Hallo zusammen,
ich bin neu hier im Forum und habe mich vor allem angemeldet, um im sog. "Fall Fuhr" auf dem Laufenden zu bleiben.
Kurz zu meinem Hintergrund: ehemaliger Spieler (Oberliga) und Jugendtrainer, seit über 25 Jahren nur noch zahlender Zuschauer zwischen Kreis- und Bundesliga . Meine recht große Familie ist sehr Handball-affin quer durch die Generationen , die Leistungsebenen und die Funktionen. Aktuell spielen zwei Enkelinnen Handball, eine davon in der höchsten Jugend-Landes-Liga. Dazu ein Enkel. Mein Schwiegersohn ist als Bezirksliga-Trainer aktiv. Kurz: wir sind am Handball durchaus interessiert und besonders am Handball der Frauen und Mädchen, ohne uns als Insider bezeichnen zu wollen.
Der "Fall Fuhr" und der Umgang des Verbandes und der Vereine damit hat uns alle sehr bewegt, teilweise auch entsetzt. Er ist immer wieder Thema in der Familie, besonders die 15 und 13jährigen Enkellinnen stellen viele Fragen.
Mein Eindruck nach ausführlicher Lektüre hier und anderswo und das schreibe ich auch als jemand, der die letzten Jahre seines Berufslebens in einem großen deutschen Unternehmen auch mit Fragen der Unternehmenskultur, mit Compliance/Governance und Unternehmens-Integrität zu tun gehabt hat, ist:
- ich sehe keinen ausgeprägten Aufklärungs- und Aufarbeitungswillen, weder beim DHB noch in den betroffenen Vereinen, das alles erinnert eher an die Blockadehaltung der katholischen Kirche im Missbrauchskomplex, es wird nur auf Zeit gespielt. Augen zu und durch, so die Devise.
- klare Verantwortlichkeiten werden geleugnet, Pflichtverletzungen gegenüber möglichen Opfern werden akzeptiert, notwendige Konsequenzen nicht gezogen! In Wirtschaftsunternehmen wären Leitende Mitarbeiter wie z.B. die Herren Kromer und Kietsch (und möglicherweise weitere...) angesichts der Vorwurfslage zumindest vorübergehend bis zur eindeutigen Klärung aus dem Verkehr gezogen worden. Hier jedoch glaubt man, mit einer paar schön klingenden Verlautbarungen den Fall gelöst zu haben. Für mich ein jämmerliches Verhalten!
- Themen wie Werteakzeptanz, Persönlichkeitsschutz/Menschenrechte, Gleichberechtigung, das Recht auf körperliche und emotionale Unversehrtheit u.a. werden auch im Sport immer wichtiger und spielen z.B. auch im Verhältnis zu Unternehmen/Sponsoren eine größere Rolle. Das scheint im Handball noch nicht so angekommen. In der Erklärung des Vereins Blomberg habe ich diesen Satz gefunden: "Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Alltagsgeschehen, häufig nicht druckreif. Es geht aber nie um persönliche Beleidigungen, sondern geschieht im Eifer des Gefechts und der Emotion." Das ist ein Satz aus dem mittleren 20. Jahrhundert und sollte den Kommunikations-Verantwortlichen um die Ohren gehauen werden. Er legitimiert Respektlosigkeit gegenüber und Erniedrigung von Frauen. Auch "im Eifer des Gefechts" dürfen Führungskräfte wie Trainer nicht mal ansatzweise beleidigend auftreten. Wer das nicht kapiert, wer diesbezüglich seine Emotionen nicht im Griff hat, hat auf einer Trainerbank nichts mehr verloren.
- Der Handball-Verband und Vereine denken in dieser Sache weder nachhaltig noch zukunftsorientiert, sondern nur kurzfristig. Die Sportart Frauenhandball wird weiter darunter leiden.
- Es braucht für mich einen groß angelegten Kulturwandel im deutschen Handball. Es braucht z.B. mehr Frauen in Führungspositionen, mehr interne Kontrollen von Führungskräften, mehr kompetente Beratung von außen. Aber vor dem Wandel käme der Wille dazu....
Das ist jetzt nur mal in Kürze zusammengefasst mein persönlicher Meinungsstand, der sich auch auf Infos hier aus dem Forum bezieht. Ich weiß, dass ich nicht viel Neues beitragen kann, sorry dafür, wollte aber dennoch mal meine Sicht der Dinge als Beobachter hier zusammenfassen - das übrigens ganz stark im Auftrag meiner Tochter (ehemalige Spielerin) und meiner (noch) aktiven Enkellinnen.