammt wichtig, dass Markus dabei ist“, sagt der verletzte Oliver Hess auf der Tribüne, „sonst hätten wir kaum noch Auswechselspieler gehabt.“ Dennoch nahmen Peter Schannen und Denis Gölcek von der zweiten Mannschaft auf der Ersatzbank Platz.
Der TV Flein begann nervös, aber erfolgreich, nach 14 Minuten stand es 7:3. Doch über den Stand von 9:6 ging es mit 10:12 in die Pause. „Es lag vor allem an unsere Chancenverwertung“, analysiert Kreisläufer Peter Gucanin die wie schon so oft kurz vor der Pause unerklärlich schwache Phase. „Wenn wir die Hälfte von den großen Chancen machen, vor allem in der ersten Halbzeit, dann gewinnen wir mit drei Toren - und haben dann immer noch eine schlechte Quote.“ Die Niederlage schmerze doppelt, da sie am Ende so knapp ausfiel und auch noch gegen einen direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt kassiert wurde. Wagners erste Reaktion nach ernüchternden Schlusspfiff: „Der Tiefpunkt ist erreicht. Das müssen wir jetzt erst einmal verarbeiten. Diese zwei Punkte waren eigentlich eingeplant.“
Wagner gebraucht immer wieder das Wort „schwierig“, sucht nicht nach Ausreden, aber spricht alle entscheidenden Faktoren an: Sicher spiele es sich in der gewohnten Halle anders; sicher habe das Schiedsrichtergespann nicht gegen Flein, aber in den Schlussminuten auch nicht für seine Mannschaft gepfiffen; sicher, zwei Siebenmeter habe man vergeben; sicher, die Chancenverwertung sei es gewesen; und ganz sicher: „Jetzt ist es Kopfsache, jetzt geht‘s an die Psyche.“ Der TV Flein steht vor einer unschönen Vorweihnachtszeit.
Bleibt die Frage, wann René Müller den Wein trinken wird. Anlässlich der Nichtabstiegsparty im Mai vielleicht? „Spätestens - dann wird aber nicht nur Wein getrunken.“
TV Flein: Hoffmann (12 Paraden), John (1) - Altmann (5 Tore), Schaible (3), Schannen, Ortmann, Denscheilmann (2), Maichle, Müller (7), Stefan Wagner (4/2), Gölcek (nicht eingesetzt), Gucanin (2).
Torfolge: 4:3, 7:3, 9:6, 9:11, 10:12, 10:14, 15:16, 17:17, 19:20, 20:23, 22:23, 23:24.
Siebenmeter: TV Flein 4/2 (Osicka pariert zwei Mal gegen Denscheilmann) - Phönix Sinzheim 3/2 (Hoffmann pariert gegen Kesetovic).
Zeitstrafen: TV Flein 7 (Müller, Ortmann, Gucanin, Ortmann, Maichle, Gucanin, Schannen) - Phönix Sinzheim 3 (Wolf, Wolf, Meier).
Rote Karte: Herbert (wg. dritter Zeitstrafe).
Zuschauer: rund 300.
Schiedsrichter: Reick/Blumenrode (Karlsruhe).