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ZitatAlles anzeigenDer harte „König von Kroatien”
VON ERIK EGGERS, 30.05.05, 21:33h
Ein neuer Herr, mit dem nicht zu spaßen ist: Velimir Kljaic
Der 59-Jährige will den VfL in die Champions League führen.Köln - Nicht in allerbester Erinnerung ist Velimir Kljaic (59) die erste Begegnung mit Köln. „Eine riesige Halle“ sei das gewesen damals am 17. März 1967, als er mit Medvescak Zagreb antrat in der Kölner Sporthalle gegen den VfL Gummersbach, um das Viertelfinalrückspiel im Europapokal der Landesmeister zu bestreiten - und vor 7000 johlenden Zuschauern mit 10:19 ausschied gegen das Team um Hansi Schmidt, Klaus und Jochen Brand, das zwei Monate später den ersten europäischen Titel gewann. Kljaic, damals 21 Jahre alt, gelang nur ein Tor.
38 Jahre nach dem ersten Rendezvous mit Köln kehrt er als Trainer in die dreimal größere Kölnarena zurück, um „meinen Teil zum Erfolg des VfL beizutragen“. Der Vertrag ist noch per Post unterwegs nach Minden, wo er zuletzt den Traditionsverein GWD trainierte, aber die Konditionen sind klar: Er wird zunächst für ein Jahr unterschreiben. „Ein Jahr ist mein Motto“, erklärt Kljaic die ungewöhnlich kurze Laufzeit, wenn es gut laufe und alle Beteiligten zufrieden seien, „kann man ja immer noch verlängern“. Er habe keine Lust auf ungute Verhandlungen während einer längeren Laufzeit, und außerdem könne er sich das leisten: „Ich habe immer einen Job gehabt.“
Das kommt dem Rekordmeister aus dem Oberbergischen gut zupass. Es ist schließlich ein offenes Geheimnis, dass der VfL nach dem starken Abgang von Interimscoach Lajos Mocsai am liebsten Alfred Gislasson verpflichtet hätte, doch der Isländer hat beim SC Magdeburg bis 2007 Vertrag. Aber nicht nur deswegen hält ihn VfL-Manager Stefan Hecker „für eine Ideallösung“. Hecker kennt den neuen Coach noch aus aktiven Zeiten. Kljaic trainierte nämlich, nachdem er mit Wallau1992 das „Double“ geholt hatte, den TuSEM Essen in der Saison 1995 / 96, bevor er für ein paar Monate kroatischer Nationaltrainer wurde und nach dem sensationellen Olympiasieg von 1996 in Zagreb als „König von Kroatien“ gefeiert wurde. Damals, berichtet Hecker freimütig, habe es durchaus Auseinandersetzungen gegeben zwischen ihm und dem Trainer. Verhandlungsgegenstand damals: Disziplin und Einstellung. Aber genau aus diesem Grund habe man Kljaic jetzt geholt, „weil man mit ihm Stress bekommt, wenn man keine Einstellung an den Tag legt. Er lässt Disziplinlosigkeiten nicht durchgehen“. Kljaic sei ein freundlicher, netter Mensch, weiß Hecker, „aber in der Halle ist der knallhart,
den interessieren keine Länderspielzahlen“. Dabei macht Kljaic auch vor seiner Verwandtschaft nicht Halt. Als er Kroatien zum Olympiasieg führte, schmorte sein Sohn, den viele als besten Abwehrspieler der Welt betrachteten, die meiste Zeit auf der Bank.
„Es ist mein Ziel, die Mannschaft auf einen der ersten drei Plätze und damit in die Champions League zu führen“, sagt er, und geht damit konform mit den Zielen der Klubverantwortlichen um Aufsichtsratschef Hans-Peter Krämer. Ansonsten, ahnt er, kämen womöglich nicht mehr 15 000 Zuschauer im Schnitt zu den Spielen in der Kölnarena: „Mittelmaß interessiert keinen.“
(KStA)