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Domino-Effekt bei den Handballern
Von Klaus ApitzHandball - Erst hat die TSG Oßweil das Handtuch geworfen. Jetzt, nach dem einjährigen Zwischenspiel des Nachfolgers Handballregio (HBR) Ludwigsburg, sieht es auch um die sportliche Zukunft des Nachfolgers SVK Salamander Stuttgart schlecht aus. Noch ehe das erste Zweitligaspiel angepfiffen ist, droht das Aus. Denn die Marketing & Management KG, die finanzieller Träger ist, hat Insolvenz beantragt.
Dieser neuerliche Fall hängt eng mit dem unrühmlichen Abgang der Oßweiler Handballer von der großen Sportbühne im Frühjahr 2006 zusammen. Dort war schlecht gewirtschaftet worden. Trotzdem kam aus der TSG Widerstand gegen das geplante Zusammengehen mit dem damaligen Zweitliga-Konkurrenten TV Kornwestheim. Als die HBR Ludwigsburg dennoch stand, sprangen zwei große Sponsoren ab.
Aderlass Und es kam laut KG-Geschäftsführer Markus Graf zu einem weiteren Aderlass, als der bisherige Verein die Umbenennung in SVK Salamander Konwestheim beschloss, mit dem Ziel, in der Stuttgarter Porsche-Arena zu spielen. „Da blieb die zweite Teilzahlung einiger Sponsoren aus“, die absprangen. Als dann auch noch die fünf Rückrundenheimspiele in Stuttgart floppten, weil viel zu wenige Zuschauer kamen, war dies eine Riesenhypothek für die Saison 2007/2008. Mit 360 000 Euro an Verbindlichkeiten musste der neue Etat gebastelt werden. Doch die Deckung war offenbar nicht möglich, und zwar auch, weil die erhoffte Hilfe der Stadt Stuttgart ausblieb.
„Geködert“ Diese hatte mit dafür gesorgt, dass sich die HBR nach Stuttgart orientierte, denn das Stuttgarter Interesse war es, die Porsche-Arena mit Leben zu füllen. „Man hat uns geködert“, sagt Heinz Kipp, der Präsident des Stammvereins SV Salamander Kornwestheim. Die damalige rosige Aussicht: Geld, Kontakte zu Großgeldgebern und eine klasse Halle.
Heute gehen die Ansichten darüber auseinander, was im Dezember 2006 genau vereinbart worden ist. Die Vereinsseite spricht von einem Vertrag, die Stadt Stuttgart lediglich von einer schrifltlich festgehaltenen Absichtserklärung. Als der Verein aber Anfang Juli um finanzielle Unterstützung bat, wurde ihm die kalte Schulter gezeigt. Die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann wurde deutlich: „Wenn Sie einen Verein als Partner haben, der nicht in der Lage ist, kaufmännische Grundsätze zu beachten und bei der Sponsorenakquise etwas zum Abschluss zu bringen, dann kann es nicht klappen.“ Die Zusammenarbeit wurde aufgekündigt, auch die Betreiber der Porsche-Arena sind mit dem neuen Club fertig.
Eine kleine Chance könnte das Insolvenzverfahren bieten. Der vom Amtsgericht eingesetzte Verwalter Steffen Beck machte zuletzt Hoffnung: „Wir sind keine Hexer, aber ich sehe eine realistische Chance, dass es auch in Zukunft Zweitliga-Handball in Kornwestheim geben könnte.“ Er wird mit den Spielern - darunter auch der Ex-Weinsberger Benjamin Matschke - reden und sie fragen, wer bleibt. Dann wird mit Gläubigern und Sponsoren verhandelt. Sollte es aber zum Konkurs kommen, dann wäre Kornwestheim der erste Zweitliga-Absteiger und könnte nach einem Jahr in der Regionalliga Süd neu starten.
Das wäre viel Zeit , um sich neu zu formieren. Zweite Liga aber gibt es im Raum südlich von Stuttgart jetzt nur noch bei der SG Bietigheim-Metterzimmern. Sie könnte der große Nutznießer der beiden Pleiten sein.
Quelle: http://www.stimme.de