Glück im Unglück hatte Handball-Nationaltorhüter Carsten Lichtlein: Der 24 Jahre alte Schlussmann des TV Großwallstadt zog sich bei der 25:28-Niederlage im Bundesligaspiel beim THW Kiel eine starke Prellung am rechten Augapfel und eine Einblutung in der Iris zu.
Christian Zeitz, sein Nationalmannschaftskollege, hatte Lichtlein mit einem Schuss aus kurzer Entfernung voll ins Gesicht getroffen. Der TVG-Keeper konnte das Spiel nicht fortsetzen und wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.
Sascha Schnobrich, der Geschäftsführer des TVG, berichtete: »Wir waren zuerst im Uni-Klinikum Schleswig-Holstein in der chirurgischen Abteilung, danach in der Augenklinik. Carsten war total geschockt und sagte ständig, dass er nichts mehr sehe. Gott sei Dank gaben die Ärzte schon am Abend erste Entwarnung. Wir konnten ihn mit nach Hause nehmen.«
Die beiden kamen am Mittwochvormittag völlig erschöpft in Großwallstadt an. Trotzdem war Carsten Lichtlein bereit für ein kurzes Interview.
Frage: Wie schwer ist die Verletzung an Ihrem Auge?
Lichtlein: Es ist eine starke Prellung am rechten Augapfel und ich habe eine Einblutung in der Iris. Aber der Bluterguss hat sich schon ein bisschen zurückgebildet.
Frage: Wie lange werden Sie pausieren müssen?
Lichtlein: Ich darf bis nächsten Dienstag nicht trainieren. Dann erst wird sich entscheiden, ob ich am Mittwoch gegen Flensburg auflaufen kann.
Frage: Musste es sein, dass Christian Zeitz versucht, Ihnen knapp am Kopf vorbeizuschießen? Schließlich war er völlig unbedrängt und hatte Platz genug, den Ball im Kasten unterzubringen.
Lichtlein: Na ja, er wollte mir sicher nicht bewusst auf den Kopf schießen. Es kam halt alles zusammen. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass er mittendrauf hält. Habe es in dem Moment nicht realisiert. Ja und schon war es passiert.
Frage: Aber Sie sind ja immerhin auch Kollegen in der Nationalmannschaft. Wie ist nach dieser Aktion Ihre Einstellung zu Christian Zeitz?
Lichtlein: Ach, das hilft alles nichts, wenn ich da jetzt auf stur schalte. Wenn wir zusammen Nationalmannschaft spielen, dann muss das weggesteckt werden. Da kann ich mir keine Aversionen leisten.
Frage: Sie haben schon oft gesagt, dass ein Torhüter keine Angst vor dem Ball haben darf. Ich muss Sie trotzdem fragen: Wie ist es, wenn so etwas geschehen ist?
Lichtlein: Ach, ich musste schon so viele Kopftreffer einstecken. Von daher wird es weitergehen. Gut, so heftig war es noch nicht. Aber wenn ich wieder im Tor stehe, werde ich nicht anders reagieren als vor dieser Aktion.
Die Fragen stellte Margot Staab
Quelle: Main-Echo vom 10.03.05