Vielen Dank an die Teilnehmer hier, die mit differenzierten Beiträgen und nützlichen Links die Diskussion bereichern!
Als Frau, ehemalige Handballerin, Mutter von kindlichen und jugendlichen Handballer/innen, teilweise im Leistungsbereich, lässt mich der Umgang mancher hier mit diesem Thema kopfschüttelnd zurück.
Die Strukturen im Leistungshandball an sich machen es oft unmöglich, als Einzelne oder Gruppe sich gegen Mobbing, Missbrauch und Unterdrückung zu wehren.
Schon im Kindesalter wird dem Sport fast alles untergeordnet: Andere Hobbies, Geburtstage, Familienfeiern? Ein Spiel oder Training geht vor. Sucht sich jeder selbst aus, weiß man. Dadurch jedoch reduziert sich im Laufe der Jugend bei Vielen der Freundes- und Bekanntenkreis auf andere Handballspielende oder gar nur Mannschaftskameraden. ImLeistungssport sind die Sportlerinnen aber auch immer ein bisschen Konkurrenz untereinander, das liegt in der Natur der Sache.
Wer es ernst meint, wechselt in der Hochphase der Pubertät in ein Handballinternat oder zieht in Richtung eines Bundesligisten (wie ja z.B. Gino Smits fordert). Die eigene kleine Blase aus Familie und Freunden ist damit weit weg. Man steht unter Druck, sich zu beweisen und durchzusetzen. Die Familie hat auch viel Zeit und Geld investiert und soll stolz sein, auch wenn sie immer sagen, sie lieben Dich um Deiner selbst willen.
Wie gut kennen die Spielerinnen in diesen Bereichen sich? Meist nicht lange und auch nicht so gut. Die Kameradschaft in Umkleide und Spiel reicht vielleicht nicht, um den Mut zusammen zu nehmen, sich jemandem anzuvertrauen. Den Verantwortlichen gegenüber möchte man nicht als schwach und den Anforderungen nicht gewachsen wirken.
Dazu die erwähnte Konkurrenz. Man weiß seit der D-Jugend, dass die Leistung zählt und lernt, seine Bedürfnisse und Gefühle unterzuordnen. „Nebenbei“ haben Einige mit dem Wohnort auch die Schule gewechselt. Abschlussprüfungen oder Oberstufe kosten Kraft und Zeit.
Den Meisten fehlt durch diese Gegebenheiten der Rückhalt, sich aufzulehnen. Das kann ich keiner Spielerin vorwerfen. Auch nicht denen, die passiv bleiben.
Die wirkliche Charakterstärke haben die vermeintlich Schwächeren bewiesen, indem sie sich als Opfer geoutet haben, dafür gehört ihnen mein allerhöchster Dank und Respekt!
Wie es Andere hier auch schrieben: SCHULD sind ausschließlich die Täter und die Leute in Verantwortungspositionen, welche davon wussten und NICHTS getan haben oder auch Druck ausgeübt haben.
Wer aus Konkurrenzgründen, wie von jemandem beschrieben, geschwiegen/geholfen hat, ist menschlich etwas zwischen arme Wurst und Fiesling, aber nicht Ursache der Probleme. Ob das jetzt so überhaupt häufig der Fall war/ist, bezweifle ich persönlich.