Beiträge von Fachfremder

    Es ist halt so, dass man von der 1% Strafzahlung keine wirklich fundierte Jugendabteilung und 2. Mannschaft finanzieren kann, so dass viele Vereine das Geld lieber in den Kader des Bundesligateams investieren. Zudem braucht man für eine veritable Jugendarbeit auch entsprechende Strukturen und (ehrenamtliche) Helfer. Etwas erreichen würde man allenfalls, wenn man Mannschaften nicht zum Spielbetrieb in höheren Ligen zulässt, wenn die nicht bestimmte Mindestanforderungen an den Unterhalt einer eigenen Jugend erfüllen. Hie in Württemberg gibt und gab es Vereine aus BWOL und 3. Liga, bei denen die Jugendmannschaften auf Bezirksebene rumdümpeln. Diese Vereine leben ausschließlich von der Jugendarbeit anderer Vereine. Wozu würde ein solches System aber führen? Es wäre weniger Geld da, auch für ausländische Spielerinnen und auf internationaler Ebene wären die deutschen Vereine nicht mehr im Ansatz konkurrenzfähig. Problematisch würde es zudem, wenn man das System auf weitere Ligen ausweitet, weil es insgesamt immer weniger Spielerinnen und Mannschaften gibt. Wenn hier nicht massiv entgegengewirkt wird, fehlt es sehr bald ohnehin an einer Basis, auf der überhaupt ausreichend qualifizierte Spielerinnen entwickelt werden können.

    Echt witzig der DHB. So wie es mit den Zahlen beim Nachwuchs aussieht, muss man über jede Frau froh sein, die auch nach der Mutterschaft weiter spielt, denn sonst sieht es irgendwann einmal dünn aus mit den Gegnern, an denen sich der Bundesliganachwuchs messen kann.

    Ich glaube, dass Südkorea nicht vergleichbar ist. Insbesondere wenn man betrachtet, dass die auch ein extremes Schulsystem haben, in dem es so etwas wie Freizeit nicht gibt:

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    Insoweit sind die Kinder und Jugendlichen da einfach gewohnt, alles einer Sache zu widmen. Und BR_98, du kennst ja selber Spielerinnen. Warum sollten die ans Limit gehen, um das Bestmögliche herauszuholen, wenn das Bestmögliche ihnen immer noch wenig bringt? Alles geben, um einen der wenigen Kaderplätze bei den CL-Teilnehmern zu ergattern, um wenigstens mal zeitweise ein halbwegs vernünftiges Einkommen zu erzielen? Dann doch lieber mit kalkuliertem Aufwand Bundesliga und nebenbei für die Zeit nach dem Handball arbeiten.

    Löwenherz: Ronaldo wollte darauf hinweisen, dass sich diese Möglichkeiten nicht aus der Rechts-, sondern der Spielordnung ergeben.

    Um auch noch in der Sache etwas beizutragen: Natürlich können bestimmte Dinge zu einer Wettbewerbsverzerrung führen, allerdings halte ich es für legitim, dass Bundesligisten alle zulässigen Mittel einsetzen, um ihre 2. Mannschaft in der 3. Liga zu halten, um dort den Nachwuchsspielerinnen auch in der Folgesaison wieder Spielpraxis gewähren zu können. Die Regeln zum nicht möglichen Festspielen von jüngeren Spielerinnen können ja in gleicher Weise zu Verzerrungen führen.

    Sie haben auf jeden Fall unterschiedliche Sponsoren. Und bei den Männern sind einer die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die auch die EgeTrans-Arena betreiben. Da liegt es nicht so fern, wenn man annimmt, dass als Teil des Sponsorings für die Männer bessere Konditionen gelten. Und übrigens, auch die Bietigheimer Herren spielen so ab und an noch in der Sporthalle als Viadukt:

    Offizielle Webseite der SG BBM Bietigheim - Spiele 1. Mannschaft Männer - SGBBM

    ST, irgendwie erinnerst du mich an den hier:

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    Man macht es in erster Linie aus Liebe zum Sport , nicht um später mal Mio zu verdienen .

    Wenn man später sein Hobby zum Beruf machen kann , umso besser !

    Wenn man es aus Liebe zum Sport macht, muss es aber nicht immer ganz oben sein. Zudem macht man bei den Rahmenbedingungen in D nicht sein Hobby zum Beruf, denn für eine Leistungshandballerin, auch im Jugendbereich, geht der Aufwand weit über ein "Hobby" hinaus, zudem wird es in den hiesigen Verhältnissen eher zum bezahlten Hobby. Weißt du eigentlich, wie viele Spielerinnen es gibt, die das Potential hätten, ein oder zwei Klassen höher zu spielen, das aber nicht tun, weil der Aufwand einfach zu groß ist? Selbstverständlich spielt da eine Rolle, ob da wenigstens etwas finanziell bei raus kommt. Und ihren Sport lieben sie trotzdem, sie ordnen ihm aber nicht einfach alles unter.

    Dein Wort in Gottes Ohr Siebenberger. Leider dürfte es auch vom Personal in den Leistungszentren abhängen, ob Defizite tatsächlich abgebaut werden. Da wird der DHB dann aber ordentlich die Geldschattulle aufmachen und einen Rekrutierungsprozess starten müssen. Bislang war das in den hiesigen Leistungszentren häufig eher ein Trauerspiel. Daneben hat man sich auch so Scherze geleistet, die Spielerinnen aus halb Württemberg wochentags in Ostfildern zusammenkommen zu lassen, um sie dann zentral in den Kraftraum zu schicken ...

    Es ist im Prinzip so, wie Nordischbynature schreibt, die im Gegensatz zu ST Ahnung hat und vor allen Dingen schon einige Karrieren beobachten durfte. Bereits jetzt wird im Bereich der Nachwuchsförderung negiert, dass es sich um einen Mannschaftssport handelt, der zudem auch Spaß machen sollte. Nicht umsonst sieht man bei der erfolgreichsten Nationalmannschaft der letzten Jahre, Norwegen, die Spielerinnen, die den meisten Spaß am Handball zu haben scheinen. Der kann nämlich bei der heutigen Förderung schnell verloren gehen. Mich erinnert das alles ein wenig an das Beispiel vom Gras, das nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Anders gefragt: Bringen wir keine Spielerin wie Henny Reistad hervor, weil es an gezielter Förderung fehlt oder liegt es daran, dass eine Henny Reistad in Deutschland möglicherweise gar nicht erst mit dem Handball angefangen hätte?

    Sehr richtig Benson, es zeigt auch, was das Zertifikat letztlich wert ist. Es führte wohl teilweise auch dazu, dass die Vereine sich einfach ab der relevanten Jugendspielklasse bei allen anderen Vereinen bedient haben. In Württemberg auch noch mit bevorzugten Rechten zur BWOL-Quali. In der Zeit des ersten Lockdowns wurden sogar die letzten verbliebenen Startplätze in der B-Jugend mit dem Argument an Neckarsulm und Göppingen gegeben, dass die sonst das Jugendzertifikat nicht bekommen. Dagegen hatten betroffene Vereine bis zum DHB-Bundesgericht geklagt und dieses hatte die Entscheidung des HVW kassiert:

    Handballopa
    26. Juni 2020 um 14:51

    sicher richtig, dennoch so krass schwächer als der männliche Bereich, finde ich schon erschreckend. Hier wäre Vereine und Verband gefragt sich zu verbessern…

    Es geht einfach ums Geld! Wenn ein HBF-Verein das Jugendzertifikat will, kostet es ihn viel Geld, wenn nicht nur die Jugenden in den erforderlichen Spielklassen vertreten sein sollen, sondern auch noch die zweite Mannschaft in der erforderlichen Spielklasse. Daneben müssen die Trainer mit den entsprechenden Lizenzen ausgestattet sein. Für das Geld kann man wahrscheinlich 1-3 Spielerinnen bezahlen. Daneben darf man hier nicht nur auf die HBF-Vereine gehen. Bei uns in Württemberg muss man sich die Vereine in der 3. Liga und der BWOL anschauen, da spielen die Jugenden zu einem großen Teil lediglich auf Bezirksebene. Und wie Alter Sack schon bemerkt hat, es fehlt an Basis und Breite.

    Metzingen wirst du allerdings in der Paul-Horn-Arena in Tübingen gesehen haben. Dort sind die Tussies nicht zuhause und die Böden (Basketball wird dort auch gespielt) werden vom Hallenbetreiber verlegt. Die dortigen Spiele sind aber wegen der Kosten kaum darstellbar, die Ösch-Halle wird dagegen in Eigenregie bewirtschaftet (fällt aber wegen fehlender 2. Tribüne aus).

    der deiner Meinung nach einfachere Weg kann wohl nicht auch persönliche Gründe haben ?

    Dies ist irgendwie offensichtlich, wenn man die Herkunft betrachtet und dürfte bei Ingenpaß mit Leverkusen möglicherweise ähnlich liegen. Vor ein paar Tagen gab es hierzu auch einen guten Beitrag von B-Coach, der darauf hinwies, dass die handballerische Karriereplanung mit der persönlichen Lebens- und Ausbildungsplanung in Einklang gebracht werden muss. Und wenn sich die Handballkarriere eher dem Ende zuneigt und damit ohnehin nicht so viel zu holen ist, geben irgendwann die persönlichen Motive den Ausschlag. Aus meiner Sicht völlig verständlich.

    Ich denke mal, dass Markus Gaugisch weiß, dass er Bundestrainer und nicht Pressesprecher des DHB ist. Insoweit sollte man also davon ausgehen, dass er mit "von unserer Seite" die Nationalmannschaft meinte und nicht den DHB. Und was die Nationalmannschaft angeht, liegt er auch völlig richtig. Das ist nicht mehr deren Bier.