Beiträge von HansRichard

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    Die Gesamtsituation im Frauenhandball bereitet mir nach wie vor große Sorge. Ein Problem von vielen, die ich in erster Linie in der Verantwortung der Verbände (hier mangelhafte Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit) sehe

    Das würde ich so unterschreiben. Ich bin ja nun kein Insider wie die meisten hier, aber die sind ja auch nicht mehr die Zielgruppe von "Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit". Menschen wie ich, die sich etwas für den Frauenhandball interessieren ohne Woche für Woche die Ergebnisse zu konsumieren, die vielleicht verwandtschaftliche Beziehungen in diesen Sport unterhalten und daran auch prinzipiell Spaß haben, schon eher.

    Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit ist mehr als schnöde Pressearbeit. Und die nehme ich als ein breit aufgestellter Sportinteressierter im Frauenhandball nicht wahr. Ich will jetzt gar nicht mehr auf das große Schweigen in der "Causa Fuhr" eingehen, obwohl es damit durchaus in Zusammenhang steht..... Nein, es gibt auch niedrigschwellig Handlungsbedarf, aber das Thema wird hier ja schon seit Jahren diskutiert und mit guten Vorschlägen garniert, wie ich gesehen habe.

    Heute ist in Deutschland der Equal Pay Day, morgen weltweit der Internationale Frauen-Tag. Für mich Anlass, auf das anhaltende Ungleichgewicht auch im deutschen Handball zwischen M und F bezüglich Bezahlung und Einfluss im Sport hinzuweisen. Und auf die traurige Tatsache, dass es seitens der Verbände und Vereine keine sinnvollen und nachhaltigen Initiativen gibt, das zu ändern. Im Gegenteil. Der kaum vorhandene Aufklärungswille im Fall Fuhr ff. ist für mich da ein eindeutiger Beleg für den Erhaltungswillen des Status Quo.

    Equalpayday.de rechnet so:

    "Die strukturellen Ursachen, die in Kunst und Kultur zu dem eklatanten Gender Pay Gap 2021 von 30 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2022) führten, zeigen wie durch ein Vergrößerungsglas die gleichen strukturellen Ursachen, die gesamtgesellschaftlich ergeben, dass Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger verdienen".


    Im Handball dürfte der Gehaltsunterschied eher bei deutlich über 60 Prozent liegen. Und während im deutschen und internationalen Fußball hier und da mal mutig eine Gleichbehandlung der Geschlechter verlangt und ermöglicht wird (trotz erheblicher Unterschiede bei Zuschauerzahlen und TV-Nutzung), haben sich die Handballerinnen in Deutschland anscheinend mit ihrem Schicksal abgefunden und schweigen.

    Gleiches gilt für die Beteiligung von Frauen an nennen wir es durchaus mal der "Macht". Dazu schreibt kicker.de heute unter Bezugnahme auf eine Untersuchung der Initiative "Fußball kann mehr":

    "Nur drei Prozent aller Führungspositionen in der 1. und 2. Liga sind mit Frauen besetzt. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Anzahl der Frauen zwar vervierfacht - was allerdings nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht ist. Denn heute sind lediglich vier der 150 Stellen im operativen Management mit Frauen besetzt. In den Aufsichtsräten liegt die Quote zwar bei zehn Prozent, was allerdings immer noch eine deutliche Unterrepräsentation darstellt. Bei 21 der 36 Profivereine sind die Aufsichtsgremien sogar ausschließlich mit Männern besetzt. Positives Beispiel dabei: der FC St. Pauli, bei dem vier der sieben Positionen im Aufsichtsrat mit Frauen besetzt sind. Sandra Schwedler ist die einzige Aufsichtsratsvorsitzende der beiden Ligen."

    Mehr dazu: Frauen sind im Männerfußball noch immer extrem unterrepräsentiert - kicker

    Ich habe mir gerade mal im Schnelldurchgang bei ca. 25 Handball-Vereinen der Frauen- und Männer-Bundesligen sowie mehreren Verbände im Internet die Vorstandsseiten o.ä. angeschaut und würde mal nicht belegt aber gefühlt die These aufstellen : im Handball ist das Übel bestenfalls gleichgroß, eher größer. Leider habe ich keine seriös wirkenden Initiativen gefunden, dass proaktiv zu ändern. Alle scheinen sich damit abgefunden haben, dass Männer in diesem Sport bestimmen und gut verdienen. Im Jahr 2023 ist das für mich ein Trauerspiel.

    Irgendwo habe ich vor Wochen mal gelesen, dass es Überlegungen in der Politik gibt, nur noch Sportarten mit Bundesmitteln zu fördern, wenn diese bestimmte gesellschaftliche Werte umgesetzt haben. Die Gleichberechtigung von Frauen gehörte auch dazu. Ich würde das sehr begrüßen, vielleicht ändert sich in dieser Sportart dann endlich was!

    tja...ohne Sponsoren gehts nun mal nicht, kann man finden wie man will. in der Bundesliiga findet man allein 8 x LOTTO als Sponsort, deswegen spiele ich aber trotzdem nicht. Dazu diverse Brauereien wie Haller Lwenbräu, Brinkhoffs, Berg oder mauritius...

    Bei Jugendspielen hing zumndest früher keine Brauereiwerbung in der Halle, der jetzige Sponsor ist meines Wissens auch noch nicht sichtbar aufgetreten bei den Heimspielen nach der Vetragsunterschrift außer das es es der Caterer ausschenkt (hat er aber auch schon vorher gemacht)

    Tja, da machst Du es Dir für mich aber sehr leicht. Spiel- und Alkoholsucht sind keine Dinge, die wenn auch nur indirekt im Sport beworben werden sollten. Dass es ohne Sponsoren nicht geht, weiß ich auch, aber man sollte nicht jeden nehmen. Glücklicherweise gewinnen gewisse Werte wie Nachhaltigkeit, Integrität, Gesunderhaltung u.a. im Sport und auch für Sponsoren an Bedeutung, die sollten auch den Sponsoring-Bereich der Vereine langsam erreichen!

    Wer hätte zum Beispiel vor Jahren geglaubt, dass sich Spielerinnen mal gegen respektlose, ja übergriffige Trainer zur Wehr setzen?? Und damit sind wir heute wieder bei diesem Thema:

    Handball: Aufarbeitung der Causa Fuhr verzögert sich weiter (sport.de)

    Wieso kommt der DHB da nicht in die Gänge? Mein Eindruck, dass der Verband weiter auf Zeit spielt!

    Beim SOS Kinderdorf - einer anerkannt guten und in jeder Hinsicht unabhängigen Organisation - hat man sicher eine gute Wahl getroffen.

    Habe ich auch gedacht, bis ich das hier gesehen habe: SOS-Kinderdorf-Sprecher: „Wir verurteilen jede illegale Adoption“ (rnd.de)

    Das soll die Organisation nicht in Gänze ins Abseits stellen, aber zur genauesten Prüfung ermahnen.

    Ja und es gibt einen Biesponsor - nu und? Hat fast jedes Team der Liga. Normal. Es war nicht vom Hauptsponsor noch vom Trikotsponsor die Rede gewesen - sondern ein Biersponsor - und da hat man halt das aktuelle Trikot ins Bild gehalten. Nichts daran auszusetzen aus meiner Sicht. Hätte man besser machen können? ja, klar -ein Glas Bier dabei, Schild der Brauerei - das hätte dann aber auch wieder manchen nicht gepasst...

    Weil alle was haben, ist es noch nicht zwangsläufig richtig und gut. Werbung für Bier/Alkohol und auch Sportwetten hat nach meinem Verständnis im Sport grundsätzlich nichts zu suchen. Beides kann abhängig machen mit schlimmen Folgen, gerade für Jugendliche.

    Aber selbst wenn man das mal ausklammert, wirkten Bild und Text einfach nur drollig!

    Nach ein paar Wochen im Ausland ohne jedweden Handball-Bezug habe ich nach meiner Rückkehr versucht einiges, sicherlich nicht alles, hier und in Medien nachzulesen. Mein Eindruck: viel hat sich nicht getan. Immer noch keine neue Untersuchungs-Kommission beim DHB, krasses Schweigen weiterhin bei der Frauen-Handball-Bundesliga, die sich eigentlich an die Spitze der (Aufklärungs)-Bewegung setzen müsste, zaghafte Reform-Bestrebungen bei der HSG Blomberg.

    Ich bleibe kurz in Blomberg. Der Beitrag in "Handball Inside" wirft in der Tat erneut ein schlechtes Licht auf die Vereinsführung garniert mit interessanten Details. Allerdings wundert es mich einmal mehr, wie intransparent die Zeitschrift agiert. Der Autor des Beitrages ist doch auch Mitverfasser der Spiegel-Artikel. Das wird schamhaft verschwiegen. Für mich unseriös!

    Interessant dieser Aspekt hier aus dem Forum:

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    Es hätte mich gefreut, wenn der bisherige GF zu seinem Ausscheiden die Verantwortung für Vorgänge die in der von ihm zu Verantwortenden Zeit übernommen hätte, Meines Wissens ist dies zumindest nicht öffentlich geschehen, oder?

    Dem kann ich mich nur anschließen! So bleibt viel Undurchsichtiges zurück - auch für den Mann selbst.

    Die Beratungsstelle SOS-Kinderdörfer, ja klingt erstmal nicht schlecht. Ich kann die Institution nicht beurteilen. Grundsätzlich ist nach meiner Erfahrung eine personell klar zugeordnete Anlaufstelle (z.B. Anwält:innen) immer besser. Das Verfahren ist für mich bislang nicht sehr übersichtlich und birgt Risiken. Nochmal grundsätzlich muss für mich sichtbar sein, ob die Beratung durch Männer (was nicht so gut wäre) oder durch Frauen durchgeführt wird. Aber vielleicht habe ich das überlesen. Insgesamt aber ein kleiner Schritt in ungefähr die richtige Richtung!

    Immerhin habe ich gelernt, dass es für die HSG Blomberg einen neuen Biersponsor gibt. Wow!! Das Thema Alkohol passt gut in diese Welt... Ganz lustig in diesem Zusammenhang ist das mit der Pressemitteilung eingesetzte Foto, wo drei Menschen ein Trikot hochhalten, auf dem ich nur eine Versicherung als Sponsor erkenne. Von Bier weit und breit keine Spur. Das ist ja mal zielgerechtes Marketing...!!

    Was bleibt bei alledem und wohl noch viel mehr, was ich nicht kenne? Ja, ja, die Hoffnung, die in diesem Fall allerdings nicht zuletzt sondern schon früher stirbt!

    Eine Frau, eine junge und der Ausbildung nach sehr kompetente obendrein - dazu gilt es erstmal zu gratulieren. Davon gibt es im Handball entschieden zu wenige und ich wünsche ihr viel Erfolg in dieser Aufgabe!!

    Die sportlichen Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt - das kann alles und nix bedeuten. Warten wir mal ab, wer da letztendlich was zu sagen hat.

    Das alles entlastet den Verein aber nicht davon, endlich vollumfänglich aufzuklären und Präventiv-Strukturen zu schaffen. Davon ist zumindest zu mir noch nix durchgesickert....

    Die entscheidende Frage bleibt: Warum sollen es die Schiedsrichter sein und nicht die Spieler?

    Dss ist mir nach wie vor völlig unklar.

    Weil die Möglichkeiten der SR zur Manipulation erheblich größer und unauffälliger sind als die der Spieler!!

    Ein Krebsgeschwür auch für den Handball, habe ich beim Zuhören gelernt. Und: der europäische Verband macht gezielt was in Richtung Prävention. Und der deutsche? Weiß das jemand? Die Frage hätte der Moderator gerne stellen dürfen!

    Nachtrag zu "medialer Druck" in dieser Angelegenheit: "Europas größte Handball-Zeitschrift" widmet in "Der große Rückblick 2022" dem Thema unter HW 39 (27. September 2022) folgende Zeilen: "Auch auf der Trainerbank der BVB-Frauen gibt es heftige Unruhen. Die Causa um Cheftrainer Andre Fuhr und die Kündigung zweier Spielerinnen schlägt hohe Wellen."

    Oh je, dagegen ist der hier gelegentlich kritisierte Spiegel-Journalist Eggers ja superseriös!!

    Nun war die HW auch schon zu Zeiten als noch ein D davorstand (und nur daher kenne ich sie einigermaßen...) noch nie das Blatt für kritischen hintergründigen Sport-Journalismus sondern war immer irgendwie mit dem DHB verbandelt und hat diesen dementsprechend gehätschelt. Früher musste jeder Verein das Ding sogar abonnieren und hielt es damit künstlich am Leben. Ist das heute auch noch so?

    Das in mehreren Spiegel-Artikeln postulierte öffentliche "Beben" hat es nie gegeben und wird es auch - leider - nicht mehr geben. Für fast alle Verantwortlichen, Mitwisser und Dulder ist die Sache wohl ausgesessen und ausgestanden. Für mich ist das ein Skandal, der zum Himmel schreit!

    Dem würde ich mich anschließen. Derzeit übt man sich verbands- und vereinsseitig in großer WM-Besoffenheit und danach sollte der deutsche Michel diese kleine unangenehme Angelegenheit endgültig wieder vergessen haben. Die Wagenburg steht wie der deutsche Keeper gegen Serbien!!!

    Und für den Blomberger Geschäftsführer Kietsch hat sich die Geschichte vielleicht sogar gelohnt, denn er hat ja "trotzdem" den Sprung in die Männer-Bundesliga geschafft..... So läufts im deutschen Handball!

    Hallo zusammen,

    habe heute zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder große Teile eines Handball-Live-Spiels im TV gesehen, im Ersten GER - SRB. Ein interessantes Match, aber muss ein Reporter wirklich so viel quatschen wie dieser Mensch am Mikrofon?? X-Nebengeschichten von Anno Tuk, dazu permanent Beschreibungen von Dingen, die Zuschauer schon sehen, das war doch keine Radio-Sendung!! Zudem hat er für mich auch eine sehr unangenehme Stimm-Farbe. Die Beiträge des Experten Klein waren jetzt auch nicht so voller Handball-Weisheit, das hätte ich auch noch so hinbekommen. Also ich fands eher mäßig in der medialen Umsetzung.

    Wow, das fluppt ja hier: mein erster Beitrag und schon lande ich kurz im "Spiegel"...!

    Gleichwohl teile ich die Kritik an dieser Form der Berichterstattung. Ein anonymes Zitat aus einem Forum Beleg-artig zu verwenden ist für mich nicht seriös und wirft kein gutes Licht auf Herrn Eggers (den ich nicht kenne) und den Spiegel! Es ist leider ein Trend und kein guter für den deutschen Journalismus, dass sich vermeintlich seriöse Medien manchmal ja sehr kompakt an anonymen Meinungen im Netz bedienen, als wären das solide Quellen. Soll wohl Modernität suggerieren, so nach dem Motto, hey, wir in der Redaktion eines Papiermediums gucken auch mal in dieses Internet!! In diesem Fall brauchte Herr Eggers wohl noch "Volkes Stimme"...

    Meine Lokalzeitung macht das alle paar Tage zu allen möglichen Themen, die Aufregung versprechen und das unter Verwendung aller Pseudonyme. Will man hingegen einen Leserbrief veröffentlichen, so geht das nicht ohne komplette Adresse! Verrückt, in diesen Zeiten!

    Und da ich gerade bei Medien bin und damit kehre ich zur Causa Fuhr/Birkner zurück: ich habe bei der HSG Blomberg-Lippe gesehen, dass die dortige Zeitung namens "Lippische Landeszeitung" als Top-Sponsor des Vereins fungiert!! Auch da laufen bei mir Bilder ab, die nichts mit seriösem Journalismus zu tun haben. Ich hätte als Leser dieses Blattes nicht das Vertrauen, dass mir die Redaktion immer die richtigen Fakten, Hintergründe und notwendigen Meinungen liefert, wenn es um eine erforderliche kritische Begleitung des "Partnervereins" geht - wie eben in dieser Causa. Da stehen schließlich auch klare wirtschaftliche Interessen hinter.

    Eine solche Konstruktion gibt es nach meiner Beobachtung mittlerweile sehr häufig, besonders im Sport, aber auch in der Kultur. Da ich weit weg von Lippe lebe und die Zeitung nie gelesen habe, kann ich nicht konkret belegen, was berichtet, wie eingeordnet und was möglicherweise verschwiegen wurde. Aber allein die Anscheinsvermutung, dass nicht unabhängig berichtet werden könnte, ist schlimm genug - und für die Akzeptanz einer Zeitung sehr riskant.

    Schönes Wochenende allerseits. Ich werde erstmal in diesem Jahr Handball gucken. Nein, nicht die WM, sondern live die Weibliche Jugend Oberliga, mit der Enkelin!

    Ich nochmal mit einer Reaktion hierdrauf:

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    Oder wollen wir einen Sport ohne Emotionen???

    Das ist leider eine im Sport immer noch weit verbreitete Haltung: Ohne Emotionen im Sport wäre dieser tot, also bitte lieber an nix rühren! Ich habe nix gegen Emotionen (war als Spieler/Trainer auch nicht nur lieb) solange sie nicht beleidigend oder respektlos sind! Diesen Unterschied herstellen zu können, muss ich besonders von Spitzentrainern erwarten. Wenn sie das nicht können, sollen sie sich einen anderen Job suchen.

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    Du hast hohe Ansprüche an die Führungsverantwortlichen eines Sportvereins. Es gibt schlichtweg kaum Leute die einen Verein führen und sich den Geschäftsführer auf den Buckel laden. Gerade in der Frauen-HBL hat doch der Chef ganz oft einen persönlichen Bezug zum Verein.

    Danke erstmal für die Rückmeldungen. Ich habe vor allem hohe Ansprüche an die Führungsverantwortlichen eines kleineren mittelständischen Unternehmens, die Sportvereine - wie die über die wir hier reden - ja oftmals sind. Diese Ansprüche haben glücklicherweise auch andere, wie man in all den aktuellen internationalen/nationalen Debatten um Missbrauch und sexuelle Gewalt im Sport sehen kann. Und diese Ansprüche beinhalten halt auch Verhaltensweisen, die für Vorgesetzte im Umgang mit Angestellten aus meiner Sicht unverzichtbar sind.

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    Da Du im Blomberger Umkreis zu Hause bist. Ich hatte es schon einmal in den Raum geworfen. Angenommen Genges und Kietsch hauen in den Sack und Brikner muss gehen. Stehen ad hoc fähigere Ersatzleute zur Verfügung die nach den von Dir geforderten Prinzipien und Erfahrungen zu "mit Compliance/Governance und Unternehmens-Integrität" den ganzen Laden zusammenhalten?

    Nein, ich bin weder physisch noch emotional im Blomberger Umkreis zuhause. Ich kenne keine Details und auch nicht die handelnden Personen. Insofern weiß ich nicht, ob und wer da möglicherweise zur Verfügung stehen würde.

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    Das große Problem mit "im Eifer des Gefechts" ist ja nicht, dass ein Mensch sich in diesem Moment Beurteilungen ausdenkt, die ihm sonst nie in den Sinn gekommen wären, sondern dass der Mensch ungefiltert all das ausspricht, was er bei einem überlegteren Agieren für sich behalten hätten. Wenn ein Trainer in einem hitzigen Moment Spielerinnen als "fett" oder geworfenen Bälle als "schwul" bezeichnet, dann hat er diese Sichtweise auch in weniger emotionalen Momenten - hat sich dann nur so unter Kontrolle bzw. reflektiert seine Äußerungen, dass er diese Gedanken dann nicht ausspricht. Das Grundproblem liegt also tiefer als in der emotionalen Situation an der Seitenlinie.

    Volle Zustimmung!

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    Du wirst hoffentlich feststellen, dass es hier noch viele weitere interessante Themen gibt, nicht nur die "Causa A. Fuhr".

    Habe ich schon festgestellt. Allerdings - wie geschrieben - bin ich als Gelegenheits-Beobachter weit vom Insider-Status entfernt, der nötig ist, um hier halbwegs seriös mitreden zu können. Die "Causa A.Fuhr" betrifft ja eher allgemeine gesellschaftliche Fragen, da kenne ich mich etwas besser aus.

    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier im Forum und habe mich vor allem angemeldet, um im sog. "Fall Fuhr" auf dem Laufenden zu bleiben.

    Kurz zu meinem Hintergrund: ehemaliger Spieler (Oberliga) und Jugendtrainer, seit über 25 Jahren nur noch zahlender Zuschauer zwischen Kreis- und Bundesliga . Meine recht große Familie ist sehr Handball-affin quer durch die Generationen , die Leistungsebenen und die Funktionen. Aktuell spielen zwei Enkelinnen Handball, eine davon in der höchsten Jugend-Landes-Liga. Dazu ein Enkel. Mein Schwiegersohn ist als Bezirksliga-Trainer aktiv. Kurz: wir sind am Handball durchaus interessiert und besonders am Handball der Frauen und Mädchen, ohne uns als Insider bezeichnen zu wollen.

    Der "Fall Fuhr" und der Umgang des Verbandes und der Vereine damit hat uns alle sehr bewegt, teilweise auch entsetzt. Er ist immer wieder Thema in der Familie, besonders die 15 und 13jährigen Enkellinnen stellen viele Fragen.

    Mein Eindruck nach ausführlicher Lektüre hier und anderswo und das schreibe ich auch als jemand, der die letzten Jahre seines Berufslebens in einem großen deutschen Unternehmen auch mit Fragen der Unternehmenskultur, mit Compliance/Governance und Unternehmens-Integrität zu tun gehabt hat, ist:

    - ich sehe keinen ausgeprägten Aufklärungs- und Aufarbeitungswillen, weder beim DHB noch in den betroffenen Vereinen, das alles erinnert eher an die Blockadehaltung der katholischen Kirche im Missbrauchskomplex, es wird nur auf Zeit gespielt. Augen zu und durch, so die Devise.

    - klare Verantwortlichkeiten werden geleugnet, Pflichtverletzungen gegenüber möglichen Opfern werden akzeptiert, notwendige Konsequenzen nicht gezogen! In Wirtschaftsunternehmen wären Leitende Mitarbeiter wie z.B. die Herren Kromer und Kietsch (und möglicherweise weitere...) angesichts der Vorwurfslage zumindest vorübergehend bis zur eindeutigen Klärung aus dem Verkehr gezogen worden. Hier jedoch glaubt man, mit einer paar schön klingenden Verlautbarungen den Fall gelöst zu haben. Für mich ein jämmerliches Verhalten!

    - Themen wie Werteakzeptanz, Persönlichkeitsschutz/Menschenrechte, Gleichberechtigung, das Recht auf körperliche und emotionale Unversehrtheit u.a. werden auch im Sport immer wichtiger und spielen z.B. auch im Verhältnis zu Unternehmen/Sponsoren eine größere Rolle. Das scheint im Handball noch nicht so angekommen. In der Erklärung des Vereins Blomberg habe ich diesen Satz gefunden: "Generell ist im Sport die Wortwahl sicher oft gröber als im normalen Alltagsgeschehen, häufig nicht druckreif. Es geht aber nie um persönliche Beleidigungen, sondern geschieht im Eifer des Gefechts und der Emotion." Das ist ein Satz aus dem mittleren 20. Jahrhundert und sollte den Kommunikations-Verantwortlichen um die Ohren gehauen werden. Er legitimiert Respektlosigkeit gegenüber und Erniedrigung von Frauen. Auch "im Eifer des Gefechts" dürfen Führungskräfte wie Trainer nicht mal ansatzweise beleidigend auftreten. Wer das nicht kapiert, wer diesbezüglich seine Emotionen nicht im Griff hat, hat auf einer Trainerbank nichts mehr verloren.

    - Der Handball-Verband und Vereine denken in dieser Sache weder nachhaltig noch zukunftsorientiert, sondern nur kurzfristig. Die Sportart Frauenhandball wird weiter darunter leiden.

    - Es braucht für mich einen groß angelegten Kulturwandel im deutschen Handball. Es braucht z.B. mehr Frauen in Führungspositionen, mehr interne Kontrollen von Führungskräften, mehr kompetente Beratung von außen. Aber vor dem Wandel käme der Wille dazu....

    Das ist jetzt nur mal in Kürze zusammengefasst mein persönlicher Meinungsstand, der sich auch auf Infos hier aus dem Forum bezieht. Ich weiß, dass ich nicht viel Neues beitragen kann, sorry dafür, wollte aber dennoch mal meine Sicht der Dinge als Beobachter hier zusammenfassen - das übrigens ganz stark im Auftrag meiner Tochter (ehemalige Spielerin) und meiner (noch) aktiven Enkellinnen.