Ein absoluter Härtefall
Selten war ein Schlusspfiff solch eine Erlösung. Denn selten sorgt ein Handballspiel wie das Derby am ersten Spieltag der Oberliga zwischen dem TSB Horkheim und dem TV Flein für so viel Emotionen. Ziemlich genau 100 Minuten haben beide Mannschaften für die 60 Minuten effektive Spielzeit plus die vielen Unterbrechungen und das bisschen Halbzeit benötigt, um den Gastgeber als 33:24 (17:11)-Sieger zu ermitteln. Von Spielzeit kann aber keine Rede sein, Kampfzeit trifft es eher.
Geht es hart zur Sache, zuckt manch Zuschauer mit den Schultern und sagt: „So lange sich keiner verletzt.” Die zwölfte Derby-Minute hat da viel verändert: Bei einem Angriff der Fleiner prallen TV-Neuzugang Edin Hadzimuhamedovic und der Horkheimer Michael Hau zusammen. Beide liegen am Boden. Beide bluten. Beide können nicht mehr weiterspielen. Beide müssen ins Krankenhaus. Nur wenige Spielsekunden später sieht TSB-Abwehrhüne Marc Altmann die Rote Karte. Das Derby droht zu eskalieren. „Furchtbar”, sagt eine Zuschauerin immer wieder. „Ich hätte mir von beiden Seiten weniger Härte gewünscht”, sagt nach dem erlösenden Schlusspfiff Herwig Jarosch, der Erste Vorsitzende des TSB. „Trotzdem war es Werbung für den Handball. Wer das erste Mal da war, wird auf jeden Fall wiederkommen.” Das mag zumindest für den Teil der Zuschauer zutreffen, der in der Schlussphase „Oh, wie ist das schön” sang.
Schön war es nicht, wie HorkheimSpieltag spielte, aber erfolgreich. In der siebten Minute stand es 7:3 für die aggressiveren Gastgeber bei diesem Mindestabstand blieb es quasi bis kurz vor Schluss (28:24, 53. Minute). Am Ende stand es 33:24 und TSB-Trainer Volker Blumenschein strahlte: „Ich bin froh, dass sich die Fleiner dieses Jahr mal richtig gewehrt haben. Das war mal ein richtiges und kein wachsweiches Derby. Die Härte im Spiel ging völlig in Ordnung. So ein Spiel ist für ein Derby normal.”
Das sahen prinzipiell alle Beteiligten auch so, schließlich klopfte man sich am Ende kollektiv auf die Schultern, lachte gemeinsam und erkundigte sich nach dem Wohlbefinden des ehemaligen Gegners. René Müller der Fleiner wird wegen seiner Fußverletzung noch drei bis fünf Wochen pausieren urteilt: „Das ist normale Oberligahärte. Wenn man das sieht, denkt man nur. Ich will auch mitspielen.” Für Horkheims Stefan Fähnle gibt es nichts zu beschönigen: „Natürlich waren da ein paar übertriebene Sachen dabei, aber so unfair wie es aussah, war es nicht. Die Schiedsrichter haben zu viel zugelassen.” Man habe gewusst, dass Flein stärker als in der vergangenen Saison sein würde.
Die Härte, aus übertriebener Entschlossenheit resultierend, hatte Horkheim ins Spiel gebracht. Fleins Youngster Oliver Heß sagt, wie er und seine Mitspieler versucht haben zu reagieren: „Da will man dagegenhalten, spielt auch härter.” Sein Trainer Rudolf Wagner beklagt sich nicht über „die ganz brutale Härte der Horkheimer, die nur auf den Körper, nicht auf den Ball gespielt haben”: „Es ist halt so.” Man habe versucht, wenig Emotionen ins Derby zu bringen, sei am Anfang zu brav gewesen und habe die Geduld verloren. „Wir sind teilweise schon selber schuld” wenngleich der Verlust von Rückraumgröße Hadzimuhamedovic die Fleiner doch schwer traf. So oder so kann das Fazit nur lauten: Das Derby war ein absoluter Härtefall.
TSB Horkheim: Timo Hirschmann (1. bis 48. Minute), Ergin Toskic (48. bis 60.) - Marc Altmann, Stefan Wagner (2), Joachim Baum (7), Zeljko Jerkovic, Felix Knoll (4), Alexander Huber (1), Dirk Förster, Stefan Fähnle (8/6), Markus Schumacher (5), Kai Herrmann (4/1), Henning Tittel (2), Michael Hau.
TV Flein: Jochen Hoffmann (1. - 16.), Markus Eberle (16. bis 60.) - Jörg Brenner (4), Fabian Gerstlauer (9/3), Fabian Göppele, Holger Schaible, Edin Hadzimuhamedovic (2), Markus Denscheilmann (3), Florian Vieler (1), Oliver Heß (4), Max Trampusch, Matthias Geiger (1).
Torfolge: 2:2 (3.), 4:3 (5.), 7:3 (7.), 8:6 (13.), 12:8 (19.), 14:11 (25.), 17:11 (30.), 24:18 (45.), 27:21 (50.), 28:24 (53.), 30:24 (55.), 33:24 (60.).
Siebenmeter: Horkheim (8/7) - Flein (3/3).
Zweiminutenstrafen: Horkheim (6) - Flein (8).
Rote Karten: Altmann (12.), Schumacher (40.).
Schiedsrichter: Bentschner/Freiss (Pforzheim).
Zuschauer: 1000.
Quelle: http://www.stimme.de