25.11.2005 - Arnulf Beckmann - HBL
Nach seinem Rücktritt: Daniel Stephan im Interview
Es war ganz sicher die traurigste Handballmeldung der Woche: Daniel Stephan wird nie wieder für die Nationalmannschaft spielen. Der 32-jährige Lemgoer erklärte am Dienstag seinen Rücktritt. Der Welthandballer des Jahres 1998, der 2004 Europameister wurde und Olympia-Silber gewann, aber noch nie ein WM-Spiel absolvierte, zollt seinen zahlreichen Verletzungen Tribut. Über die Hintergründe äußerte sich Daniel Stephan in einem Gespräch mit handball-bundesliga.de.
Ihr Rücktritt kommt vor allem in dieser Phase für viele überraschend. Warum?
Daniel Stephan:
Das mag für außen Stehende überraschend erscheinen, aber schon seit rund einem Jahr plagt mich der Ellbogen. Ich hatte gehofft, dass die WM-Pause 2005 und die Sommerpause mir hinreichend Zeit zur Regeneration böten, aber es änderte sich nicht viel. Ich kann diesen Mittwoch/Samstag-Rhythmus durchstehen, wenn ich in der Woche nur wenig mit dem Ball arbeite. Aber drei Spiele an drei Tagen, das schaffe ich nicht mehr. Da blockiert der Ellbogen. Es gab Gedankenspiele, bei der EM nur jedes dritte Spiel zu bestreiten, aber das halte ich für unsinnig.
Wie fiel denn die Reaktion von Bundestrainer Heiner Brand und Ihren Mitspielern aus?
Daniel Stephan:
Mit dem Bundestrainer habe ich schon beim Supercup über meine Pläne gesprochen. Nach außen reagiert Heiner zwar nicht so emotional, aber der war schon schockiert. Schließlich wollte ich so gerne noch die WM 2007 im eigenen Land und Olympia 2008 in Peking spielen. Andererseits hat er meine Entscheidung voll akzeptiert. Ich hätte es schlimm gefunden, wenn er das nicht verstanden hätte, weil ich ein Super-Verhältnis zu ihm habe.
Ihre Verletzungsgeschichte klingt geradezu unheimlich: Immer pünktlich im Vorfeld einer WM streikte Ihr Körper. Glaubt man da an einen Fluch?
Daniel Stephan:
Nein! Aber es ist schon bitter und enttäuschend. Andererseits möchte ich rückblickend nicht das Negative dieser Zeit sehen. Ich habe mit der Nationalmannschaft viel Spaß gehabt, tolle Erfolge gefeiert, wurde Europameister, habe die Silbermedaille in Athen gewonnen und einfach eine tolle Zeit gehabt. Genau das möchte ich in Erinnerung behalten.
Gab es Order vom Verein, sich angesichts Ihres körperlichen Zustandes ganz auf denn TBV zu konzentrieren?
Daniel Stephan:
Überhaupt nicht. Ich habe im Verein lediglich mit meinem Trainer Volker Mudrow und mit meinem Teamkollegen Markus Baur über meine Rückzugspläne gesprochen. Beide haben mich in Ruhe meine Entscheidung fällen lassen. Klar, dass der Verein es durchaus positiv bewertet, dass ich mich nun ganz auf den TBV konzentrieren kann. Aber es gab seitens der Vereinsführung keinerlei Beeinflussung.
Sie hinterlassen eine Lücke, die nicht gleichwertig zu schließen sein wird. Welche potenziellen Nachfolger auf Ihrer Position sehen Sie?
Daniel Stephan:
Ich glaube fest daran, dass Markus Baur wieder zu alter Stärke zurückfinden wird und die Geschicke der Nationalmannschaft leiten wird. Auch Michael Kraus hat auf der Spielmacher-Position gewaltige Fortschritte gemacht, auch wenn er noch nicht über die große internationale Erfahrung verfügt. Er ist so weit, um auch in der DHB-Auswahl einen entscheidenden Schritt nach vorne zu tun.
Wie wird es im Verein weitergehen?
Daniel Stephan:
Noch habe ich einen Vertrag bis zum Jahr 2008. Ich werde hier weiterspielen, wie bereits geschildert und habe durchaus noch Großes vor mit dem TBV. Ich möchte in den kommenden Jahren noch einmal oben angreifen. Und wenn mein Ellbogen es zulässt und der Verein mich noch will, werde ich meinen Vertrag gerne noch einmal verlängern.
Angesichts der Tatsache, dass Sie noch kein WM-Spiel absolviert haben und die WM 2007 in Deutschland stattfinden wird, könnte doch ein Comeback – völlige Genesung vorausgesetzt – nicht ausgeschlossen sein.
Daniel Stephan:
Dazu bedürfte es eines Wunders. Und an Wunder glaube ich nicht.
Vielen Dank für das Gespräch.