Handelsblatt: Druck der Sponsoren auf WM-Organisatoren
Das WM-Organisationskomittee wird sich für die Vermarktung der XX. Weltmeisterschaft in Deutschland nun doch professionelle Hilfe holen. Nach der pannenreichen Auslosung am vergangenen Freitag soll nun eine Agentur ein Konzept umsetzen, damit die WM in Sachen Werbung und Medien in ein besseres Licht gerückt wird. Dies berichtet heute das Handelsblatt.
Bisher hatte der DHB Hilfe von Außen stets abgelehnt, so auch etwa die Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers für das Organisationskomittee. Stattdessen teilten vier DHB-Funktionäre die Aufgaben und den dafür vorgesehenen Etat von monatlich 8000 Euro unter sich auf. Dies sei effektiver als die hauptamtliche Hilfe von Außen, begründete erst im Winter DHB-Präsident Ulrich Strombach.
Nach der Pannenshow von Berlin scheint nun ein Umdenken forciert zu werden. Am Rande der WM-Auslosung präsentierten die beiden renommierte Düsseldorfer Agenturen Pleon und Gray Konzepte, wie man die WM und den Handball werblich und publizistisch flankieren könnte. Gefordert haben dies nach Angaben von Horst Bredemeier die beiden DHB-Sponsoren CMA und Eurohypo. "Wir haben diesen Vorschlag akzeptiert", sagte Bredemeier dem Handelsblatt, es werde gerade "ein Paket maßgerecht geschneidert". Mit einem Zuschlag ist in den nächsten Wochen zu rechnen.
Der DHB hatte stets argumentiert, dass im Vorfeld der Fußball-WM eine Marketingoffensive in Sachen Handball untergehen würde. Kaum verwunderlich, dass nach einer Studie des renommierten Marktforschungsinstituts "Sport und Markt" aus dem Frühjahr nur fünf Prozent der deutschen Bevölkerung von der WM im eigenen Land wüssten. Diese haben aber immerhin 90.000 der etwa 300.000 Eintrittskarten geordert, die Spiele der DHB-Auswahl sind größtenteils ausverkauft. Doch eine WM-Euphorie außerhalb der Handball-Szene konnte man bisher nicht auslösen.
Noch sind gut fünf Monate Zeit, um das Ruder herumzureißen. Bereits vor 10 Monaten machte der deutsche Immobilienfinanzierer Eurohypo den Verband ausdrücklich auf erhebliche Defizite im Marketing der WM aufmerksam. "Das von Ihnen vorgelegte Marketingkonzept hat m.E. noch Schwachstellen bei Zielgruppenauswahl, Marketingmix und Reichweite in verschiedenen Medien, speziell dem Fernsehen", heißt es in einem Eurohypo-Fax vom 21. September 2005 an Bredemeier, aus dem das Handelsblatt zitiert.
Die Eurohypo, die Trikotsponsor des Verbands ist, regte darin die Gründung einer Marketing-GmbH an, "die die Organisation der WM unter Führung eines Marketing-Professionals übernimmt", und wollte dafür auch selbst "Ressourcen einbringen (Agentur, Personen, finanzielle Mittel)".
Als am Freitag Horst Bredemeier einem anwesenden Marketingleiter eines Sponsors die Gründe für die Pannen bei der Auslosung erklären wollte, herrschte der diesen an: "Allen, die das zu verantworten haben, müsste gekündigt werden. Jetzt haben Sie hoffentlich begriffen, dass Sie professionelle Hilfe von außen benötigen."
Quelle:handball-world.de