HANDBALL-CHAMPIONS-LEAGUE
Hoffnung in der Flensburger Hölle
Von Erik Eggers
Bei den Buchmachern hat die SG Flensburg Handewitt keine Chance. Im Hinspiel wurde der Handball-Bundesligist vom spanischen Topclub Ciudad Real demontiert. Aber aufgeben? Nicht im Norden, Flensburg hofft weiter auf das Champions-League-Finale.
Es kommt selten vor, dass der Sieger schon vor dem Spiel feststeht. Aber sowohl für Handballexperten als auch für die Wettanbieter scheint längst klar zu sein, wer am Samstag (15 Uhr, live im NDR-Fernsehen) in der Campushalle in das Endspiel in der Champions League einzieht. Wer vor dem Rückspiel zwischen der SG Flensburg-Handewitt und dem spanischen Topclub Ciudud Real auf ein Weiterkommen das deutschen Meisterschaftszweiten wettet, bekommt beim Internetanbieter Betandwin 825 Euro für 100. Ein Tipp auf die Spanier hingegen erscheint sicher wie ein Siebenmeter ohne Torwart: Hier gibt es für 100 Euro lediglich 104 Euro zurück.
Diese Quote ist kein Zufall. Schließlich ist der letzte deutsche Teilnehmer in der "Königsklasse" im Halbfinalhinspiel am vergangenen Sonntag regelrecht demontiert worden vom "Real Madrid des Handballs", wie SG-Manager Thorsten Storm den Gegner nennt. Mit 22:31 (9:17)-Toren unterlagen die Norddeutschen in Zentralspanien. "Dieses Spiel war ein Schock", sagte Storm SPIEGEL ONLINE, "eine der größten Enttäuschungen, die ich mit der SG je erlebt habe".
Und doch haben sich die Flensburger das Duell gegen die Galaktischen noch nicht aufgegeben. "Neun Tore, das sieht auf dem Papier ziemlich aussichtslos aus", sagt Jan Holpert zwar, aber der 37-jährige Torwart ist sich trotzdem sicher, "dass wir eine kleine Chance bekommen, egal wie das Hinspiel war". Holpert setzt auf das psychologische Moment, das eine enorm große Rolle spielt im Leistungshandball. "Wenn wir erst einmal mit fünf oder sechs Toren führen, dann kommen die auch ins Grübeln", sagt der erfahrenste Bundesligaspieler Deutschlands.
Dreamteam des Handballs
Die - das ist das Dreamteam des Handballs. Der Kader des Tabellendritten der spanischen Liga, der seit dem Sommer 2005 vom ehemaligen Weltklasse-Aufbauspieler Talant Dushebajew gecoacht wird, stellt eine ganze Galerie von überragenden Handballern. Auf jeder Position kämpfen hier Superstars um Einsatzzeiten.
Nicht selten etwa sieht sich sogar der isländische Ausnahmespieler im rechten Rückraum, Olafur Stefansson (früher SC Magdeburg), auf der Tribüne wieder, obwohl er bei der Europameisterschaft auf seiner Position ins Allstar-Team gewählt wurde - im Club hat er es aber hier mit dem kroatischen Olympiasieger Petar Metlicic und dem spanischen Weltmeister Jon Belaustegui zu tun. Auf die Anspiele am Kreis lauert er ehemalige Kubaner Urios, spanischer Nationalspieler mit geradezu elefantösen Körpermaßen. Links außen treiben sich der französische Europameister David Davis und der Schwede Jonas Källman zu Höchstleistungen. Und gegenüber wirft der emotionale Kroate Mirza Dzomba, der derzeit beste Rechtsaußen der Welt, reihenweise Tore.
Nicht weniger beeindruckend liest sich die Abwehr: Das Tor hüten der spanische Nationalkeeper Jose Hombrados und Arpad Sterbik. Der Serbe entnervte im Hinspiel jeden Flensburger Angreifer, die elfmal vorbei warfen.
Und im Zentrum der 5:1-Deckung steht auch noch ein französischer Riese: Didier Dinart, den die "Süddeutsche Zeitung" einmal den "Baumschüttler" nannte. "Der kann gar nicht Handball spielen", schrie Bundestrainer Heiner Brand während der EM 2004 einmal und meinte Dinart. Ein paar Tage später knurrte er: "Find' doch mal raus, wann der Geburtstag hat. Dann schenk' ich ihm einen Ball. Dann kann er ein bisschen spielen." Dinart ist zwar kein Künstler, aber als reiner Zerstörer ist er eine Waffe.
Ein Olympiasieger soll es richten
Die leisen Hoffnungen des Gastgebers, doch noch die Sensation zu schaffen und die neun Tore aufzuholen, speisen sich vornehmlich aus der Geschichte. Im letzten Jahr glich die SG im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gar einen 14-Tore-Rückstand gegen Montpellier aus - und schied doch aus, als die Franzosen mit dem Schlusspfiff einen Freiwurf aus neun Metern verwandelten. Vor diesem Knock-out in letzter Sekunde hatte es wieder gekocht und gebrodelt unter den fanatischen 6500 Zuschauern in der "Hölle Nord", wie die Campushalle im Handball genannt wird.
"Die Campushalle ist für vier Tore gut", sagt SG-Manager Storm, der neben der Unterstützung durch die Fans am Samstag vor allem auf die Leistungsexplosion eines seiner Spieler hofft: Blazenko Lackovic. Der kroatische Olympiasieger, der bei der SG die "Königsposition" auf halblinks besetzt, hatte in Spanien nur in drei von zehn Versuchen getroffen. Lackovic' Entsprechung in Reihen Reals, der Slowene Siarhei Rutenka, war dagegen bei acht von zehn Würfen erfolgreich. "Das war der Unterschied im Hinspiel", erklärt Storm. "Vielleicht ist das ja am Samstag anders." Eine vage Hoffnung, aber immerhin.
(Quelle:http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,408715,00.html)
Also, auf in dem Kampf Torero... 
Wir sind Flensburg...
