HANDBALL / Bundesliga
21.07.2006
Nordhorner Flirt mit Bremen?
München/Nordhorn - Wirbel um die HSG Nordhorn: Mitten in die Vorbereitung auf die neue Saison platzen Gerüchte über einen Flirt der Grafschafter mit Bremen.
Ausgelöst wurden die Spekulationen durch einen Bericht der "Grafschafter Nachrichten". Unter der Überschrift "Zieht die HSG Nordhorn nach Bremen?" schreibt die Zeitung über Gerüchte, es gebe Überlegungen, einige Bundesliga-Spiele in der Hansestadt auszutragen.
Am Ende könnten die Niedersachsen vielleicht sogar ganz an die Weser ziehen.
Holger Glandorf, Nationalspieler in Reihen der HSG, hat von den Gerüchten gehört. "Was dran ist, weiß ich nicht", sagte der Rückraumspieler Sport1.de. In der Mannschaft seien diese Spekulationen natürlich ein Thema. "Wir lassen alles auf uns zukommen", sagte Glandorf. "Ich sehe das ganz locker."
Hintergrund der aufgekommenen Gerüchte sind wirtschaftliche Probleme bei der HSG. Zwei Sponsoren mittlerer Größe haben ihr Engagement zur neuen Saison eingestellt, berichten die "Grafschafter Nachrichten". Ersatz wurde noch nicht gefunden.
Ablösesumme für Vranjes
Von 15 bei der HSG trainierenden Profis stehen derzeit erst zwölf fest unter Vertrag. Zudem ist der Klub mit Gehältern im Rückstand, wie die Zeitung schreibt.
Offenbar wird die fällige Ablösesumme für Ljubomir Vranjes Abhilfe schaffen. Flensburg soll diese im August überweisen.
Bei der HSG wird an Wegen aus der Misere gearbeitet. "Noch ist nichts konkret passiert", werden Berend Greven, Geschäftsführer der HSG-Marketinggesellschaft, Gerd Schütte, Sprecher des HSG-Beirats, und Manager Bernd Rigterink unisono zitiert.
"Noch ist nichts konkret"
Es gebe Gespräche mit Sponsoren, "auch mit größeren von weiter weg", so Greven. "Die haben auch mal den Wunsch geäußert, das eine oder andere Spiel in einer großen Arena auszutragen. Und wenn es die Möglichkeit gebe, müsste man das vielleicht tun. Aber noch ist nichts konkret."
Durch Spiele in großen Hallen würden die Zuschauereinnahmen gesteigert und der Klub wäre attraktiver für potenzielle Sponsoren.
Hier kommt Bremen ins Spiel. Der AWD-Dome fasst fast 10.000 Zuschauer und ist einer von zwölf WM-Standorten. Claus Kleyboldt, Geschäftsführer der Hanseatischen Veranstaltungs-GmbH im Geschäftsbereich Sport und Entertainment, war am Freitag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.
"Kämpfen für Nordhorn"
Schütte erklärte der Zeitung, Bremen könnte eine Option sein: "Dem Zug der Zeit folgend, würden wir auch gerne einige Spiele in einer der größeren Hallen bestreiten. Und da haben wir darüber diskutiert, ob Bremen eine Lösung wäre."
Rigterink dagegen sagt entschlossen: "Wir wollen in Nordhorn bleiben und dafür kämpfen wir."
Mahnendes Beispiel
2003 hatte es Gespräche zwischen Nordhorn und Hannovers damaliger "Preussag-Arena" gegeben. Die scheiterten in letzter Sekunde.
Glandorf denkt bei diesen Szenarien an das mahnende Beispiel Minden. Die Partnerschaft mit der "TUI-Arena" in Hannover wurde nach wenigen Monaten wieder beendet. "Das hat ja nicht gut geklappt", erinnert sich Glandorf. "Man muss auch sehen, ob die Fans das mitmachen."
Immerhin 160 Kilometer trennen Nordhorn und Bremen.
Trotz des Rückschlags von Minden liegt die Zukunft des Handballs aber in den großen deutschen Städten, in den großen Hallen. Hamburg, Kiel, Gummersbach/Köln, oder Kronau-Östringen/Mannheim investieren kräftig in ihre Teams.
Bremen hat die Infrastruktur. Fehlt nur noch der Klub. Noch.
Michael Schwartz