Alle paar Jahre wieder kommt Günter Papenburg (GP) mit einer neuen Klage an. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man einfach eine ruhige Sommerpause gehabt hätte. Aber nun gut, so wird es wenigstens nicht langweilig. Immerhin ist man im Hause Madsack (HAZ und NP) aufgewacht und hat die letzten Tage umfangreich berichtet. Sogar das Fernsehen war beim Gerichtstermin dabei, der NDR hat einen kleinen Film gedreht. Daher können wir jetzt aufdröseln, was passiert ist bzw. noch passieren könnte.
Wie ist die Ausgangslage?
Bereits im Dezember 2024 schickte GP eine Kündigungserklärung an die Recken und drohte mit Rauswurf. Als Grund nannte er "erhebliche Kostensteigerungen", die sich aus erhöhten Preisen für Energie, Reinigung und Sicherheit ergeben hätten. Dazu erklärte GP, die Recken hätten deutlich höhere Einnahmen, als bei Vertragsabschluss im Jahr 2022. Nachdem die Recken sich weigerten, den, aus ihrer Sicht exorbitanten, Zahlungen nachzukommen, reichte GP schließlich im April eine Klage über 583 000 Euro für den Zeitraum September 24 bis März 25 ein.
Bekanntlich fanden im April, Mai und Juni weitere Heimspiele statt, die hier noch gar nicht berücksichtigt sind. Da GP nun nicht mehr nur mit dem Rauswurf drohte, sondern sogar bereits geblockte Termine für die Heimspiele aus dem Kalender der Arena strich, sahen sich die Recken zu einer einstweiligen Verfügung im Eilverfahren gezwungen. Schließlich laufen die Planungen und die Kartenverkäufe für die neue Saison schon seit Monaten.
Wichtiger Rückblick zum Verständnis: Was passierte Anfang 2022?
Nach mehrjährigem Streit zwischen GP und den Recken kam es zu Beginn des Jahres 2022 zu einer Einigung zwischen den Parteien und einem neuen Mietvertrag bis zum Jahr 2030.
Darin wurde offenbar eine Mietpauschale vereinbart, die zu den höchsten in der HBL gehören soll. Allerdings war damals der Zuschauerschnitt, auch dank Corona, deutlich geringer als es aktuell der Fall ist. Die Recken haben alle Zahlungen aus diesem Vertrag beglichen und pochen auf dessen Gültigkeit. GP verweist u.a. aber auf die deutlich gestiegenen Einnahmen der Recken und fordert einen neuen Vertrag. Der dürfte dann gestaffelte Zahlungen beinhalten, durch die die Mietzahlungen, je nach Auslastung der Halle, sinken oder steigen. Dank des Zuschauerbooms rechnet GP, wohl nicht zu Unrecht, mit deutlich höheren Einnahmen für sich. Deshalb könnten seine Forderungen vor allem ein Druckmittel für einen Vertrag sein. Darauf kommen wir unten noch zurück.
Wie lief der Gerichtstermin am 18. Juni?
Erwartungsgemäß brachte dieser noch kein Urteil, aber eine eindeutige Tendenz. Das Gericht wird aller Voraussicht nach zugunsten der Recken entscheiden. Das endgültige Urteil wird am 27.6. verkündet. Es geht hierbei ausschließlich um den Wunsch der Recken, die Halle weiterhin nutzen zu dürfen und somit für die nächste Saison Planungssicherheit zu bekommen. Die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der Kündigung seitens GP, sowie der Nachzahlungsforderung, waren nicht Gegenstand der Verhandlung. Während der Verhandlung machten beide Seite ihre Standpunkte klar, wobei GP persönlich zu einem längeren Monolog anhob, in dem er sich selbst lobte und behauptete, er habe für die Recken 3 Mio Euro in den Umbau der Arena investiert (u.a. für digitale Bandenwerbung) und habe das alles nur für den sportlichen Erfolg getan. Den Recken machte er schwere Vorwürfe für ihren angeblich zu laschen Umgang in Sicherheitsfragen, die auf ihn als Geschäftsführer zurückfallen könnten. Die Nachzahlungen seien, aus den oben bereits angeführten Gründen, nötig. Am Ende der Verhandlung waren die Recken erwartungsgemäß erleichtert und GP unzufrieden.
Wie geht es jetzt weiter? Fliegen die Recken aus der Arena? Wird GP auch noch an seinem 100. Geburtstag klagen?
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit spielen die Recken in der kommenden Saison in der ZAG Arena. Das Urteil Ende nächster Woche dürfte das bestätigen.
Eike Korsen zeigte sich zuversichtlich, den Vertrag bis 2030 nicht nur zu erfüllen, sondern auch darüber hinaus die Arena nutzen zu können. GP erklärte am Ende noch, er werde die Nutzung der Arena nicht zulassen, solange die Verbesserung der Sicherheit nicht gegeben sei. Gleichzeitig ließ er durchblicken, dass man sich wohl mit den Recken einigen werde.
Zur Wahrheit gehört schließlich, dass sich beide Seiten brauchen. Die Recken benötigen die Halle, um dem mittlerweile enormen Fanansturm gewachsen zu sein und die Sponsoren gebührend durch die technischen Möglichkeiten der Arena präsentieren zu können. Aber auch GP kann es sich nicht leisten, mindestens 17 Termine im Jahr und 155 000 Besucher einfach so zu verlieren. Denn noch teurer, als eventuell entstehende Nebenkosten, käme ihn eine leer stehende Halle zu stehen. Die Anzahl der Termine und Zuschauer dürfte sich schwer bis gar nicht ersetzen lassen. Vom Imageverlust für GP, wenn er für das Aus oder den Rückschritt der aufstrebenden Recken verantwortlich gemacht werden würde, reden wir da noch gar nicht.
So wird es also schon weitergehen mit den Recken und GP. Ende September ist die Verhandlung für die Klage seitens GP an die Recken terminiert, sollte man sich nicht vorher doch noch einigen. Das dürfte erfahrungsgemäß allerdings erst nach ein oder zwei Gerichtsterminen passieren. Denn GP dürfte es in allererster Linie um einen neuen Mietvertrag mit besseren Konditionen zu seinen Gunsten gehen, woran die Recken naturgemäß kein Interesse haben und auf den gültigen Vertrag bis 2030 pochen. Da GP bereits 86 Jahre alt ist, dürfte der Faktor Zeit für ihn eine gewisse Rolle spielen. Ob die Nachforderungen gerechtfertigt sind, dürfte also erstmal das Gericht verhandeln und es wird dabei vermutlich erneut eine außergerichtliche Einigung empfehlen, wie schon beim letzten Rechtsstreit. Schließlich wollen beide Seiten eigentlich dasselbe, nämlich eine erfolgreiche Recken-Mannschaft in einer ausverkauften Arena. Nur wer davon wie viele Stücke von der Torte bekommt, muss mal wieder wie im Kindergarten, statt wie unter Erwachsenen geklärt werden.
Dann wäre da noch das Geld, welches die Recken von GP zu bekommen haben. Der ist zwar keiner der Hauptsponsoren, zählt mit seiner Baufirma allerdings durchaus zu den größeren Geldgebern. Die Zahlungen für die letzte Saison soll GP angeblich einbehalten haben, weil die Recken seinen Zahlungsnachforderungen nicht nachkommen wollten.
Aber auch dieses Problem wird man letztendlich lösen können. Wenn dann GP eines Tages erkennt, dass man mit fast 90 Jahren und Millionen auf dem Konto sein Leben angenehmer gestalten kann, als in Büros und Gerichtssälen, stehen den Recken hoffentlich viele langweilige Sommerpausen ganz ohne Aufregung und eine großartige Zukunft in der Arena bevor.