Der größte Unterschied bei Knorr ist für mich nicht bei den (spielerischen) Fähigkeiten, sondern bei der Mentalität. Er macht einfach weiter. Was man häufig bei den Unterschiedsspielern in der Liga sieht ist die Fähigkeit einfach zu Probieren bis es funktioniert und sich durch Rückschläge, die alle haben, nicht verunsichern zu lassen. Das scheint Knorr zu haben und viele andere, die gute körperliche Voraussetzungen haben, wiederum nicht. Man sieht leider viel zu selten junge Spieler, die wirklich das notwendige Selbstvertrauen haben, selbst den Ton anzugeben, auch wenn drumherum alles etablierte Spieler sind. Auf den Außen funktioniert das meist besser, weil offene Würfe möglich sind, wo es dann 100%ig klar ist, dass man den selbst nehmen kann und keiner meckern wird, dass man sich vlt. einen dummen Wurf genommen hat, wenn er nicht reingeht. Knorr scheint die Fähigkeit zu haben, dass ihm das egal ist und das bringt ihn weiter.
Beiträge von brodie79
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Ganz so einfach ist die Materie nicht. Im Basketball und Eishockey hat man in den letzten 20 Jahren diese Kanabilisierung eingefürt, weil man international nicht mehr richtig konkurrenzfähig war. Vor allem in der Breite das hat dazu geführt, dass in beiden Sportarten die indidividuelle Qualität der Spieler enorm nach oben gegangen ist. Nicht nur die Anzahl der Spieler in den Top-Ligen NBA und NHL, sondern es sind auch wirkliche Topspieler dabei. Heißt aber natürlich nicht zwangsweise auch Erfolg in der Nationalmannschaft. Im Fußball hatte man in den 90ern auch geguckt, warum Deutschland vor allem in der individuellen Qualität so zurückfiel und die Einführung der NLZs beschlossen, was dann auch einen enormen Aufschwung in der Qualität der Spieler brachte. Selbiges erlebte man auch in Einzelsportarten, z.B. im Wintersport, wobei die Talente sehr bewusst an die Stützpunkte gehen, um bereits im Training jeden Tag den Vergleich mit anderen Top-Talenten zu haben. Im Schwimmen gab es aufgrund der ausbleibenden Erfolge vom ehemaligen Bundestrainer den Versucht diese Zentralisierung von Talenten zu erreichen am Vorbild anderer Nationen, aber das scheiterte am Widerstand der Athleten ihren Standort zu wechseln.
Für mich ist eher der Faktor Trainer bei den Profi-Teams der entscheidende. Bis zum Sprung in den Männerhandball ist Deutschland auch nicht so unerfolgreich, aber dann stagniert viel. Hast du Trainer und Verantwortliche die junge Spieler fördern und fordern wollen und das auch können, dann entwickeln sich die jungen Spieler auch in den Profibereich hinein. Für mich ein schönes Beispiel Alba Berlin im Basketball. Die hatten immer eine exzellente Jugendarbeit, aber es kam nie was bei rum. Sie versuchten immer den Erfolg zu erkaufen, den sie mal hatten. Aber so richtig gelang das nicht. Dann holten sie einen alten spanischen Trainer Aíto García Reneses, der als Entwickler von Talenten bekannt und sehr erfolgreich war und der ließ plötzlich selbst 16-jährige Talente einfach spielen, vertraute ihnen, ließ sie auch mal Fehler machen. Das gab es im deutschen Basketball vorher einfach nicht. Er hatte die Reputation und das Vertrauen im Verein und siehe da, es ging was angeblich nicht gehen konnte. Er war auch mit dem Einsatz von Talenten erfolgreich und es folgten ein paar deutsche Meisterschaften. Für ihn war das selbstverständlich, die Talente auch einzusetzen und zu fördern. Der hat gar nicht verstanden, warum das in Deutschland nicht normal war.
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Die Wahl von Gislason ist doch eine Wahl für einen Trainer, bei dem man geglaubt oder mindestens gehofft hat, dass der Name und Reputation dafür sorgt, dass die Dinge wieder geordnet laufen und nicht so disfunktional wie unter Prokop. Eine spielerische Entwicklung war eigentlich nicht zu erwarten. Wenn man sich ansieht, dass der THW nach dem Wechsel zu Jicha spielerisch klar besser wurde ohne dass der THW spielerisch überzeugt, dann wäre es schon irgendwie verwunderlich, wenn Deutschland dort jetzt überzeugen würde. Ich bin ehrlicherweise nicht sicher, ob man beim DHB wirklich an dem Punkt ist, wo man klar sieht, wo die Spielerqualität wirklich ist. Irgendwie habe ich immer den Eindruck, dass man dort glaubt bei den Top-Nationen zu sein, durchaus die Spieler für Turniersiege zu haben, wenn nur alle mitziehen, was man glaubt mit Gislason zu bekommen.
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Leipzig hatte auch im gebundenen Spiel sehr wenige Schwierigkeiten. Als der THW dann mal die Intenstität mitten der zweiten Halbzeit erhöht hat, wie sie 60 Minuten sein müsste, mussten sie auch richtig Arbeiten. Ansonsten waren sie ab und an übermüdig und haben sich so hier und da einen Ballverlust erlaubt, aber sie haben fast alle Würfe sehr unbedrängt und offen bekommen. Sie haben vor allem Reinkind bzw. den Raum davor und dahinter sehr konsequent attackiert, weil Reinkind nur sehr selten den Überblick in der Abwehr behält. Im Normalfall spielt dann entsprechend auch Weinhold. Weil Leipzig gar nicht so viel körperlich ackern musste, waren sie dann am Ende auch nicht so platt, wie sie es mit dem kleinen Kader eigentlich sein müssten, was dann wiederum Kiel hätte ausnutzen können. Dass der THW es kann, zeigen sie immer wieder. Aber sie zeigen sie es in dieser Saison in fast jedem Spiel nur phasenweise oder gar nicht.
Kiel ist bereits seit einiger Zeit darauf angewiesen, dass der Torhüter jede Menge völlig offene und freie Bälle hält, weil die Abwehr es so gut wie nie schafft den Gegner in schlechte Würfe zu zwingen, wo dann der Torhüter gut aussehen kann. Das musste Saeveraas heute auch. Da waren viele Paraden von ihm dabei, die er nicht jede Woche macht, wo die Abwehr von Leipzig nicht gut aussah. Mit einem weniger guten Tag von ihm gewinnt der THW das möglicherweise recht souverän. Dass ist aber für die Möglichkeiten, die Leipzig hat, völlig in Ordnung und stark.
An der Stelle des THW muss man sich aber schon fragen, ob der Kader so strukturiert ist, dass er den Anforderungen wirklich gerecht wird. Mir fehlt beim THW häufig, dass sie konsequent richtig giftig und gallig sind an den Stellen, wo es sinnvoll ist. So ein wiederholter Ausraster von Sagosen ist die falsche Stelle. Das ist nicht das erste Mal, dass er seiner Mannschaft mit so einer Undisziplinierheit massiv geschadet hat. Für mich verwaltet der THW viele Spiele im Vertrauen, dass sich am Ende die Qualität schon durchsetzt. Grundsätzlich sind sie die letzten Jahren damit nicht unerfolgreich gewesen, aber eigentlich sollten die finanziellen Möglichkeiten des THW zulassen, dass der Kader breit genug ist, dass man in jedem Spiel mehr Gas geben kann, als man das häufig sieht. Ist zumindest so mein Eindruck.
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Fun Fact des heutigen Spieltags: DIe Kieler Torhüter halten in Kombi drei Bälle mehr als die Magdeburger. Aber die Magdeburger spielen halt mit Intensität und Leidenschaft Abwehr, der THW nicht. Die Offensive ist nicht das Kieler Problem, egal wie eindimensional sie aussieht.
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Inhaltlich aber völlig richtig. Wenn bei -2 eine machbare Parade kommt und dann nicht der Ballverlust direkt nach dem Anwurf, dann geht es vlt. sogar anders aus und man hätte vlt. wieder mal den Kopf aus der Schlinge gezogen, wie so häufig. Wäre völlig unverdient gewesen, aber da fragt hinterher auch keiner danach. Solche Spiele muss man irgendwie ziehen. Man muss sich nur ansehen, wieviele Duselsiege die jeweiligen Meister in den letzten Jahren immer hatten. Das ist dann auch eine Qualität.
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Die Option müsste aber normal im deutschen Arbeitsrecht für beide Seiten gelten, d.h. wenn Gerard den Vertrag um ein verlängern will, dann kann er das machen. Soweit ich weiß müssen beide Partein bei Optionen dieselben Rechte haben. Insofern dürfte der THW nicht ohne Abfindung den Vertrag nach einem Jahr beenden, wenn Gerard nicht will.
In dem Sportschau-Beitrag über Wolff hat dieser gesagt, dass er in der Zeit beim THW gemerkt hat, dass die permanente Dauerbelastung von Spielen alle paar Tage ihn in seiner Leistungsfähigkeit geschadet hat, weil er unbedingt immer spielen wollte und auch immer den Leistungsdruck gespürrt hat, den er sich wahrscheinlich selbst am meisten gemacht hat. Ich schätze mal, dass in der Theorie auch in Kielce nicht viel weniger Spiele sind, aber entsprechend klar ist, dass er in vielen Ligaspielen nicht spielen muss und entsprechend mental auch anders an solche Spiele geht. Inwieweit sowas in der Bundesliga, egal wo, möglich ist, ist dann natürlich auch die Frage. Normal würde man sicher auch in den meisten Ligaspielen von einem Wolff Topleistung erwarten, wenn der 2. Torhüter vlt. nicht funktioniert und die Niederlage droht. Da wird man eher nicht entspannt in die meisten Ligaspiele gehen können.
Aber vlt. lässt er den Druck mittlerweile wirklich nicht mehr so an sich ran und dann sollten die Spiele auch nicht mehr so eine (mentale) Dauerbelastung sein, was ihn offenbar in seiner Leistungsfähigkeit schon eingeschränkt hat.
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Wobei das Spiel eher wegen der Magdeburger in die Verlängerung ging. So wirklich ein Mittel, einen Fluss hat der THW eigentlich nie gefunden. Es war selbst beim Aufholen nur Stückwerk. Und dann hat sie noch Portner lange im Spiel gehalten. Da waren schon Tore beim THW dabei, die hat man sonst nur mit Quenstedt im Tor beim Gegner vom Kiel gesehen.
Immer wenn man versuchen will zu spielen, steigt die Fehlerquote derart an, dass man den Eindruck hat, dass sich Leute fürs Spiel getroffen haben, die noch nie zusammengespielt haben. Klar, der THW hat seinen Weg zu spielen und die individuelle Qualität reicht dann selbst gestern für ne Verlängerung, aber ob man wirklich mit so wenig Mannschaftsspiel noch um Titel mitspielen kann, sehe ich irgendwie nicht. Das betrifft vor allem auch die Defensive. Wie man gestern die ersten 15 Minuten mit so wenig Intensität, so wenig Biss in ein solches Spiel gehen kann, verstehe ich nicht. Wenn es am Ende dann nicht reicht, weil Kräfte alle, WM, usw., aber doch nicht zu Beginn.
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Aus einem solche Grunde war Weber auch schon mal raus unter Gislason. Jetzt ist er wieder dabei, und wenn er jetzt nicht völlig blufft, kann er weiterhin keine Abwehr. Insofern wäre ein konsequenter Verzicht auf Weber dann auch nachvollziehbar und konsequent. Aber mal so und mal so macht da keinen Sinn.
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Duvnjak (34), kam 2014 mit 26
Dissinger (30/31) kam 2015 mit 23
Nilsson (25/26), kam 2016 mit 21
Bilyk (25/26) kam 2016 mit 21
Zarabec (30/31) kam 2017 mit 25
Kristjansson (23) kam 2018 mit 19
Sagosen (27) kam 2020 mit 25
Schon alleine, wenn es mit Dissinger und Nilsson so funktioniert hätte, wie erhofft, würde es doch heute ganz anders aussehen. Mit Gisli dasselbe. Gleichzeitig sieht man, dass es kein Automatismus ist. Bei Gisli kann man aus heutiger Sicht sagen, dass es nach dem THW richtig nach oben ging, aber sowohl Dissinger als auch Nilsson haben doch nicht ansatzweise (bisher) die Karriere machen können, die man ihnen gewünscht hätte.
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Als Jicha übernommen hat, wollte er vor allem das Spiel schneller machen, konsequent zweite Welle laufen, usw. Nach der Corona-Meisterschaft in seiner ersten Saison ist er gefühlt davon weit abgerückt. Mittlerweile redet er viel von Kräfte schonen und verteilen. Die Argumentation für das 7:6 war auch immer, dass man damit mit weniger Aufwand zu Toren kommt. Das scheint bei ihm mittlerweile das allbeherschende Thema zu sein. Prinzipiell scheint vieles darauf ausgerichtet zu sein, dass man am Ende der Saison oder auch in Finalwochenenden zum Schluss mehr zusetzen kann als der Gegner. So ganz unerfolgreich ist es rein von den Titeln betrachtet auch nicht, aber ob das immer so klappt ist natürlich die Frage.
Es fällt aber schon in den letzten Jahren auf, dass in Spielen wo nichts geht, diese dann auch recht konsequent abgeschenkt werden. Vor allem natürlich in der Champions League Gruppenphase. Ob das wirklich nur am Trainer liegt, ist schwer zu sagen, aber in den Auszeiten dieser Spiele hat man nicht das Gefühl, dass Jicha nicht damit leben kann, dass es auch mal gar nicht läuft. Er sagt eigentlich nur konsequent Spielzüge an und sonst wenig. Danach spricht er dann viel über Belastung, usw. Er scheint da schon die Überzeugung zu haben, dass solche Spiele einfach passieren aufgrund hoher Belastung ohne große sicht- oder hörbare Konsequenzen. So wirklich überzeugend ist das für mich nicht, aber wie gesagt: Unerfolgreich ist er nun nicht.
Vom Spielstil kann auch wenig anderes passieren. Immer, wenn der THW versucht schnell zu spielen oder kreativ zu werden, handeln sie sich enorm viele Ballverluste ein. Das ist sicher auch ne Frage der Abstimmung und Trainings, aber man hat schon das Gefühl, dass ein Großteil der Spieler für so eine Art Handball nicht gemacht ist. Da ist dann wirklich die Frage, welchen Typen von Spielern man in Zukunft holen will. Für mich z.B. eine spannende Frage, ob man einen Sagosen geholt hat, weil er genau die Art von Handball verkörpert, die man sich vorstellt oder ob die Aussicht einen Sagosen zu bekommen, dafür gesorgt hat, dass diese Art von Handball gespielt wird.
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Man sieht beim THW schon, dass bswp. ein Johansson als aufstrebender Spieler einen anderen Willen ausstrahlt als einige drumherum. Und das fehlt mir bei Jicha als Trainer, zumindest im Spiel. Die Auszeiten sind immer nur Jugo 4, Aalborg links, usw. Und den Rest müssen die Spieler schon selbst machen. Gestern hat er das Spiel auch damit erklärt, dass die Spieler eben die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Das mir irgendwie zu wenig. Ich erkenne bei ihm irgendwie nicht, dass er Wege findet einem Spiel eine Wende zu geben. Und das ist keine ganz neue Entwicklung. Schon in den Spielzeiten zuvor war zu oft der Faktor Landin der größte für den Erfolg. Es kann da nicht der Anspruch vom THW sein, dass man das Torhüterduell gewinnen muss, um Spiele zu gewinnen.
Eigentlich weiß man immer, was der THW machen wird. In der Abwehr wird irgendwann auf das 3:2:1 umgestellt und offensiv auf 7:6. That's it. Das kommt fast schemenhaft. Ich kann mich irgendwie lange Zeit an kein Spiel mehr so richtig erinnern, wo man so den Eindruck hatte, dass etwas den Gegner so richtig vor Probleme gestellt hat, weil es vlt. auch etwas unerwartetes war. Vor einiger Zeit gab es mal ein Spiel gegen (ich glaube) Flensburg, wo man plötzlich einen offensiven Halben mit Landin in der Abwehr ausgepackt hatte, wo dann der Gegner gar nicht so richtig wusste, was er da machen muss. Hat er am Ende auch nur kopiert, aber das war mal etwas, wo man dachte: Da hat man sich mal was überlegt, um den Gegner vor unerwartete Aufgaben zu stellen.
Ist eine schwierige Sache wahrscheinlich. Unter Jicha spielt der THW schon deutlich besser als unter Gislason. Das sah eigentlich zu Beginn der Amtszeit von Jicha nach einer richtigen Verbesserung aus, aber irgendwie stagniert es gerade doch sehr vom Coaching her.
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Und genau das ist NICHT mehr regelkonform, zu spät dran und trotzdem hinlangen ist dann eben (oftmals) strafbar und Größe und Masse keine Entschuldigung, umgekehrt ja auch nicht.
Und damit wird es zwangsläufig zu einer Veränderung der Spielertypen kommen. Die kleineren Spieler können sicher damit eben alles erlauben und die Großen nicht. Im Basketball hat man das auch gesehen. Da gibt es auch den Spielertypen Groß und Breit fast nicht mehr, weil die Regeln der Verteidigung entsprechend angepasst worden sind, um die kleineren, oft spektakuläreren Spieler mehr zur Geltung kommen zu lassen.
Mir ging es darum aber auch nicht zwangsläufig. Das ist eine Evolution, die sicher so oder so kommen wird. Ich fand es nur immer komisch, dass der THW so als Kloppertruppe hingestellt wurde von der Mentalität her. Wenn man da im Spiel so sieht, wie eigentlich alle spielen, fand ich das immer weird.
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Wenn das wirklich so sein sollte, dann wird es noch mehr Niederlagen geben, also ich meine, mehr als erwartet oder gedacht werden. Dann könnte die Saison tatsächlich nach dem momentanen Gefühlen von User Kar verlaufen. Es kann doch nicht der Anspruch eines Top-Teams sein, nur mit zusätzlichen Feldspieler zu Torwurfchancen zu kommen. Bei den Spielern sollte man doch erwarten dürfen, dass sie auch im 6:6 erfolgreich abschließen können. Möglicher Weise hätte es heute ohne 7:6 durchaus knapper zugehen können. Ich habe nachher nicht mehr mitgezählt, aber wie oft haben die Füchse den Ball ins leere Tor geworfen
. Das war ne Leerstunde, wie man verteidigt, wenn der Gegner ohne TW spielt. Jicha fiel ja auch nix weiteres ein, als an diesem brotlosen 7:6 festzuhalten.
Die Füchse mit ner Machtdemonstration. Halten sie dieses Level bis zur Winterpause, könnte es den von Rheiner prognostizierten Durchmarsch doch noch geben, nur halt durch ein anderes Team. Das schöne am Handball ist aber, dass nichts sicher ist und Überraschungen bzw. unerwartete Ergebnisse (Lemgo heute) immer möglich sind.In der Tat ist das etwas, was mich seit ich Handball jetzt die letzten Jahre verfolge, immer etwas verwundert hat. Unter Gislason am Ende war das beim THW sogar noch schlimmer als aktuell. Da hätte jeder hier als Außen (zumindest offensiv) beim THW spielen könen. Einen Ball hätte eh niemand gesehen. Als Jicha übernommen hatte, gab es den Versuch die Varianz im Spiel zu verbessern, aber so richtig hatte man nicht das Gefühl, dass sich das irgendwo hinentwickelt. Spätestens seit Sagosen da ist, spiel Kiel sehr viel Hero-Ball, wie es im Basketball so schön heißt. Gerade der Erfolg in der Champions-League mit kompletten Spielen im 7:6 hatte zur Folge, dass man sich gefühlt etwas darauf ausruht, dass man immer dieses Mittel hat, was sogar für einen CL-Triumpf gereicht hat. Kann man vielleicht sogar etwas nachvollziehen, aber so von außen würde man von einer Spitzenmannschaft da mehr erwarten.
Bis zu dieser Saison gab es noch die Option mit Zarabec auf der Mitte als ganz anderen Spielertyp, um Abwechslung ins Spiel zu bringen. Aber Zarabec wirkt gerade komplett neben der Spur. Er war jetzt sowieso nie konstant gut, sondern es reicht nur zu vereinzelten guten Spielen, wobei auch mal richtige Highlight-Spiele dabei waren. Ich weiß nicht, wie die Verletzung da reinspielt, aber so für mich wirkt es so, als habe er sich etwas ins Abseits befördert als Alternative für ein 6:6. Kann sich aber natürlich auch wieder ändern, wenn es vielleicht wirklich Nachwirkungen der Verletzung waren.
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Man konnte schon gut sehen, dass die Schiedsrichter bemüht waren, das Meckern und Fordern von Strafen sehr rigoros zu bestrafen. Als ich angefangen habe, mehr Handball zu gucken, war ich schon sehr erstaunt, wieviel sich die Spieler und Trainer leisten können im Gegensatz zum Basketball, wo ich eher zuhause bin. Da gibt es sehr viel schneller ein T für entsprechende Reaktionen. Da muss man auch nichts sagen. Schon alleine eine deutliche, optische Reaktion reicht da häufig. So wirkte das in dem Spiel auch. War ich auch sehr erstaunt, dass die Reaktionen auf Schiedsrichterenstscheidungen (oder deren Ausbleiben) mal so direkt bestraft wurden.
Ich finde so als fachfremder auch immer erstaunlich, dass dem THW so eine Härte in der Abwehr zugeschrieben wird. Was man in den Spielen sieht, ist, dass die Gegner vom THW meistens versuchen den Mangel an Größe und Masse durch entsprechende Athletik, Agilität und Geschwindkeit zu ersetzen. Wenn sie das haben, dann sind die THW Spieler entsprechend später dran aufgrund deren Größe und Masse. Kommt es dann zum Kontakt, sieht das sehr spektakulär aus, weil Größe und Masse ihren Effekt voll entfalten. Manchmal sieht es fast behebig aus beim THW in der Abwehr, wenn Teams wie Magdeburg, usw. entsprechend mit Vollgas draufgehen. Dass man dann als Angreifer auch mal richtig aberäumt wird, gehört dann sicher auch mit zum Konzept.
Wenn man jetzt dem THW eine Überhärte unterstellt und entsprechend bestraft, würde das am Ende heißen, dass so große Spieler eigentlich gar nichts mehr machen dürfen in der Abwehr. Man kann auch irgendwie nicht erwarten, dass sie dann einfach akzeptieren, dass sie überlaufen werden. Auf der anderen Seiten sind gerade die Gegner vom THW oft viel aggressiver und härter in ihren Aktionen, was aber aufgrund der umgedrehten Größen- und Massenverhältnisse sehr harmlos aussieht. Das muss auch so sein, weil sie sonst wenig entgegenzusetzen hätten. Auch das ist eine vollkommen richtige und logische Herangehensweise, um den eigenen Nachteil zu kompensieren, an der nichts auszusetzen ist.
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Das 7:6 ist im Grunde das einzige, wodurch Kiel offensiv in vielen Spielen zu guten Abschlüssen kommt. Aus dem 6:6 ist das Spiel viel zu häufig zu statisch, zu viele Einzelaktionen. Normal funktioniert das 7:6 bei Kiel immer recht gut, weil sie wenig den Ball verlieren bzw. gut nach einem Abschluss wieder wechseln. Heute aber viele Ballverluste und offene Würfe nicht drin, dann gibt es entsprechend Gegentore. So insgesamt wirkte Kiel deutlich langsamer, sehr müde (im Kopf) und hatte der Intensität von Berlin nicht so richtig was entgegenzusetzen. Gegen Hannover reicht dann Intenstität am Ende anziehen noch, aber nicht in so einem Spiel.
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Wobei Mrkva in Hannover auch reinkam und gleich einen wichtigen Impuls gegeben hat. Das hat Quenstedt leider irgendwie komplett gefehlt. In manchen Spielen hat er sich über die Dauer des Einsatzes reingespielt und dann auch durchaus okay gehalten, aber dass er mal reinkam, wenn Landin nichts hält und dann durch 2,3 Paraden dem Spiel eine Wende gibt, gab es in der ganzen Zeit - zumindest gefühlt - gar nicht. Das gipfelte dann daran, dass man gerade in der letzten Saison wusste, dass selbst wenn Landin nicht hält, Jicha eher darauf hofft, dass er das doch nocht anfängt als Quenstedt eine Chance zu geben.
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Als der THW etwas mehr Intensität und Mrkva in die Abwehr gebracht hat, hat Hannover dann das Flattern angefangen. Man merkte, dass sie nicht damit umgehen konnten, dass plötzlich richtig Druck da war. Mrkva hatte zwischenzeitlich 5 von 8 gehalten. Landin hatte aber lange auch fast 40%. Gegen den THW funktioniert oftmals eine sehr defensive Abwehr sehr gut, die den Kreis als Anspielstation wegnimmt, Einläufer verhindert und dabei in Kauf nimmt, dass der Rückraum werfen kann. Dann gibt es fast keine Bewegung mehr, nur noch Haudrauf. Da hat man manchmal das Gefühl, dass man dann gar keine Ahnung hat, was man tun soll, außer 7 gegen 6.
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Im Podcast konnte man ganz gut hören, dass er weiß, dass das alles kein Selbstläufer wird, sondern eine riesen Menge Arbeit sein wird, aus dem Dienst etwas wirtschaftlich funktionierendes zu machen. Seine Hauptmotivation hat er zumindest eher unter dem Gesichtspunkt dargestellt, aus den Sportarten mehr zu machen mit seinem Glauben über das bisher eher verkannte Potential der Fanbindung der Sportarten abseits von Fußball. Etwas etwas merkwürdig waren seine Formulierungen zu Springer. Das klang bei ihm so, als wüsste er auch nicht so genau, was sich Springer genau überlegt hat, warum sie das machen. Aber da wollte er wahrscheinlich nur nichts genaueres erzählen über die zumindest geplannte Wirtschaftlichkeit, was dem Projekt dann ggf. irgendwann auf die Füße fallen können.
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Wobei man sagen muss, dass der THW in den letzten Jahren in der Gruppenphase immer wieder Spiele drin hat, wo man hinten komplett offen ist. Vor nicht mal zwei Jahren z.B. 41 Tore in Veszprem. Letzte Saison zuhause 36 Gegentore gegen Elverum, 37 in Montpellier, 35 in Aalborg. Die Spiele in der Gruppenphase sind häufig mal solche High-Score-Spiele.