Ania Meister, Milena sorgt sich
Artikel vom Freitag 25.05.2007 aus SÜDWEST AKTIV
>>> Metzinger-Uracher Volksblatt/Der Ermstalbote / <<<
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FRAUENHANDBALL / Erfolgreiches Wochenende der Rösler-Schwestern aus Metzingen
Ania Meister, Milena sorgt sich
"Bin froh, dass ich nicht direkte Gegenspielerin von Ania bin", sagt Milena Rösler
Der 1. FC Nürnberg errang am Samstag den deutschen Meistertitel im Frauenhandball. Mit von der Partie war die gebürtige Metzingerin Ania Rösler, deren Schwester Milena am selben Wochenende mit der TuS Metzingen sportlich den Aufstieg in die 1. Bundesliga erreicht hatte.
YVONNE ACKERMANN / ANTJE SCHNIZLER
Während die eine Schwester sich weiter freuen darf, ist bei der anderen die Enttäuschung riesengroß. Denn nach dem Gewinn der Play-offs und dem damit verbundenen Aufstieg in die erste Liga, folgte die Ernüchterung. Aufgrund eines falschen Spielerpasses ist der Aufstieg hinfällig. "Ich hätte mich auf ein Schwesternduell gefreut, wobei ich froh bin, dass ich nicht direkte Gegenspielerin von Ania bin", erklärt TuS-Rechtsaußen Milena Rösler. Sie hat bereits bei der TuS Metzingen bei den Minis mit dem Handball begonnen. Nach Jahren in der ersten Mannschaft, in der sie eher wenig zum Einsatz kam, hat sie sich in den letzten beiden Spielzeiten einen Stammplatz gesichert. Teilweise trumpfte die schnelle Rechtsaußenspielerin richtig auf und warf beispielsweise im Play-Off-Halbfinale gegen Celle sieben Tore. Nun muss sie sich um die Erste Liga sorgen.
110 Tore
Ania Rösler, die ältere der beiden, hat ebenfalls schon 18 Jahre bei der TuS Metzingen gespielt. Sie bekleidet in Nürnberg die Spielmacherposition auf Rückraum Mitte. In der vergangenen Saison warf sie 110 Tore für den "Club". In den Finalspielen gegen Bayer Leverkusen waren es deren sieben. In einem packenden und hochdramatischen Endspiel sicherte sich vergangenes Wochenende der 1. FCN den Titel, obwohl die Mannschaft im Hinspiel gegen Bayer Leverkusen mit fünf Toren verloren hatte. "Wir haben nicht mehr richtig an den Titel geglaubt, die Hoffnung hatten wir aber noch nicht aufgegeben. Letzte Woche haben wir dann mal ganz anders trainiert, hatten einmal trainingsfrei, einmal Fußball gespielt, waren einmal Bowling spielen und haben nur zweimal wirklich mit dem Handball trainiert. Und es hat geklappt", beschreibt Ania Rösler die Woche vor der gewonnenen Meisterschaft. Mit 38:31 besiegte das Team aus Nürnberg Bayer Leverkusen um Nationalspielerin Nadine Krause. In der "Dampfnudel" hat das Team ihren erneuten Titel dann gebührend gefeiert, nachdem in der Halle das Bier ausgegangen war.
Obwohl der "Club" seit Januar seinen Spielerinnen keine Gehälter mehr bezahlen konnte, holte die Truppe die fünfte Meisterschaft nach Nürnberg. Hier kann die Parallele zu Metzingen gezogen werden. Die "TuSsies" erreichten ebenfalls trotz ausstehender Gehälter den Vizetitel und durchliefen die Play-Offs souverän. Nach einer Beschwerde hat Nürnberg die Lizenz für die kommende Spielzeit nun aber erhalten, die Frage ist nur noch mit welcher Mannschaft der Verein antreten wird. Ania möchte allerdings nach Möglichkeit in Nürnberg bleiben, trotz diverser nationaler und internationaler Angebote. Sie reizt die Champions League, für die sich der 1. FC qualifiziert hat und die Chance um die nationale Meisterschaft mitzuspielen. Außerdem verfolgt sie das Ziel in Nürnberg, ihr Studium zu beenden. "In der ersten Liga hätte Metzingen nur durch meinen Freund und Milena, beziehungsweise meine Familie eine Chance gehabt, dass ich erneut für die TuS auflaufen würde", erklärt Ania ihren Standpunkt zu Metzingen. Das Problem mit dem Personal gibt es derzeit auch bei der TuS Metzingen. Nachdem der Aufstieg gescheitert ist und der Einspruch zwar eingereicht, aber noch nicht entschieden ist, herrscht auch in der Sieben-Keltern-Stadt in Sachen Spielerinnen noch keine Klarheit. Milena Rösler tendiert aber trotz allem weiterhin dazu in Metzingen zu bleiben. Denn hier hat sie mit ihrem Studium, ihren Freunden und der Familie das passende Umfeld. "Ich denke, dass auch die meisten Spielerinnen in der zweiten Liga bleiben werden. Wir brauchen nur alle eine Pause nach dieser unglücklichen Geschichte", vermutet die jüngere der zwei Rösler-Schwestern, Milena. Einige der "TuSsies" gönnen sich in dieser Pause ab Montag einen gemeinsamen Kurzurlaub auf Mallorca. Milena ist ebenfalls mit von der Partie.
In der Trainingspause können sich die zwei Schwestern jedenfalls erholen, denn richtige Schwächen konnten beide nicht an der anderen ausmachen.
Mehr Dynamik
"Ania hat in Nürnberg noch deutlich an Dynamik gewonnen. Sie hat ein enormes Spielverständnis und ist absolut torgefährlich. Früher war sie faul, das hat sich aber auch geändert. Ihre einzige Schwäche ist noch ein wenig die Konstanz", beschreibt Milena ihre ältere Schwester. Die Schwäche der TuS-Rechtsaußen Milena ist laut Ania ihr Selbstbewusstsein. Sie benötigt das Vertrauen des Trainers und des Umfelds, um gut zu spielen. "Hier muss "Milli" noch ein wenig an sich arbeiten, sie ist aber sehr ehrgeizig und gibt immer hundert Prozent. Besonders in der Abwehr liegen ihre Stärken", verrät Nürnbergs Mittespielerin Ania Rösler.
Die Stärken von Ania Rösler sind im vergangenen Jahr auch dem Bundestrainer aufgefallen. Sie wurde in die Nationalmannschaft berufen, die aktuellen Chancen erneut eine Berücksichtigung im Kader zu erhalten, stuft Rösler prinzipiell als ganz gut ein. "Es ist im Moment allerdings kein Thema für mich, der Verein ist Nummer eins, aber ich würde mich natürlich freuen", erklärt die frischgebackene deutsche Meisterin und Ex-Metzingerin Ania Rösler.