""Wäre es fair, die Höchststrafe auszusprechen?"
Hamburg/München - Am Dienstag trifft der HSV in der Bundesliga auf Gummersbach. Das Spiel gerät angesichts der finanziellen Situation des Bundesligisten fast schon in den Hintergrund.
Die Liga droht mit Punktabzug, die Zukunft des Klubs steht in den Sternen - dennoch gibt in der Hansestadt niemand auf.
Sport1 sprach mit Trainer Bob Hanning über die sportlichen Erfolge, die Problembewältigung und die Hoffnung, das Projekt Handball in Hamburg am Leben zu erhalten.
Sport1: Herr Hanning, wie sitzt es sich auf der Bank des HSV?
Bob Hanning: Eigentlich stehe ich ja 60 Minuten lang. Aber im Ernst: Es sitzt sich nach wie vor gut. Wir sind sportlich erfolgreich und versuchen, uns als Mannschaft nicht von den Ereignissen beunruhigen zu lassen, auch wenn das nicht einfach ist.
Sport1: Erst recht, wenn man in die Hamburger Zeitungen schaut.
Hanning: Ich habe aufgehört, Zeitungen zu lesen.
Sport1: Sicher aber spricht man doch in der Mannschaft über die Situation.
Hanning: Natürlich. Trainer und Mannschaft bilden da eine Einheit. Es gibt Gesprächsstoff und -bedarf. Wir stimmen aber unsere Vorgehensweise intern ab. Und: Der Sport steht im Vordergrund. Wir alle arbeiten an Lösungen, und unsere als Mannschaft kann nur der Erfolg auf dem Feld sein.
Sport1: Auch, wenn kein Geld fließt?
Hanning: Es geht für uns nicht darum, dass wir das Gehalt pünktlich bekommen. Wir verdienen als Profis genug, um kurzfristig keine Probleme zu haben. Es geht uns um den Weg des Projektes. Den müssen uns die Verantwortlichen aufzeigen. Sportlich tut die Mannschaft doch alles, was in ihrer Macht steht. Wo wir stehen, ist fast unglaublich, wenn man sieht, was für Verletzungsprobleme wir haben. Das zeigt den Charakter der Jungs.
Sport1: Damit kann es aber bald zu Ende sein. Die Liga will dem HSV wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen Punkte abziehen. Acht Zähler könnten es im Höchstfall sein.
Hanning: Ich kann nur betonen, dass wir als Mannschaft an dieser Situation nichts ändern können. Deswegen werden wir uns auch nicht damit beschäftigen. Wir versuchen, möglichst viele Punkte zu holen. Es werden sowieso die Falschen bestraft. Man sollte bedenken, dass der HSV alle Auflagen erfüllt hat, nur die testierte Bilanz nicht eingereicht hat. Wäre es da fair, die Höchststrafe auszusprechen? Nein, das wäre sportlich nicht korrekt. Und ich will auch nicht glauben, dass es so weit kommt.
Sport1: Wirklich nicht?
Hanning: Nein. Natürlich ist klar, dass die Ursache der Situation der HSV ist, nicht die Handball-Bundesliga HBL und nicht deren Vorsitzender Bernd-Uwe Hildebrandt. Das verwechsle ich nicht. Aber es kann doch auch nicht sein, dass Mit-Konkurrenten über Strafen entscheiden. Und dann hört man hinter vorgehaltener Hand, im Pokal könnte es ja auch das Spiel Magdeburg gegen Flensburg geben (Hamburg besiegte den SC Magdeburg im Achtelfinale und trifft nun auf Flensburg, Anm. der Red.).
Sport1: Wie sieht die Lösung denn aus?
Hanning: Das weiß ich nicht. Wir werden akzeptieren, was kommt. Aber es sollte Gespräche mit der Liga geben. Man hat doch an den Fällen Gummersbach und Nordhorn gesehen, wie wichtig es ist, attraktive Standorte zu erhalten. Und ein HSV mit neuer Struktur ist eine nicht verzichtbare Alternative für die Bundesliga.
Sport1: Dennoch beeinträchtigt die Situation in Hamburg das Image der Liga.
Hanning: Hamburg hat dem Handball durch seine Negativschlagzeilen geschadet. Das ist so. Dennoch hat der HSV dem Handball in den vergangenen Jahren auch sehr geholfen. Das darf man nicht vergessen. Deswegen sollte sich jeder darüber Gedanken machen, ob es nicht wert ist, dem HSV wie Gummersbach oder Nordhorn zu helfen.
Sport1: Andere Vereine sind bereits "scharf" auf die HSV-Stars.
Hanning: Klar. In dieser Mannschaft muss sich keiner Gedanken über die Zukunft machen. Aber das ist derzeit kein Thema. Ich persönlich habe alle Gespräche mit anderen Klubs abgelehnt. Mir geht es um den Verein. Ich bin zu 100 Prozent beim HSV. Das ist mein Job, das ist meine Leidenschaft. Für diesen Verein schlägt mein Herz.
Das Gespräch führte Michael Schwartz"